Fingernägel kauen: So kannst du es deinem Kind abgewöhnen

6 Tipps, die Kindern das Nägelkauen abgewöhnen erleichtern und warum du es deswegen nicht ständig ermahnen solltest

Wenn Kinder andauernd an den Fingernägeln kauen, ist das eine unschöne, aber besonders unter Kindern und Jugendlichen sehr häufige Angewohnheit. Die ständigen Ermahnungen nerven Eltern und Kinder gleichermaßen und die abgeknapperten Fingernägel sehen nicht schön aus. In extremen Fällen können die abgekauten Fingerkuppen Schmerzen verursachen und die Kinder in der Bewegung und Nutzung der Hände einschränken. Mit den folgenden Tipps kannst du deinem Kind dabei helfen, sich das Fingernagelkauen wieder abzugewöhnen:

Fingernägel kauen: So gewöhnst du es deinem Kind ab (© Getty Images)
Fingernägel kauen: So gewöhnst du es deinem Kind ab (© Getty Images)

Warum kaut mein Kind an den Fingernägeln – muss ich mir Sorgen machen?

Auch wenn Eltern das nicht gerne sehen, einen Grund zu Sorge gibt es in der Regel nicht. Kinder kauen aus unterschiedlichen Motiven an den Fingernägeln. Langeweile, Gewohnheit, Neugierde und Stress gehören dazu. Das Nägelkauen gehört zu den sogenannten „nervösen Angewohnheiten“ und befindet sich damit in bester Gesellschaft von Daumenlutschen, Nasebohren, Zähneknirschen und Haare um den Finger wickeln. Fingernagelkauen ist die Angewohnheit, die am häufigsten bis ins Erwachsenenalter mitgetragen wird. So verwundert es nicht, dass verschiedenen Studien zufolge jeder dritte bis zehnte Deutsche zu den Nägelkauern gehört.

Nägelkauen als Symptom?

Früher wurde das Fingernägelkauen als Symptom von psychischen Störungen vermutet. Heute sind sich Experten einig, dass das nur selten der Fall ist. Vielmehr versuchen Kinder dadurch, Spannungen abzubauen. Die Ursachen von Beunruhigungen oder Ängsten sind vielfältig. Die Eingewöhnung in die Kita, Stress in der Schule, eine spannende Fernsehsendung oder eine Situation auf dem Spielplatz können Kinder verunsichern. Mit dem Nägelkauen versucht der Nachwuchs den Stress abzubauen und Trost zu erfahren.

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In den meisten Fällen finden Kinder mit zunehmendem Alter andere Wege, um den Stress zu kanalisieren und das Fingernägelkauen verschwindet. Kinder können aber auch unter Schuldgefühlen, inneren Zweifeln und Unsicherheiten leiden, die sie stark belasten. Der Nachwuchs kann zum Beispiel nach der Trennung der Eltern mit dem Fingernägelkauen anfangen. In diesem Fall ist es hilfreich, einen Experten zurate zu ziehen, um unmögliche innere Konflikte zu lösen.

Wichtig: Ermahnungen und Schimpfen bringt keinen Erfolg!

„Nimm die Finger aus dem Mund!“ Eltern ertappen sich ständig dabei, ihre Kinder zu ermahnen. Erfolgsversprechend ist das allerdings nicht, denn der Nachwuchs handelt nicht willentlich. Um das lästige Fingernägelkauen abzugewöhnen, gilt es zunächst den Grund herauszufinden. Folgende Fragestellungen können dabei helfen:

  • Fechtet mein Kind innere Konflikte aus?
  • Was beschäftigt meinen Nachwuchs?
  • Gibt es Stressauslöser, die ich vermeiden kann?
  • Bei welcher Beschäftigung kaut mein Kind vermehrt an den Nägeln?

In einem einfühlsamen Gespräch können Gründe für das Fingernägelkauen erforscht werden. Dem Nachwuchs fällt es leichter, in einer ruhigen und entspannten Atmosphäre, sein Herz zu öffnen. Experten empfehlen eine liebevolle Gesprächsführung ohne mahnende Worte. Beispiel:

„Ich habe bemerkt, du kaust viel an deinen Fingernägeln. Hast du Sorgen? Du weißt, dass du immer mit mir sprechen kannst, oder?“

Fingernägel kauen: 6 Tipps zum Abgewöhnen

1.    Hände pflegen: Schau dir gemeinsam mit deinem Kind die Hände an und überlegt, wie ihr es schaffen könnt, sie wieder schön aussehen zu lassen. Eine Möglichkeit ist eine Handmassage oder eine Tube Handcreme, die sich dein Nachwuchs selbst aussuchen darf. Damit lernt dein Kind den Blick, auf seine Hände zu richten und ein Gefühl für die Pflege zu entwickeln. Übrigens: Längere Fingernägel animieren zum Kauen. Weniger Angriffsfläche erreichst du durch kurz geschnittene Fingernägel.

2.    Loben: Die Fingernägel wachsen wieder über das Nagelbett hinaus, auch wenn nur ein kleines Stück? Prima! Dafür solltest du dein Kind loben!

3.    Stressabbau: Fühlt sich dein Kind angespannt? Überlegt gemeinsam, wie ihr mehr Ruhe in den Alltag bringen könnt. Früheres Aufstehen vermeidet zu viel Hektik am Morgen. Vielleicht fühlt sich dein Kind bei den Hausaufgaben in der Randstundenbetreuung unter Druck gesetzt? Dann kann es helfen, wenn du die Hausaufgaben mit deinem Kind zu Hause machst.

4.    Hilfsmittel zum Abgewöhnen: Bitterer Nagellack, Pflaster und Handschuhe sind oft angepriesene Helfer. In vielen Fällen bringen sie aber nicht das erwünschte Ergebnis. Die betreffenden Kinder fangen dann an, alternativ an der Nagelhaut zu kauen oder sich die Handschuhe heimlich auszuziehen. Ganz davon abgesehen, dass das Kind schließlich nicht den ganzen Tag mit Handschuhen oder Pflastern herumlaufen kann oder möchte.

5.    Geheimes Codewort: Um Schimpfen zu vermeiden, können sich Eltern mit ihren Kindern auf ein bestimmtes Zeichen einigen. Wenn der Nachwuchs erneut an den Nägeln kaut, können Eltern zum Beispiel „Knusper“ sagen. Ins Lächerliche sollte das Ganze allerdings nicht gezogen werden, denn schließlich ist es das Ziel, die Angewohnheit aufzugeben.

6.    Alternativen schaffen: Kinder müssen ihren Stress kanalisieren. Fingernägelkauen ist eine Möglichkeit, aber du kannst weitere schaffen. Auf langen Autofahrten könntest du deinem Nachwuchs ein Geschicklichkeitsspiel geben, damit es abgelenkt ist und nicht aus Langeweile an seinen Fingernägeln kaut. Gut geeignet ist auch ein flacher Stein oder eine kleine Holzfigur, die als Handschmeichler dienen.

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