So gewöhnst du deinem Kind das Daumenlutschen ab

So hilfst du deinem Kind, sich das Daumenlutschen abzugewöhnen: Was am Anfang so niedlich aussieht, kann bei Eltern später zu Kopfzerbrechen führen – das Daumenlutschen. Aber ist es wirklich so gefährlich und wann sollten Kinder davon allmählich entwöhnt werden?

Warum Kinder am Daumen lutschen

Gedankenverloren starrt Lisa vor sich hin und langsam findet der Daumen den Weg in den Mund, eigentlich wie immer, wenn sie müde ist. Schon als Baby hat Lisa am Daumen genuckelt. Völlig nachvollziehbar, sagen Psychologen, denn das Daumenlutschen erfüllt das natürliche Saugbedürfnis von Kindern. Das Saugen an Brust oder Flasche erfüllt das Nahrungsbedürfnis, wohingegen der Daumen zum Stressabbau dient und eine willkommene Einschlafhilfe ist. Das beweisen auch Studien, die zeigen, dass der Nachwuchs mehr nuckelt, wenn er gestresst ist. Wie praktisch, dass der Daumen immer dabei ist. Aber ab dem dritten Lebensjahr sollten Eltern die Angewohnheit im Blick behalten.

Daumenlutschen macht Kinder froh und den Zahnarzt ebenso?

Zahnärzte und Kieferorthopäden können eindeutige Spuren durch lang anhaltendes und ausdauerndes Nuckeln am Finger beobachten. Ein offener Biss, der das Abbeißen bedeutend erschweren kann oder schiefe Vorderzähne können die Folge von jahrelangem Daumenlutschen sein. Darüber hinaus geben Experten zu bedenken, dass das Kieferwachstum durch die Angewohnheit behindert und die Zungenmotorik gestört werden kann.

So gewöhnst du deinem Kind das Daumenlutschen ab (©)
So gewöhnst du deinem Kind das Daumenlutschen ab (©)

Der Nachwuchs kann dann im schlimmsten Fall bestimmte Laute nicht richtig aussprechen. Kieferorthopädische Behandlungen bei Kindern und Jugendlichen sind mit rund 40 Prozent auf das Daumenlutschen zurückzuführen. Dann heißt es Daumenlutschen ade, damit eine kieferorthopädische Behandlung, zum Beispiel durch entsprechende Apparaturen, gezielt greifen kann. Ob und welche Behandlung eingeleitet werden muss, hängt von den Schäden an den Zähnen und dem Kiefer ab.

Was tun, wenn der Nachwuchs am Daumen nuckelt?

Dann heißt es erst mal gelassen bleiben, denn das natürliche Saugbedürfnis nimmt mit zunehmendem Alter automatisch ab. Etwa um den dritten Geburtstag herum verliert der Nachwuchs den Saugreflex. In dieser Zeit hören auch viele Kinder auf, am Daumen zu lutschen. Zudem kommt, dass sie nun andere Strategien gefunden haben, um mit Stress und Anspannung umzugehen. Probleme können nun klarer geäußert und Einflüsse besser gefiltert werden. Aber auch nach dem dritten Geburtstag müssen sich Eltern nicht sorgen, wenn das Daumenlutschen nur noch gelegentlich auftritt, zum Beispiel während der Einschlafphase.

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Nuckeln Kinder nach dem dritten Lebensjahr jedoch intensiver oder werden exzessive Ausmaße angenommen, muss geprüft werden, ob das Daumenlutschen ein Ausdruck seelischer Probleme oder einer Verhaltensstörung ist. In vielen Fällen gesellen sich dann noch andere Auffälligkeiten hinzu. Bei den meisten Kindern handelt es sich nach dem dritten Lebensjahr lediglich um eine Angewohnheit, die aus Langeweile, Wut, Trotz oder Angst verfolgt wird. Dann muss ein „Nuckelstopp“ her, denn der Nachwuchs benötigt andere Strategien, um seine Gefühle zu kontrollieren.

Daumenlutschen abgewöhnen: erforsche die Gefühle deines Kindes

Viele Eltern lassen sich auf regelrechte Machtkämpfe ein, bei denen sie ständig auf der Hut sind, wann das Kind den Daumen wieder in den Mund befördert. Sobald das geschieht, ziehen sie ihn wieder heraus. Aber soweit muss du es nicht kommen lassen, stattdessen solltest du die Gefühle deines Nachwuchses hinterfragen. Warum lutscht es in der betreffenden Situation am Daumen? Welche Bedürfnisse erfüllt sich dein Kind in dem Moment?

Wenn es wütend oder traurig ist, hilft es, wenn du auf dein Kind eingehst und es in den Arm nimmst. In Stresssituationen sucht dein Nachwuchs womöglich nach Sicherheit. Dann können Kuscheleinheiten helfen. Steckt hinter dem Daumenlutschen jedoch Langeweile muss ein Unterhaltungsprogramm her. Gib deinem Kind etwas in die Hand, womit es sich beschäftigen kann. Altersentsprechende Lernspielzeuge oder Puzzle für ältere Kinder sorgen für Ablenkung.

Ganz wichtig ist auch Lob und Anerkennung, wenn das Kind in einer üblichen „Daumenlutschsituation“ seine Gefühle anders kanalisiert. Kritik ist dagegen nicht angebracht. Genervte Kommentare können das Kind verunsichern, dann lässt der Daumen nicht lange auf sich warten.

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Sinnvolle Alternativen zum Daumen:

Nun gibt es Tinkturen, homöopathische Kügelchen und spezielle Handschuhe, damit das Kind vom Daumenlutschen abgehalten werden kann. Einige eignen sich mehr wie andere, denn durch negative Erlebnisse mit dem auserkorenen Seelentröster, zum Beispiel durch scharfe Tinkturen, können sensible Kinder sehr verunsichert werden. Besser eignen sich folgende Ersatztröster:

  • Schnuller
  • Schmusetuch
  • Kuscheltiere
  • Eigentlich alles, was tröstet und Sicherheit gibt.

Schnuller können zwar auch für anatomische Veränderungen sorgen, diese können aber gleichmäßiger behandelt werden. Zudem kann ein Schnuller abgewöhnt werden, indem er von der Zahnfee entführt wird, das geht mit dem Daumen natürlich nicht.

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