Schütteltrauma – warum Babys niemals geschüttelt werden dürfen!

Carola ist am Ende mit ihren Nerven. Ihr Sohn Maxim schreit anhaltend mehrmals am Tag und das nun schon seit zwei Monaten. Laut Schätzungen schreien 10 % aller Säuglinge exzessiv und können Eltern damit an ihre Belastungsgrenzen bringen. Eigentlich selbstverständlich, aber es kommt doch immer wieder vor: Babys dürfen niemals geschüttelt werden, denn sonst drohen schwere Schäden.

Was das Schütteln bei Babys so gefährlich macht

Neugeborene und Säuglinge verfügen über nicht genug Muskelkraft, um ihren Kopf selbst halten zu können. Bereits schnelle Bewegungen (ohne den Kopf des Babys zu stützen) oder geringe Schüttelbewegungen reichen aus, um das kleine Gehirn zu verletzen. Durch die ruckartigen Bewegungen oder das Schütteln stößt das Gehirn gegen den Schädelknochen. Die Folgen sind verheerend, denn dabei kann es zu Prellungen und Quetschungen kommen.

Auch Gefäße können abreißen und so kommt es zu Einblutungen in das empfindliche Gehirn des Kindes. Je nach Verletzung kann das Kind lebenslang unter Sehstörungen, motorischen Schwierigkeiten und Epilepsie leiden. Auch eine anhaltende schwere Behinderung kann Folge eines Schütteltraumas sein. Schätzungen zufolge haben 70 % der Babys, die eine solche Verletzung überleben, lebenslang schwerwiegende neurologische Schäden. Jedes 5. Kind mit der Diagnose „Shaken Baby Syndrom“ verstirbt.

Warum Eltern ihre Kinder schütteln

Schütteltrauma - warum Babys niemals geschüttelt werden dürfen! (© stock.adobe.com)
Schütteltrauma – warum Babys niemals geschüttelt werden dürfen! (© stock.adobe.com)

Bei Babys ist ein Schütteltrauma die häufigste nicht natürliche Todesursache, wenn das erste Lebensjahr betrachtet wird. Die Kinderklinik Kassel beschäftigte sich in einer Studie mit der Frage, warum Eltern ihren Nachwuchs schütteln. Auslöser ist wie vermutet das Schreien des Babys. Im Alter von 2-5 Monaten werden die meisten Kinder mit einem Schütteltrauma eingeliefert.


Das ist gleichzeitig die Altersspanne, bei der Babys am meisten schreien. Warum es zu der körperlichen Misshandlung kommt, ist ganz verschieden. Die betroffenen Eltern haben häufig eine geringe Frustrationstoleranz aber gleichzeitig eine hohe Gewaltbereitschaft. Aber auch private Probleme und Konflikte oder falsche Erwartungen an den Nachwuchs können dazu führen, dass Eltern ihre Kinder schütteln.

Viele Eltern fühlen sich aber auch durch Armut und geringe soziale Unterstützung überfordert. Diese Überforderung muss aber nicht immer tiefgreifende Ursachen haben. Manchmal sind es auch anhaltende schlaflose Nächte oder exzessive Schreiphasen des Babys, die Eltern zur Verzweiflung bringen.

Auch Carola gibt zu: „Ich merke manchmal, wie die Wut in mir hochsteigt, aber dann verlasse ich für ein paar Momente den Raum, um mich zu beruhigen!“

Kinder nutzen Schreien als Kommunikationsmedium

Säuglinge sind im ständigen Austausch mit ihrer Umwelt. Um ihre Bedürfnisse Ausdruck zu verleihen, bleibt ihnen anfangs nur das Weinen. Auch Babys sind schon soziale Wesen und brauchen viel Nähe, Liebe, Zuwendung und Geduld. Wie viel ein Baby pro Tag schreit ist sehr unterschiedlich.

Generell zeigt sich aber, dass das Schreien in den beiden Monaten nach Geburt tendenziell zunimmt und seinen Höhepunkt in der 6. Woche erreicht. In dieser Zeit lernen Babys, einen Rhythmus zwischen Schlafen und Wachsein zu entwickeln. Danach werden die Zeiträume des Schreiens in der Regel kürzer, um nach 3 Monaten fast ganz zu verschwinden.

Die durchschnittliche „Schreiperiode“ ist also abhängig vom Alter und lässt sich folgendermaßen einteilen:

  • 1,5 Stunden bis zur 6. Lebenswoche
  • 3,5 Stunden ab der 6. Lebenswoche
  • 1 Stunde ab der 16. Lebenswoche

Eltern können lernen, dass Schreien voneinander zu unterscheiden

Ein Neugeborenes schreit zunächst undifferenziert und muss demnach nicht immer einen Grund haben, um sich lautstark mitzuteilen. Nach wenigen Wochen ist es jedoch in der Lage, das Schreien an einen Anlass zu koppeln. Mit der Zeit lernen Eltern, die verschiedenen Schreiarten zu unterscheiden. Dabei kann das Schreien als Hunger-, Schlaf- und Zuwendungsschreien eingeteilt werden.

Bis es soweit ist, müssen Eltern Geduld und Ruhe mitbringen. Eine ruhige Atmosphäre und möglichst wenig Umgebungsgeräusche (Musik, Fernseher) helfen dem Baby dabei, zu entspannen. Eltern sollten vor allem auf Müdigkeitsanzeichen (Augen reiben, Quengeln, wegdrehen) achten, denn häufig schreit der Nachwuchs aus Überforderung oder Müdigkeit. Nicht selten wird auch körperliche Nähe lauthals eingefordert.

Hilfe suchen ist keine Schwäche!

Überforderte Eltern oder jene, die sich in einer akuten Belastungssituation befinden, zögern oft, sich Hilfe zu holen. Viele von ihnen haben Angst, als schwach zu gelten. Dabei ist um Hilfe zu bitten keine Schwäche, sondern eine Stärke, denn es zeugt von Selbstreflexion sich einzugestehen, dass Unterstützung von außen gebraucht wird.

Eltern können sich bei folgenden Anlaufstellen Hilfe holen: