Vorzeitiger Blasensprung

Bei etwa jeder zehnten Schwangeren platzt die Fruchtblase vorzeitig. Die werdende Mutter und das Kind können gefährdet sein. Woran erkennt man einen vorzeitigen Blasensprung und welche Therapien helfen?

Die Fruchtblase schützt das Baby vor Stößen, Verletzungen und Infektionen. Eigentlich soll sie erst zur Geburt platzen, damit sich das Kind auf den Weg in die Welt machen kann. Bei etwa zehn Prozent aller Schwangerschaften kommt es jedoch zu einem vorzeitigen Blasensprung – also schon Wochen vor dem errechneten Termin. Wie risikoreich dies für Mutter und Kind ist, hängt davon ab, wie fortgeschritten die Schwangerschaft ist.

Ursachen eines vorzeitigen Blasensprungs
Meist wird ein vorzeitiger Blasensprung durch eine schwache Wand der Fruchtblase oder durch einen erhöhten Innendruck verursacht. Hinzu kommen einige Risikofaktoren:

  • vaginale Infektionen
  • zuviel Fruchtwasser
  • Blutungen in der Schwangerschaft
  • Fruchtwasseruntersuchungen
  • frühere Aborte (Fehlgeburten oder Abtreibungen)
Fruchtblase platzt zu früh

Wenn die Fruchtblase vorzeitig platzt (© panthermedia.net astroid)

Woran erkennt man einen Blasensprung?
Ein schöner Abend im Theater oder ein kuschelige Vorlesestunde mit dem großen Kind. Plötzlich ein Schwall warmer Flüssigkeit zwischen den Beinen – ohne dass man vorher das Gefühl hatte, Wasser lassen zu müssen? Das ist mit Sicherheit eine geplatzte Fruchtblase. Oft ist dîe Flüssigkeit auch milchig-trüb und kann süßlich riechen. Aber auch wenn das Fruchtwasser tröpfchenweise abgeht, könnte die Fruchtblase geplatzt sein. Sehr selten haben Schwangere vorher vermehrten Ausfluss oder Fieber.

Wenn eine werdende Mutter das Gefühl hat, Flüssigkeit aus der Scheide zu verlieren, sollte sie sofort einen Arzt aufsuchen! Bei schwallartigem Abgang sofort einen Krankenwagen rufen. Ein Transport im Liegen ist jetzt wichtig um Komplikationen wie einen Nabelschnurvorfall zu verhindern!

Der Arzt kann im Gebärmutterkanal sehen, ob Fruchtwasser abgegangen ist. Auch der pH-Wert zeigt deutlich, ob es sich bei Flüssigkeit um Urin oder Fruchtwasser handelt. Die Untersuchung geht schnell und ist völlig schmerzfrei.

Therapien des vorzeitigen Blasensprungs
Der Sprung der Fruchtblase kann die Geburt einleiten – auch wenn der errechnete Termin noch weit weg ist. So lange wie möglich werden die Ärzte versuchen, die Geburt hinauszuzögern. Die genaue Behandlung hängt von der Reife des Kindes und vom Gesundheitszustand der Mutter ab. Besonders wichtig ist es festzustellen, ob eventuell ein Amnioninfektionssyndrom (AIS) vorliegt. Diese Infektion kann durch verschiedene Erreger wie Streptokokken oder Chlamydien verursacht wurden sein und zu einer Blutvergiftung führen. Am Blutbild können die Ärzte sehen ob ein AIS vorliegt. Fieber, erhöhte Herzfrequenzen, übel riechendes Fruchtwasser und Schmerzen können auf eine fortgeschrittene Infektion hinweisen.

Blasensprung vor der 24. Schwangerschaftswoche
Wenn keine Infektion vorliegt, wird zunächst abgewartet. Für die werdende Mutter bedeutet das strenge Bettruhe – und das meist in der Klinik, denn alle sechs bis 24 Stunden wird das Blut kontrolliert. Die Fruchtwassermenge und die Gesundheit des Kindes werden ständig überwacht. Eventuell bekommt die Schwangere noch zusätzlich Antibiotika, damit keine Infekte auftreten.

Bei einer AIS-Diagnose wird ab der 23. Schwangerschaftswoche die Geburt eingeleitet. Je früher die Geburt, desto größer ist das Risiko für das Kind.

Blasensprung in der 24. bis 34. Schwangerschaftswoche
Bei einem Blasensprung ab der 24. SSW bis zur 34. SSW hier gilt das Gleiche wie in den früheren Schwangerschaftswochen. Strenge Bettruhe und enge medizinische Überwachung sind nötig. Oft bekommen die Mütter Wehenhemmer, damit das Kind soll so lange wie möglich ausgetragen werden kann. Sollte das Kind zu früh geboren werden, drohen Fehl- oder Unterentwicklungen.

Blasensprung nach der 34. Schwangerschaftswoche
Wenn keine Infektion vorliegt wird ab der  34. Schwangerschaftswoche nach zwölf Stunden eingeleitet. Da das Kind oft schon geburtsreif ist, spricht man ab der 36. Schwangerschaftswoche gar nicht mehr von einem vorzeitigen Blasensprung. Eine Einleitung ist meist gar nicht nötig, denn oft hat die Frau dann schon Wehen und Geburt geht ihren natürlichen Lauf.

Wird ein deutliches AIS festgestellt, bekommt die Mutter sofort massiv Antibiotika und ein Kaiserschnitt wird eingeleitet, damit sich das Kind möglichst nicht infiziert.

Wie kann ein vorzeitiger Blasensprung verhindert werden?
Nicht immer kann die werdende Mutter darauf Einfluss nehmen. Aber eine gesunde Ernährung, ausreichende Bewegung und selbstverständlich der völlige Verzicht auf Tabak und Alkohol sind die beste Vorbeugung.

Grund zur Sorge ist ein Blasensprung nur, wenn er sehr früh vor dem Geburtstermin stattfindet oder mit einer Infektion verbunden ist. Rechtzeitig erkannt und mit viel Ruhe, kann das Kind trotzdem gesund ausgetragen werden. Gut 25 Prozent aller Schwangern mit vorzeitigem Blasensprung tragen ihr Kind voll aus.

Wenn Fruchtwasser um den Geburtstermin herum abgeht, spricht man nicht von einem vorzeitigem Blasensprung – sondern von einer Geburt…die fängt so nämlich ziemlich oft an.

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