Ruhe und Grün dämpfen ADHS

Ein Spaziergang im Wald kann Kindern mit der Konzentrationsstörung ADHS genauso gut helfen wie das umstrittene Medikament Ritalin – so eine Studie.

Wissenschaftler der Uni Illinois probierten folgendes aus: Sie ließen 17 Kinder mit ADHS im Alter von 7 bis 12 Jahren im Abstand von einer Woche 20 Minuten spazieren gehen. Die Ausflüge fanden jeweils unter gleichen Bedingungen statt: zur selben Tageszeit und mit der selben Begleitperson. Und zwar ein Mal in der Innenstadt, mal in einer gepflegten Gegend in der Stadt, und ein drittes Mal in einem Grünpark.
Bei dem Waldspaziergang hatten die Forscher die Kinder gebeten, dass Ritalin vorher nicht einzunehmen, um die Wirkung des Experiments messen zu können.
Nach jedem Spaziergang machten sie einen anerkannten Konzentrationstest. Dabei kam ein erstaunlicher Effekt des Spaziergangs im grünen Gelände zutage: Die Kinder konnten sich nach diesem Spaziergang genauso gut konzentrieren wie nach Behandlung mit Ritalin.
Sapziergang im Wald

Waldspaziergänge helfen bei ADHS (© panthermedia.net Pavol Kmeto)

Das Medikament ist wegen seiner Nebenwirkungen umstritten – wenn leicht verträgliche und sogar kostengünstige Alternativen wie ein Spaziergang im Grünen helfen können, ist der Ausflug in den Wald den Eltern von betroffenen Kindern sicher einen Versuch Wert.
Kinderarzt Dr. Peter Voitl erklärt ADHS/ADS:
Das Hyperaktivitäts – Syndrom bezeichnet ein Verhalten, dass sich durch Unaufmerksamkeit, Konzentrationsstörungen und Aktivitätssteigerung ausdrückt. Auch ein Aufmerksamkeitsdefizit ohne Hyperaktivität ist bekannt; motorische Überaktivität kann, aber muss nicht sein.
Kennzeichen ist, dass die  Kinder sich nicht konzentrieren können und leicht ablenkbar sind. Zudem sind die Kinder impulsiv und zeichnen sich durch eine Steigerung der Aktivität aus. Etwa 3-10% aller Kinder zeigen Symptome im Sinne einer Hyperaktivtät; Jungs etwas häufiger als Mädchen.
Als Ursache der Konzentrationsstörung nimmt man das Zusammenspiel mehrerer Faktoren an; etwa 50% der Betroffenen weisen eine genetische Anomalität der Signalverarbeitung im Gehirn auf.
Die Diagnose wird durch Testverfahren gestellt, etwa dem BP-Konzentrationstest nach Esser, allerdings stellt ein Test niemals mehr als ein Indiz dar.
Die Therapie beruht auf der Förderung der Kinder; die sozialen Fähigkeiten sollen ausgebaut werden. Die Wahl der Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Störung. Ziel der Behandlung ist, die Konzentrationsfähigkeit zu verbessern und den Leidensdruck der Betroffenen zu mindern. Förderung der Selbstwahrnehmung  und Stärkung des Selbstwertgefühls sind weitere Ziele.
Zur medikamentösen Behandlung des ADHS werden Substanzen eingesetzt, die den Dopaminstoffwechsel im Gehirn beeinflussen; etwa Methylphenidat und Amphetaminderivate; etwa 70 % der Betroffenen sprechen darauf an.
Linktipps:
Mehr Infos, insbesondere auch zu Kindern: Webseite des ADHS Deutschland e.V.

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