Fußfehlstellungen bei Kindern: So kann effektiv vorgebeugt werden!

Nicht immer sind kleine Kinderfüße perfekt geformt. Falsches Schuhwerk und die Gene können Einfluss auf Fußfehlstellungen bei Kindern haben. Dann ist zeitnahes Eingreifen gefragt, denn Füße bilden das Fundament des Körpers.

Der Kinderfuß, so klein und so komplex: 28 Knochen, 107 Bänder und 19 Muskeln, das alles ist in einem kleinen Kinderfuß enthalten. Durch den komplexen Aufbau gibt es auch viele verschiedene Beschwerden und Formen der Fußfehlstellungen.

Wie kommt es zu kindlichen Fußfehlstellungen?

Warum die kleinen Füße verformt sind, hat verschiedene Ursachen. Nur ein kleiner Teil der Fälle ist auf erbliche oder verletzungsbedingte Ursachen zurückzuführen. Zum Vergleich: Nur etwa 2 % aller Babys kommen mit einer Fehlstellung der Füße zur Welt. In den meisten Fällen ist das falsche Schuhwerk an der Fußfehlstellung Schuld. Nicht selten tragen schon kleine Babys Schuhe, obwohl sie noch gar nicht laufen können. Auch die falsch gewählte Größe kann den kleinen Kinderfüßen zusetzen.

Fußfehlstellungen bei Kindern kann vorgebeugt werden (Getty Images)
Fußfehlstellungen bei Kindern kann vorgebeugt werden (Getty Images)

Kinder bemerken oft nicht, wenn der Schuh nicht richtig passt, denn ihre Füße sind noch weich und formbar. Krallenzehen entstehen zum Beispiel, wenn die Ferse keinen Halt hat und die Zehen im Schuh nach vorne rutschen. Dadurch werden sie gestaucht. Der Kinderfuß reagiert prompt und versucht sich im Schuh verkrampft „festzukrallen“.

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Krankheitsbilder: Fußfehlstellungen von Kindern

Allgemein werden folgende Fußfehlstellungen bei Kindern unterschieden:

Senkfüße: Dabei lässt sich eine Abflachung des Fußlängsgewölbes feststellen.

Knickfüße: Der Fuß kippt nach innen und die Fersen stehen schräg.

Klumpfüße: Eine meist angeborene Kombination aus Hohl-, Sichel- und Spitzfuß, die Ferse ist zur Körpermitte hin gedreht.

Hohlfüße: Das Fußlängsgewölbe ist erhöht.

Sichelfüße: Der Vorderfuß und die Zehen des Kindes sind einwärts gedreht. Diese Fußfehlstellung ist behandlungsbedürftig und tritt häufig bei Säuglingen auf, die in Bauchlage schlafen.

Hackenfüße: Das Kind zieht den Fußrücken in Richtung Schienbein. Hackenfüße entstehen, wenn das Kind nicht ausreichend Platz im Mutterleib hat. Diese Fußfehlstellung gibt sich meist von alleine kurz nach der Geburt.

Krallenzehen: Das Kind überstreckt das Grundgelenk bei gebeugtem Mittel- und Zehenendgelenk.

Hammerzehen: Das Zehenendgelenk wird im isolierten Zustand maximal gebeugt.

Plattfüße: Dabei handelt es sich um eine angeborene oder erworbene, aber sehr seltene Fehlstellung. Dabei liegt die Fußsohle durch Abflachung des Fußlängsgewölbes flach auf dem Untergrund auf.

Knick-Senk-Füße: Dabei nimmt die Ferse eine X-Stellung ein, gleichzeitig ist das innere Fußgewölbe abgeflacht. Knick-Senk-Füße ist die häufigste Fußfehlstellung bei Kindern und gibt sich in der Regel bis zum Schuleintrittsalter. Im Erwachsenenalter gilt diese Fußfehlstellung als behandlungsbedürftig.

Wie sieht die Behandlung von Fußfehlstellungen aus?

Die Behandlung von Fußfehlstellungen richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad. Orthopädische Schuheinlagen und eine Fußgymnastik, die spielerisch mit Kindern umgesetzt wird, können die Fehlstellungen ausgleichen. Davon profitieren vor allem Knick-Senkfüße, denen mit einer „anatomisch intelligenten Bewegung“ mehr Beweglichkeit und Wohlbefinden gegeben werden können. Handelt es sich um eine ausgeprägte Fehlstellung, werden korrigierende Gipsverbände, Maßschuhe oder Schienen speziell angefertigt.

Auch eine regelmäßig durchgeführte Krankengymnastik kann den kleinen Füßen helfen, auf Spur zu kommen. Erst wenn alle Behandlungsalternativen ausgeschöpft sind, können Eltern mit ihrem behandelnden Arzt über eine Operation nachdenken. In den meisten Fällen lassen sich die Fußfehlstellungen mit schonenden Maßnahmen korrigieren, nur selten muss eine Operation erfolgen.

Tipps und Übungen für gesunde Füße

Eltern können entscheidend zu einer gesunden Entwicklung der Kinderfüße beitragen:

Beweglichkeit fördern: Kleine Kinderfüße wollen bewegt werden. Deshalb sollten Eltern möglichst früh mit der Förderung der Beweglichkeit anfangen. Dafür eignen sich einfache Gymnastikübungen. Mit einem sanften Druck gegen die Babyfüßchen kann die Muskulatur gestärkt werden. Durch abwechselndes Strecken der Füße, zum Beispiel beim Wickeln, werden alle Fußkomponenten gekräftigt.

Die beste Gymnastik für ältere Kinder ist das Barfußlaufen. Dazu können spielerische Übungen durchgeführt werden, wie auf einem Bein hüpfen oder mit den Füßen „winken“. Besonders knifflig und spannend ist es für Kinder, verschiedene Gegenstände wie Stifte oder Murmeln mit den Zehen aufzuheben.

Der richtige Zeitpunkt für Schuhe: Babys sollten so spät wie möglich regelmäßig Schuhwerk tragen. Für die Förderung einer gesunden Entwicklung ist es auch für sie wichtig, möglichst viele Erlebnisse auf natürlichem Untergrund zu machen. Speziell angelegte Barfußpfade sind ein echtes Erlebnis für die Kleinen und stärken Sehnen, Muskeln und Bänder.

Auf Daumenprobe verzichten: Beim Schuhkauf reicht es nicht, nur kurz den Daumen drauf zu halten. Spezielle Messgeräte helfen, die richtige zu Größe zu ermitteln. Mindestens 12 mm sollten zur exakten Größe des Kinderfußes hinzugerechnet werden. Häufig hilft es, den Umriss des Kinderfußes auf ein Stück Papier aufzumalen und dieses zum Schuhkauf mitzubringen.

Spezielle Messgeräte helfen, die richtige zu Größe zu ermitteln (Getty Images)
Spezielle Messgeräte helfen, die richtige zu Größe zu ermitteln (Getty Images)

Weitere Informationen: Vogt, Behnke, Wilke, Schagemann, Paech, Russlies: Fußfehlstellungen im Kindesalter, Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie UKSH Lübeck

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2 Gedanken zu “Fußfehlstellungen bei Kindern: So kann effektiv vorgebeugt werden!

  1. kleine Fehler gefunden!

    1. Klumpfüße sind falsch beschrieben! Den Gang über die Außenkanten des Fußes haben auch viele andere Menschen, die etwa wegen Knick- Senkfüße im Unterbewusstsein gegen das sonst typische Abrollen über die Großzehen vermeiden.

    2. Plattfüße sind nicht grundsätzlich angeboren

    3. Einlagen und Gymnastik gehört immer zusammen,- Fußgymnastik sollte auch dann so normal wie das Zähneputzen sein, wenn das Kind gesunde und kräftige Füße hat,- ausgenommen beim Hohlfuß.

    Ansonsten aber ein ganz toller Artikel!

    • Hallo Andreas, vielen Dank für das Lob und die Hinweise und Korrekturen, die wir jetzt auch im Artikel korrigiert haben.

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