Stillen – am Bedarf vorbei…

Babys werden heute nach Bedarf gestillt. Nach ihrem Bedarf. Ständig die Brust rein? Nicht mit mir. Meine beiden Kinder bekamen etwa alle vier Stunden etwas zu trinken. Lieblos? Ich finde nicht…

Dieser Text stammt aus der Rubrik „Rabeneltern“. Mama und Papa können dort anonym bekennen, was sie alles nicht so machen wie im Lehrbuch….
Die spinnen die Mütter. Manche auf jeden Fall. Gestern hat mir eine Bekannte freudestrahlend erzählt, dass sie ihren Sohn sechs Stunden im Stück gestillt hat. Sechs Stunden?!
Auch mir hat die Hebamme im Krankenhaus lang und schlapp erzählt, dass man die Kinder nach Bedarf stillen soll. Und den haben Neugeborene eigentlich immer. Man kann so einen kleinen Wurm gar nicht verwöhnen. Ich fand das schlimm. Der Gedanke gefiel mir einfach gar nicht. Nicht falsch verstehen, ich habe meine Töchter (jetzt 1,5 und 4 Jahre alt) gerne gestillt. Aber ich wollte kein lebender Schnuller auf zwei Beinen sein.
Stillen alle vier Stunden
Stillen im vier Stunden Rhythmus (© panthermedia.net Juergen Priewe)
Auch die Nachsorgehebamme blies in ein ähnliches Horn. Sie war zwar von meiner Süssen beeindruckt, aber sie meinte auch, das ich das Kind soviel wie möglich anlegen sollte. Und ich fühlte mich damit total unwohl. Stillen, wickeln, stillen. Kurz spazieren gehen und wieder das ganze von vorn. Mütterliche Lebensqualität gleich null. Mein Mann fühlt sich ausgeschlossen und Neles Welt war eine riesige rosa Brust.
Nach drei Wochen war ich am Ende. Dann kam meine Mutter zu Besuch und sorgte dafür, dass Nele kein Flaschenkind wurde. Sie erzählte, dass sie mich und meinen Bruder alle vier Stunden gestillt habe. Das war damals einfach üblich. Und irgendwie fand ich das einleuchtend einfach.
Und genauso habe ich es gemacht. Bei meiner Nele und auch bei ihrer Schwester Mari. Die erste Mahlzeit gab es um 8 Uhr, dann um 12 Uhr, um 16 Uhr, 20 Uhr und nochmal gegen Mitternacht (vier Uhr fiel recht schnell aus). Und das ging super. Wenn Nele am Anfang schrie und suchend ihre Nase in mich reinstupste, ging mein Mann mit ihr spazieren oder kuschelte mit ihr. Da er nicht nach Milch roch, ging das gut. Und ab da trank die kleine Maus auch viel besser.
Auch meine zweite Tochter stillte ich in einem vierstündigen Rythmus. Wenn ich merkte, dass sie sehr hungrig war, waren es auch mal nur drei Stunden – wenn ich unterwegs war oder die Schwester erst versorgen musste, auch mal fünf Stunden. Es klappte bestens. Kein Wunder, meine ich. Säuglinge können nun mal nur weinen. Damit wollen sie doch nicht immer mitteilen, dass sie hungrig sind. Vielleicht möchten sie auch kuscheln, ihnen ist langweilig oder sie haben eine volle Windel. Wie sollen sie ihre Bedürfnisse richtig kennen lernen, wenn ihnen jedes Mal eine Brustwarze in den Mund gestopft wird, sobald sie ein Lebenszeichen von sich geben?
Als ich dann andere Mütter traf, die oft müde und ausgezerrt wirkten, erntete ich für meinen Stillrythmus Unverständnis. Ich würde auf die Bedürfnisse meines Kindes nicht eingehen, sei lieblos und pedantisch. Das hat mich traurig gemacht.
Aber es ist wohl noch immer so, dass es beim Stillen nach Bedarf nicht nach den Bedürfnissen der Mutter geht. Und auch nicht wirklich nach denen des Kindes. Brust rein, schreien ausgestellt. Sechs Stunden Dauernuckeln inklusive…
* Namen von der Redaktion geändert
Wir freuen uns auch über Ihre Elternerlebnisse.