Warum du dein Baby gar nicht zu sehr verwöhnen kannst

„Ein Baby braucht Eltern, die sofort und zuverlässig auf sein Schreien reagieren.“ Ein Baby-Experte erklärt, warum man sein Baby gar nicht „zu sehr“ verwöhnen kann.

„Mein Kind klebt gefühlte 24 Stunden an mir, darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht. Erst als meine Mutter mir sagte, dass ich mein Kind zu sehr verwöhne und dass er so nie in seinem Bett schlafen würde, fing ich an zu grübeln. Kann ich mein Baby wirklich zu sehr verwöhnen?“ (Nadine mit Sohn Manuel).

Ein zu viel an Liebe gibt es nicht!

Kuscheln, in den Arm nehmen und möglichst viel Körperkontakt, das lieben Babys. Gerade auf der Welt benötigt der Nachwuchs einen „sicheren Hafen“ in der noch unbekannten Umgebung. Laute Geräusche und unbekannte Gerüche prasseln auf den neuen Erdenbürger ein. Wie schön, dass es dann Bezugspersonen gibt, in deren Nähe sich das Baby geborgen fühlt. Professor Manfred Cierpka war Direktor des Heidelberger Instituts für Kooperationsforschung und Familientherapie und sagte:

„Ein Baby kann man in den ersten drei Monaten nicht verwöhnen. Es braucht Eltern, die sofort und zuverlässig auf sein Schreien reagieren. Das ist die Basis, um vertrauensvoll ins Leben zu starten.“

Man kann sein Baby nicht zu sehr verwöhnen (© Getty Images)
Man kann sein Baby nicht zu sehr verwöhnen (© Getty Images)

Tatsächlich ist der intensive Kontakt zu den Eltern wichtig, um das Urvertrauen zu stärken und dazu gehört, auf die Bedürfnisse des Kindes einzugehen. Kuscheln ist also unbedingt erlaubt, denn mit Zärtlichkeit und Zuneigung kann man ein Kind nicht verwöhnen.

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Verwöhnen geht also nicht?

So war das nicht gemeint, denn durchaus können Eltern ihre Kinder zu sehr verwöhnen. Nur liegt dabei der Fokus nicht auf Zuneigung, sondern auf der frühen Erziehung. Jawohl, Kinder können bereits ab der Geburt von einer maßvollen Erziehung profitieren. Kinderpsychologen betonen, dass Babys ab der Geburt lernen, wie ihre Bezugspersonen mit den Wünschen umgehen. Macht der Nachwuchs die Erfahrung, dass auf die „Meckerei“ sofort reagiert wird, ist der Frust groß, wenn die Wünsche einmal nicht so schnell erfüllt werden. Experten raten deshalb dazu, bei Kindern eine gewisse Frustrationstoleranz aufzubauen.

Das heißt, der Forderung nach dem Spielzeug kann nachgegeben werden, das muss aber nicht sofort geschehen, wenn Mama noch die Wäsche zu Ende sortiert. Die Frustrationstoleranz soll aber nicht aufgebaut werden, indem das Baby absichtlich Schreien gelassen wird, wenn es nach Zuneigung verlangt. Eltern sind gut beraten, wenn sie dem natürlichen Wunsch nach Körpernähe nachkommen, denn Studien haben herausgefunden, dass Babys durch häufigen Hautkontakt ausgeglichener sind und besser essen. Ganz nebenbei verringert sich das Risiko für Koliken, wenn Eltern ihre Babys im ersten halben Jahr viel tragen.

Lass dein Kind mal machen!

Viele Eltern trauen ihrem Baby zu wenig zu und nehmen ihm Sachen ab, die es selbst schon kann. Damit wird das Kind in einer Art Abhängigkeit gehalten, dabei braucht der Nachwuchs beides: Zuneigung und Herausforderung. Lernanreize können sich nur ergeben, wenn dem Baby genug Freiraum zur eigenen Entfaltung gegeben wird. Mit etwa fünf Monaten kann der Nachwuchs greifen und dazu sollte ihm auch die Chance gegeben werden.

Eltern kennen das: erst wird gemeckert, weil es nicht so klappt und am Ende erreicht das Kind sein Ziel, indem es sich anstrengt. „Hilfe zur Selbsthilfe“ heißt das Motto, denn beim Elternsein geht es nicht darum, den Nachwuchs jeden Wunsch von den Lippen abzulesen, sondern es Stück für Stück in die Selbstähnlichkeit zu begleiten. Das gilt übrigens schon für das Krabbelalter, bei dem der Nachwuchs vor einigen Herausforderungen steht.

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Natürlich kannst du dein Baby jedes Mal um das Hindernis herumtragen oder du zeigst ihm einen sicheren Weg, damit es lernt, es zukünftig einfach selbst zu überwinden. Besonders das erste Jahr sind Eltern gefühlte 90 % des Tages damit beschäftigt, kindliche Bedürfnisse zu erfüllen. Die gute Nachricht: Dein Kind wird Geduld entwickeln, wenn es spürt, dass auch du im diese entgegenbringst.

Kommunizieren ohne Worte

Professor Cierpka betonte, dass Eltern in den allermeisten Fällen intuitiv das Richtige für ihr Baby tun. In den ersten drei Monaten müssen sich Eltern und Kind erst einmal aufeinander einspielen und die Kommunikation untereinander lernen. Dabei gibt es sogenannte universelle Signale, die alle Babys auf der Welt aussenden, wie das Gähnen oder ein freudiges Strampeln. Babys sind kleine Persönlichkeiten mit einem ganz individuellen Verhaltensmuster. Damit du erkennst, welche Bedürfnisse dein Nachwuchs hat, solltest du die Gesichts- und Körpersprache deines Kindes studieren.

Wenn dein Kind aufmerksam ist, versucht es Augenkontakt mit dir herzustellen. Wenn es hingegen müde ist, wendet es seinen Kopf ab. Gerade am Anfang ist vieles „Herumprobieren“, betonte auch Professor Cierpka. Nach einigen Wochen seid ihr ein eingespieltes Team und du erkennst welche Bedürfnisse dein Kind hat und wann es sich ein wenig länger gedulden kann, bis du ihm diese erfüllst. Schließlich hast auch du nur zwei Arme.

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