Regenbogenfamilien: Meine Familie ist anders!

Den Begriff „Regenbogenfamilie“ lesen und hören wir immer mehr. Trotzdem weiß kaum jemand, was sich hinter dem Begriff verbirgt. Eigentlich schade, denn das Familienkonzept öffnet neue Perspektiven und räumt mit alten Klischees auf.

Was sind Regenbogenfamilien?

Eine Familie von Eltern und Kindern, bei denen mindestens ein Elternteil lesbisch oder schwul ist, wird als Regenbogenfamilie bezeichnet. In der Regel wird der Begriff vor allem für gleichgeschlechtliche Paare mit Kindern angewandt.

Regenbogenfamilien: Meine Familie ist anders! (© Getty Images)
Regenbogenfamilien: Meine Familie ist anders! (© Getty Images)

Wie diese Familien entstehen, ist ganz unterschiedlich. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Elternteile, die Kinder aus vorangegangenen heterosexuellen Beziehungen mit in eine neue gleichgeschlechtliche Verbindung bringen. In selteneren Fällen haben Eltern, die lesbisch oder schwul sind, sich ihren Traum von Kindern mithilfe von künstlicher Befruchtung oder Adoption erfüllt. Auch eine Pflegekindschaft ist ein denkbares Modell. Ob und wie sich homosexuelle Paare ihren Kinderwunsch erfüllen können, richtet sich nach dem jeweiligen Land und der vorherrschenden Gesetzeslage.

Regenbogenfamilien: eine offene und liebevolle Atmosphäre

Laut Studien gehen Eltern aus Regenbogenfamilien besonders auf ihre Kinder ein, weil viele davon Wunschkinder sind. Kinder aus Regenbogenfamilien bestätigen das zu genüge. Sie geben an, dass ein offener kommunikativer Austausch zu weniger Spannungen in ihrem Familienleben führt. Eine Untersuchung des bayerischen Staatsinstituts für Frühpädagogik in München befragte 95 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 18 Jahren, die in Regenbogenfamilien aufwachsen. Das Ergebnis: die Kinder verfügen über ein höheres Selbstwertgefühl und beschreiben sich als offen und tolerant. Diese Offenheit entsteht nicht zuletzt, weil sich homosexuelle Personen lange mit ihrer Identität auseinandergesetzt haben. Davon profitieren letztendlich auch die Kinder, denn ein offener Umgang mit Emotionen und viel Einfühlungsvermögen ist besonders wichtig, um dem Nachwuchs ein stabiles Familienleben zu bieten.

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Weg mit den Klischees – diese Vorurteile stimmen nicht:

  1. Kindern fehlt es an Entwicklungsmöglichkeiten, da der andersgeschlechtliche Elternteil fehlt!
    Langzeitstudien belegen, dass Kinder aus Regenbogenfamilien in Bezug auf die soziale, emotionale und intellektuelle Entwicklung keine Fehlentwicklungen aufweisen.
  1. Kinder werden eher schwul oder lesbisch, wenn sie in einer Regenbogenfamilie aufwachsen!
    Diesem Klischee sehen sich viele gleichgeschlechtliche Paare gegenüber. Eine US-amerikanische Metastudie hat jedoch ergeben, dass Kinder von gleichgeschlechtlichen Eltern genauso oft heterosexuell orientiert sind, wie der Nachwuchs, der im klassischen Familienumfeld, das aus Vater, Mutter und Kind besteht, aufwächst.
  1. Regenbogenfamilien sind ein instabiles Umfeld für Kinder, da sich die gleichgeschlechtlichen Paare häufiger trennen:
    Die größere Zahl an Beziehungsabbrüchen, die bei gleichgeschlechtlichen Paaren statistisch erfasst sind, werden vermehrt auf die soziale Benachteiligung und die rechtliche Unsicherheit von Regenbogenfamilien zurückgeführt. Die Qualität der Beziehung spielt häufig nur eine untergeordnete Rolle.

Wenn Regenbogenfamilien einen Wunsch frei hätten, was wäre das?

Regenbogenfamilien sehen sich noch heute vielen hartnäckigen Vorurteilen gegenüber. Sie nagen am Gefühlsleben, denn nicht immer kann man sich von den negativen Kommentaren abschirmen. Auch wenn die gesellschaftliche Akzeptanz in den letzten Jahren stark zugenommen hat, beklagen Eltern aus Regenbogenfamilien noch immer, dass sie außen vorgelassen werden. Bei Aktivitäten im Kindergarten oder in der Schule finden Sie trotz großem Engagements keine Anerkennung.

Besonders quälend ist das Schweigen für viele gleichgeschlechtliche Paare. Nachbarn halten sich fern und erzählen ihren Kindern beispielsweise, dass die Tante mit im Haus lebt, damit sie die für sie unangenehme Situation nicht thematisieren müssen. Aber genau das wünschen sich Regenbogenfamilien: einen offenen und positiven Umgang mit ihrem Familienmodell. Stattdessen distanzieren sich viele und trauen sich nicht interessiert nachzufragen.

Familienmodelle sind so vielfältig wie das Leben selbst (@Getty Images)
Familienmodelle sind so vielfältig wie das Leben selbst (@Getty Images)

Dabei schätzen die Oberhäupter der Regenbogenfamilien besonders den offenen Umgang mit ihrer Familiensituation, denn das würde Vorteile begraben. Nicht zuletzt sehen sie sich stets in einer Art Vorreiterrolle, bei der sie immer wieder Steine aus dem Weg räumen müssen, um unbeschwert leben zu können. Dazu gehören sowohl rechtliche als auch gesellschaftliche Hürden, die auch ihre Kinder betreffen. Vor allem können sie Ihren Nachwuchs jedoch nicht beschützen.

Fast jedes zweite Kind gibt an, aufgrund der besonderen Lebenssituation Nachteile zu erfahren. Beschimpfungen und das Gefühl von Ausgrenzung sind nur einige wenige Beispiele. Auch hier ist der offene Umgang besonders wichtig und das scheint in Regenbogenfamilien gut zu funktionieren. Laut einer Untersuchung geben 69 Prozent der diskriminierten Kinder an, mit ihren Eltern über die negativen Ereignisse zu sprechen. Damit kann negativen Einflüssen von diskriminierenden Äußerungen entgegengewirkt werden, sagen Experten.

Familienmodelle sind so vielfältig wie das Leben selbst. Toleranz und Akzeptanz macht es Kindern einfacher, mit gleichgeschlechtlichen Eltern oder nur einem Elternteil aufzuwachsen.

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