Zwillinge austragen

Der erste Ultraschall bringt es an den Tag: Zwei Herzen schlagen in zwei kleinen Embryos: Es sind Zwillinge unterwegs! Ein Grund, tief durchzuatmen und sich auf eine anstrengende, aber schöne Zeit vorzubereiten.

Frauen, die aus Familien stammen, in denen es Zwillinge gibt, wissen meist schon, dass sie eine größere Chance haben, ebenfalls Zwillinge auszutragen. Und auch Frauen, die eine Hormonbehandlung im Rahmen eines unerfüllten Kinderwunsches gemacht haben, wurden vom Arzt darüber aufgeklärt, dass Zwillinge zu den „Risiken“ der Behandlung gehören.
 
Andere trifft es aus heiterem Himmel, und bei jeder Zwillingsmutter läuten leise die Alarmglocken, weil Zwillingsschwangerschaften nicht nur körperlich anstrengender sind als Einlingsschwangerschaften, sondern auch für Mutter und Kinder riskanter sind.
 
Risiken der Zwillingsschwangerschaft
 
Zwei Kinder benötigen mehr Platz im Bauch, der drum schon in der 30. SSW runder ist als der einer „normalen“ Schwangeren zum Ende der Schwangerschaft. Meist kommen Zwillinge bereits vor dem Entbindungstermin zur Welt – etwa 3 Wochen sind normal und unbedenklich.
 
Manchmal muss die Geburt aber auch früher eingeleitet werden, um das Leben der werdenden Mutter und der Kinder zu schützen, z.B. bei einer Präeklamsie (Gestose), die im Volksmund auch Schwangerschaftsvergiftung genannt wird. Sie geht mit hohem Blutdruck einher und ist hochgefährlich.
 
Frauen, die Zwillinge austragen, haben außerdem ein deutlich erhöhtes Risiko, eine Frühgeburt zu erleiden. Aus diesen Gründen werden Zwillingsmütter häufiger zum Gynäkologen in die Vorsorgeuntersuchungen einbestellt.
 
Ein- oder zweieige Zwillinge?
 
Wenn auf dem Ultraschallbild ein Junge und ein Mädchen zu erkennen sind, handelt es sich eindeutig um zweieiige Zwillinge. Sind es zwei Kinder gleichen Geschlechts, müsste man auf dem Bild erkennen können, ob sie an einer oder zwei Plazentas angenabelt sind.
 
Das kann man aber häufig nicht klar sagen, so dass die Preisfrage, ob es sich um genetisch identische Zwillinge handelt (eineiige Zwillinge) oder um Geschwister, die zufällig zur gleichen Zeit in der Gebärmutter ausgetragen werden (die zweieiigen Zwillinge) vorerst unbeantwortet bleibt. Ein DNA-Test nach der Geburt kann darüber eindeutig Aufschluss geben.
 
Im Rahmen der vorgeburtlichen Untersuchungen stehen die Chancen am besten, Ein- oder Zweieiigkeit festzustellen, wenn man zwischen der 8. und 12. SSW einen Ultraschall macht. In dieser Zeitspanne kann der Gynäkologe wahrscheinlich erkennen, ob die Babys in zwei getrennten oder einer gemeinsamen Embryonalhülle heranwachsen. Auch das Vorhandensein nur einer gemeinsamen Plazenta deutet eindeutig auf eineiige Zwillinge hin.
 
Welche Frauen habe eine große Chance (oder ein großes Risiko, wie man’s nimmt) , Zwillinge zu erwarten? Frauen, die:
 
  • eine Hormonbehandlung gemacht haben
  • bereits Zwillinge oder Mehrlinge ausgetragen haben
  • selber Zwilling sind oder in deren Familie es Zwillinge gibt
  • nicht zum ersten Mal schwanger sind
  • über 35 Jahre alt sind
  • größer und schwerer als der Durchschnitt sind
  • kurz nach dem Absetzen der Pille schwanger geworden sind
  • afrikanischer Abstammung sind
 
Die Geburt von Zwillingen
 
Liegen die Kinder günstig, können sie beide vaginal entbunden werden. Eine gute Lage ist es, wenn der erste Zwilling mit dem Kopf nach unten liegt und so den Weg für den zweiten frei machen kann. Idealiter haben beide Zwillinge den Kopf im Becken, der zweite Zwilling kann aber auch in Beckenlage vaginal entbunden werden.
 
Nicht selten wird aber auch das erste Kind vaginal geboren und das zweite per Kaiserschnitt geholt. Oder es wird von vorneherein ein Kaiserschnitt geplant, weil die Kinder in Steißlage sind oder Komplikationen zu erwarten sind.
 
Auf alle Fälle sind bei einer Zwillingsgeburt mehr Ärzte anwesend als bei einer Einlingsgeburt, damit für Mutter und beide Kinder jederzeit das Nötige getan werden kann. Die Geburt dauert nicht länger als die von Einlingen. Nach der Geburt hat die (angestellte) Zwillingsmutter übrigens Anspruch auf 12 Wochen Mutterschutz.
 
So verteilen sich die Häufigkeiten der Geburtspositionen:
 
46% beide Zwillinge haben den Kopf im Becken
38% ein Zwilling hat den Kopf im Becken, der andere ist in Steißlage
14% beide Zwillinge sind in Steißlage
1% ein Zwilling ist in Kopflage, einer liegt quer
1% ein Zwilling ist in Steißlage, einer liegt quer
 
Vanishing Twins – früher Abort eines Zwillings
 
Dank Ultraschall weiß man heute, dass viele Schwangerschaften als Zwillingsschwangerschaften beginnen und als Einlingsschwangerschaften enden.
 
Etwa 3-5% der registrierten Schwangerschaften in Norwegen beginnen als Zwillingsschwangerschaften und irgendwann zwischen der 5. SSW und der 9. SSW stirbt ein Zwilling ab, der meist durch eine Blutung natürlich ausgestoßen wird. Auf den zweiten Zwilling, der dann als Einling zur Welt kommt, hat dies keinen negativen Einfluss.
 
Häufigkeit von Zwillingen
 

Im Schnitt ist jede 40. Geburt eine Zwillingsgeburt. Davon sind in Deutschland 70-80% zweieiig, was am steigenden Alter der werdenden Mütter und den zunehmenden Fruchtbarkeits- behandlungen liegt.

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