Sind Spielzeugwaffen für Kinder ok oder sollten wir sie verbieten?

Ist es o. k., unsere Kinder mit Spielzeugwaffen spielen zu lassen oder können Spielzeug-Messer oder -Pistolen Kindern schaden und sollten wir sie verbieten?

Cowboy und Indianer waren gestern. Heute können sich Kinder zu Karneval verkleiden, wie ein SEK-Einsatzkommando. Pistolen, Gewehre und Dolche schmücken das ganze Jahr die Spielzeugabteilungen in großen Kaufhäusern. Aber ist es o. k., unsere Kinder mit Spielzeugwaffen spielen zu lassen und damit ihre Fantasie zu beflügeln oder verharmlosen wir mit den bunten Plastikkanonen das Unheil, was die echten Waffen anrichten können?

Spielzeugwaffen – heftiger Zündstoff für Diskussionen

Die Ansichten darüber, womit Kinder spielen dürfen und sollten, polarisieren regelmäßig. Zuletzt gab es Ärger für das „Micky-Maus“ Heft: „die perfekte Waffe für echte Helden“ so wurde die Beilage, ein goldener Plastikdolch, von dem Herausgeber bezeichnet. Eltern waren empört und Politiker ebenso. Selbst der Kölner Polizeipräsident Uwe Jacob meldete sich zu Wort: „Ich habe überhaupt kein Verständnis für dieses ‚Spielzeug‘ und diesen Kommerz“. Einige Eltern werden diese Statements nun nickend bejahen und andere nehmen das Thema eher gelassen, schließlich wurde auch in der eigenen Kindheit schon mit Erbsen oder Knallplättchen geschossen. Andere wiederum fragen sich, ob sie ihrem Kind Spielzeugwaffen wie Pistolen, Messer, Schwerter besser verbieten sollten.

Sind Spielzeugwaffen für Kinder ok oder sollten wir sie verbieten? (© Getty Images)
Sind Spielzeugwaffen für Kinder ok oder sollten wir sie verbieten? (© Getty Images)

Warum spielen Kinder gerne mit Spielzeugwaffen?

Der Nachwuchs, vor allem Jungen, fühlen sich magisch zu Spielzeugpistolen hingezogen. Der Grund dafür liegt unter anderem in der Ursprünglichkeit der Menschen. In der Regel werden unsere Kinder im Alter von etwa drei Jahren in altersgemischte Gruppen integriert, zum Beispiel im Kindergarten. Im Steinzeitalter war das genau der Lebensabschnitt, in denen Kleinkinder ihre größeren Gefährten beobachten mussten, um auf Gefahren in ihrer Umwelt vorbereitet zu sein. Gemeinsam schlichen sie durch das Unterholz, jagten kleine Tiere und sammelten Essbares.

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Auch heute noch orientieren sich kleinere Kinder an ihren größeren Spielgefährten. Aber wenn ihr jetzt denkt, dass das Thema erst im Alter von drei Jahren wirklich aktuell wird, müssen wir euch enttäuschen. In Wahrheit beobachten Kinder schon viel früher ihr Gegenüber. Sogenannte Spiegelneuronen im Gehirn lösen Gefühle und Stimmungen bei unserem Nachwuchs aus, selbst wenn er nur andere Personen beobachtet. Das kleine Gehirn übt sozusagen die Schritte der Handlung für den Fall der Fälle, denn vielleicht wird es zukünftig gebraucht.

Dieses Phänomen können wir ab etwa einem Jahr verstärkt beobachten, denn dann interessieren sich die Kleinen für Objekte aus der Erwachsenenwelt. Handys, Staubsauger, Kochtöpfe – nichts mehr sicher, denn unsere Kinder wollen erwachsenes Verhalten unbedingt nachahmen. In dem Alter spielt es aber noch keine Rolle, welchem Geschlecht unsere Kinder angehören. Auch kleine Jungs putzen fleißig mit dem Kinderbesen.

Welche Rolle spielt das Geschlecht?

Mit etwa drei Jahren fühlen sich unsere Kinder einem Geschlecht zugehörig. Jetzt imitieren sie differenzierter. Wenn sich ein Kind als Junge wahrnimmt, wird er insbesondere ältere Jungs und Männer beobachten. Wenn der Nachwuchs sich den Mädchen zugehörig fühlt, wird er andere Mädchen und Frauen in Augenschein nehmen. Besonders im Kleinkindalter versuchen die Kinder dem Mainstream zu folgen.

Ist Elsa im Kindergarten angesagt, wird die Schneekönigin auch bald Einzug in den Kleiderschrank erhalten. Kein Junge entkommt derzeit dem Star Wars-Wahn. Eltern sehen sich den Vorbildern meist machtlos gegenüber, denn was im Kindergarten von Älteren favorisiert wird, verlangt der eigene Nachwuchs nach kurzer Zeit mit Nachdruck. Aber nicht nur der Kindergarten auch die Gesellschaft lebt gewisse Stereotypen vor, selbst wenn wir die als Eltern kategorisch ablehnen.

Mehr Macht durch Spielzeugwaffen?

Das Leben als Kleinkind ist oftmals nicht leicht. Sie hören im Alltag viele „Neins“ und fühlen sich dauerhaft bevormundet. Die Identifikation mit magischen und machtvollen Figuren oder Superhelden verleiht unseren Kleinsten ein Gefühl von Macht. Sie fühlen sich stärker und mächtiger, in einer Welt, in der sie selbst nur wenig zu bestimmen haben. Kinder sind gerne Prinzessin, Hexe, Jedi-Ritter oder Pirat und natürlich gehört dazu der passende Zauberstab oder Säbel. Was wäre Darth Vader oder Luke Skywalker ohne Laserschwert? Trotzdem machen wir dort einen entscheidenden Unterschied, denn das gehört gefühlsmäßig unter Verschluss.

Brauchen kleine Helden Spielzeug-Waffen? (© Getty Images)
Brauchen kleine Helden Spielzeug-Waffen? (© Getty Images)

Soll ich meinem Kind Spielzeugwaffen verbieten?

Kinderpsychologen haben darauf eine klare Antwort und die heißt: Nein, denn das Spiel mit Waffen gehört zur kindlichen Entwicklung dazu. Dadurch erlernt der Nachwuchs die Unterscheidung zwischen Gut und Böse und den Umgang mit Macht. Vielmehr würden Eltern das Problem erfinden. Tatsächlich denken nur Erwachsene an Kindersoldaten, Krieg und Gewalt. Kinder können zwischen Spiel und Realität unterscheiden, so Kinderpsychologe Holger Simonszent. Trotzdem sollte vor dem Spiel klargestellt werden, dass auch Spielzeugwaffen zu Verletzungen führen können.

Empfohlene Regeln für den Umgang mit Spielzeugwaffen:

  • Die Spielzeugwaffen sollten sich deutlich von echten Waffen unterscheiden.
  • Anstatt aufeinander sollte auf Zielscheiben geschossen werden.
  • Mit Spielzeugwaffen sollten keine realen Konflikte ausgetragen werden.
  • Stopp heißt Stopp, es wird nicht gegen den Willen weitergespielt.
  • Lehnt der Besuch das Spiel mit Waffen komplett ab, werden die Spielzeuge während des Besuches nicht hervorgeholt.
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