Baby-Cuddling: Ehrenamtliche Schmusepaten helfen Neugeborenen

Gerade auf der Welt angekommen, sehnen sich Neugeborene nach viel Zuwendung und Körperkontakt. Steht für die Babys nach der Geburt ein längerer Klinikaufenthalt an, können sich Eltern nicht immer rund um die Uhr um ihren Nachwuchs kümmern. Baby-Paten können dann die Kuscheleinheiten zeitweise übernehmen.

Körperkontakt fördert die Entwicklung

Intuitiv spenden Eltern ihrem Neugeborenen viel Wärme und Liebe. Wie wichtig Körperkontakt für die Neuankömmlinge ist, belegt eine Studie. Schon vor einigen Jahrzehnten hat sich eine Untersuchung den positiven Auswirkungen von Haut-zu-Haut-Kontakt (auch Känguru-Mutterpflege genannt) gewidmet. Ergebnis: Frühgeborene und Babys mit geringem Gewicht zeigen durch einen engen Körperkontakt bessere neurologische Entwicklungen, höhere Stillraten und eine optimierte Mutter-Kind-Bindung.

Baby-Cuddling: Ehrenamtliche Schmusepaten (© Getty Images)
Baby-Cuddling: Ehrenamtliche Schmusepaten (© Getty Images)

In einer Studie haben Wissenschaftler 716 dieser Känguru-Teilnehmer begleitet und haben sie mit einer Kontrollgruppe verglichen. In dieser Kontrollgruppe befanden sich Menschen, die die ausgeprägte körpernahe Pflege nicht erhalten haben. Als Erwachsene hatten die Kangaroo Mother Care (KMC) Teilnehmer einen höheren IQ, einen deutlich größeren Bereich von grauer Hirnsubstanz und eine verstärkte Reifung in der Großhirnrinde. Außerdem zeigten sich die „Känguru-Kinder“ als Erwachsene weniger hyperaktiv und aggressiv. Sie hatten in der Schule weniger Fehlzeiten zu verzeichnen und erhielten im Erwachsenenalter durchschnittlich sogar höhere Stundenlöhne.

Kuschelpaten springen ein, wenn Mama und Papa nicht da sein können

Nicht alle Kinder haben das Glück, gesund auf die Welt zu kommen. Viele von ihnen verbringen Wochen und teils Monate in Kliniken. Nicht immer können sich Eltern so intensiv um ihren Nachwuchs kümmern, wie sie es sich wünschen. Die Berufstätigkeit oder die weite Entfernung zu einer Spezialklinik lässt das häufig nicht zu. Dann können liebevolle Menschen Trost und Zuwendung spenden. „Baby-Cuddling“ nennt sich das Ganze. Ehrenamtliche Baby-Paten stellen dann den Austausch zwischen dem Neugeborenen und der Umwelt her. Dadurch erfahren die Babys, dass jemand auf die gesendeten Signale reagiert.

Auch das Baby kann auf die gesendeten Signale des „Cuddlers“ reagieren. So findet ein erster wichtiger Austausch mit der neuen Umgebung statt. Die Babys können sich durch die Zuwendung und Wärme entspannen und erholen.


Baby-Cuddling: Was macht einen guten Paten aus?

Natürlich darf nicht einfach jeder in eine Klinik spazieren und wahllos mit Säuglingen kuscheln. Dahinter steckt ein ausgeklügeltes Konzept, das für Sicherheit sorgt. Zunächst erhalten die angehenden Schmusepaten eine Einweisung bezüglich Datenschutz und Hygiene. Persönliche Informationen, wie der Name des Kindes, dürfen nicht nach außen kommuniziert werden.

Hygiene muss sein, denn die Neugeborenen sind anfällig für Infekte. Deshalb müssen sich die Baby-Paten zunächst die Hände korrekt desinfizieren. Schmuck an den Händen und Armbanduhren dürfen aus hygienischen Gründen nicht getragen werden.

Ein „Baby-Cuddler“ zu sein heißt auch, den richtigen Abstand zu wahren. Natürlich dürfen die Kinder gestreichelt werden, Küsse sind allerdings nicht gestattet. Häufig haben Eltern die Sorge, dass sich das eigene Baby dann zu dem Paten eher hingezogen fühlen könnte. Heute weiß man allerdings, dass der Nachwuchs mehrere Bezugspersonen haben kann.

Die Klinik steht in einem engen Austausch mit den „Cuddlern“. Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit sind wichtige Kriterien bei der Auswahl von Baby-Paten. Natürlich haben Eltern bei der Auswahl ein Wörtchen mitzureden und dürfen generell entscheiden, ob sie einen Schmusepaten haben möchten oder nicht.

Wo wird „Baby-Cuddling“ eingesetzt?

In Amerika ist die Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern und „Cuddlern“ sehr verbreitet. In Deutschland ist das Konzept allerdings noch neu. Trotzdem gibt es einige Kliniken, die bereits auf ehrenamtliche Baby-Paten setzen. Sie bereichern das neue Leben der Säuglinge mit Singen, Vorlesen und Körperkontakt. Auch ein selbst gebasteltes Mobile vom Baby-Paten kann über dem Klinikbett aufgehängt werden. Daran können sich die Babys orientieren und werden von den weißen Krankenhauswänden abgelenkt.

Durch ein virales Facebook-Photo des „ICU Grandpa“ David Deutchman als ehrenamtlicher Baby Cuddler in der Kinderklinik des Atlanta Hospitals bekam das Konzept des Baby Cuddlings weltweit viel Aufmerksamkeit. 

Kliniken setzen bei diesem Ehrenamt auf die Intuition der Kuschelpaten. Diese wissen in den meisten Fällen ganz automatisch, was den Neuankömmlingen gut tut. Auf manchen Säuglingsstationen wird auch das Känguru-Konzept von Schmusepaten übernommen. Dabei liegt das Baby auf der nackten Haut. Aber dabei müssen ebenfalls die leiblichen Eltern sowie die Paten zustimmen.

Bei extremen Frühgeborenen werden Kuschelpaten allerdings nur selten eingesetzt. Das liegt daran, dass sie andere Bedürfnisse haben als Kinder, die zu dem errechneten Geburtstermin auf die Welt kommen. Frühgeborene fühlen sich im warmen und ruhigen Inkubator, in einem Nest aus Tüchern, am wohlsten, denn das kommt dem Mutterleib am nächsten.

Vor allem große Kliniken setzen auf die „Cuddler“. So zum Beispiel das Altonaer Kinderkrankenhaus Hamburg und die Klinik für Neonatologie an der Charité Universitätsmedizin Berlin. Wer sich für das Ehrenamt eines „Baby Cuddlers“ interessiert, kann sich bei den Krankenhäusern mit Säuglingsstationen vor Ort informieren.

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