TV als Babysitter?

Ich bekenne mich schuldig. Ich bin eine Rabenmutter, denn mein Sohn ist 18 Monate alt. Und er guckt fernsehen. Das darf er auch, denn ich lasse mich jetzt nicht mehr von Anderen verunsichern. Darüber bin ich froh…
„Ja. ich bin keine Supermama. Das sage ich ganz offen. Und trotzdem lasse ich mich nicht mehr verunsichern und mir nicht mehr reinreden. Gott sei Dank.

Vor gut drei Jahren war das nämlich noch anders. Ich war gerade 22 Jahre alt, hatte einen lieben Mann und eine neugeborene Tochter. Meine Mutter und meine Schwiegermutter kamen ständig vorbei und hatten kluge Ratschläge. Ich sollte die Kleine lieber anders halten, mehr auf den Bauch legen, keine Pastinake füttern und so weiter.

 
Einerseits war ich ja über Tipps froh, aber ich merkte, dass ich immer unsicherer wurde. Ich wurde dann schnell wieder schwanger. Und manchmal war ich einfach erschöpft und müde. Mein Mann ist oft beruflich unterwegs und ich war echt viel allein.
 
Haushalt, hochschwanger und dann auch noch eine fast Zweijährige bespielen? Das Nervige war ja, dass ich zu nichts kam. Wenn ich abwaschen wollte, zupfte Lena an meinem Bein, beim Staubsaugen wollte sie immer „mithelfen“ und beim Wäsche sortieren sowieso. Einmal habe ich auf die Uhr geguckt. Weil ich immer wieder unterbrechen musste, habe ich ehrlich drei Stunden dafür gebraucht, den Boden zu wischen.
 
Mit dem Neugeborenen wurde das nicht besser. Ich war nur am Hetzen und immer müde. Meine Mutter und Schwiegermutter hatten ständig gute Tipps, aber nie Zeit. Und dann entdeckte ich meinen kostengünstigen Aushilfsbabysitter.
 
Ich war so unendlich müde. Lena nervte rum und ich machte etwas, von dem ich überzeugt war, dass es gute Mütter nicht tun. Ich schaltete am Vormittag den Fernseher an. Den Kinderkanal. Meine Kleine fand es klasse – und ich auch. Das Baby schlief, das Kleinkind war ruhig und ich konnte endlich in Ruhe auf dem Sofa liegen. Die Sendung fand ich auch niedlich. Harmlos.
 
Ab da wurde das unsere Routine. Jeden Morgen durfte Lena fernsehen. Eine gute Stunde und in dieser Zeit putze ich oder räume auf. Meine weiblichen älteren Verwandten bekamen eine Krise. Unmöglich, wäre das, so ein kleines Kind vor die Glotze zu setzen. Ich finde das nicht.
 
Ich gebe ja zu, dass es eine Notlösung war. Aber sie funktionierte beim ersten Kind prima. Und meinem Sohn konnte ich das fernsehen dann ja nicht verbieten, oder? Ich habe ein paar schöne DVDs gekauft und die Kinder dürfen jetzt beide gucken. Lena ist jetzt im Kindergarten und sie guckt abends nur den Sandmann. Jannis ist jetzt 18 Monate alt – und er schaut morgens eine Stunde, in meiner Putzstunde.
 
Danach habe ich Zeit für ihn und gehe zum Spielplatz oder Tobe. Ich fühle mich damit total gut. Das was die Anderen sagen ist mir egal. Mein Kind darf fernsehen. Und danach mit mir spielen. Finde ich viel besser, als drei Stunden im Haushalt rumzuwerkeln und dabei das Kind immer nur versuchen ruhig zu halten und dann keine Zeit für es zu haben. Meine Lösung mag nicht jedem gefallen, aber ich bekenne: Mein Kleinkind guckt fernsehen. Und das ist gut.“
 
Bild: ©  Leonid Mamchenkov – flickr.com
*Namen von der Redaktion geändert
 
Dieser Text stammt aus der Rubrik „Rabeneltern“. Mama und Papa können dort anonym bekennen, was sie alles nicht so machen wie im Lehrbuch…. 
 
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