Die U-Untersuchungen beim Kind

Neun Vorsorgeuntersu- chungen – eigentlich sogar zehn – gibt es. Dabei achten die Kinderärzte auf die geistige und körperliche Entwicklung des Kindes. Doch was genau wird eigentlich wann untersucht?

Die gelben U-Hefte begleiten heute wie selbstverständlich jedes Kind. Denn schon seit fast vierzig Jahren gehören die Vorsorgeuntersuchen für Kinder zu den Kassenleistungen. Die Kinderärzte überprüfen die körperliche und geistige Entwicklung des Kindes.
 
Die Früherkennungsuntersuchungen bieten Eltern Klarheit und dem Kind die Chance, dass es eventuell nötige Hilfen frühzeitig erhält. Denn je früher eine Krankheit erkannt wird, desto erfolgreicher ist die Behandlung. Eltern können im Rahmen der Untersuchung aber auch praktische Fragen rund um die Entwicklung (etwa zu durchschlafen oder laufen lernen) klären. Doch was genau wird wann untersucht?
Hier ein Überblick über die 10 Vorsorgeuntersuchungen, die es seit der Einführung der 7a gibt:
 
U1: Direkt nach der Geburt
 
Der Arzt oder die Hebamme untersucht das Neugeborene direkt nach der Geburt auf sichtbare Fehlbildungen. Das Kind wird gewogen und gemessen, alle lebenswichtigen Funktionen wie Atmung und Herz-Kreislauf-System werden überprüft.
Wie der Gesamtzustand des Babys nach der Anstrengung der Geburt ist, wird im so genannten APGAR-Wert festgehalten: Atmung, Puls, Grundtonus, Aussehen und Reflexe. Ein niedriger Apgar-Wert  ist aber nicht unbedingt ein Grund zur Sorge, viele gesunde Babys sind nach der Geburt gestresst und brauchen Erholung.
In den ersten drei Tagen nach der Geburt wird zusätzlich eine Blutuntersuchung gemacht, diese dient dazu, zu erkennen, ob Stoffwechselerkrankungen vorliegen.
 
U2: nach drei bis zehn Tagen
 
Die meisten Babys sind bei dieser Untersuchung schon zu Hause und es ist der erste Termin in der Kinderarztpraxis. Bei der U2 wird das Neugeborene wieder gemessen und gewogen und ein umfassender Check durchgeführt. Alle Körperregionen, die Organe, das Skelettsystem, die Geschlechtsteile und die Reflexe des Nervensystems werden gründlich untersucht. Wenn im Krankenhaus noch kein Test gemacht wurde, wird jetzt das Hörscreening durchgeführt. Die Eltern werden vom Arzt über das Stillen, Vorbeugung von Allergien, plötzlichen Kindstod und die Gefahren des Passivrauchens aufgeklärt.
 
U3: vierte bis sechste Lebenswoche
 
Es werden Körperfunktionen, das Seh- und Hörvermögen, angeborene Reflexe und das Hüftgelenk untersucht. Auch auf eventuelle angeborene Entwicklungsstörungen oder Fehlbildungen wird der Säugling geprüft. Die motorische Entwicklung, welche Laute das Kind schon machen kann und wie es sich allgemein entwickelt, wird der Arzt ebenfalls besprechen.
 
Sehr oft wird in der U3 auch die erste Impfberatung des Kinderarztes gemacht. Das Baby ist nun knapp einen Monat alt, ganz langsam entwickelt sich eine Alltagsroutine. Eltern sollten Probleme oder Unsicherheiten offen beim Arzt ansprechen und sich beraten lassen, wenn sie Unterstützung brauchen.
 
U4: dritter bis vierter Lebensmonat
 
Nun untersucht der Kinderarzt insbesondere die geistige und körperliche Entwicklung und auch die Bewegungsfähigkeit: Lächelt das Baby zurück? Kann es Blickkontakt halten? Gegenstände mit den Augen verfolgen? Es werden außerdem Fragen der Ernährung und Verdauung sowie mögliche Schwierigkeiten beim Trinken und Füttern besprochen. Bei diesem Termin erfolgt meist auch die erste Impfung.
 
U5: nach einem halben Jahr (sechster bis siebter Monat)
 
Jetzt ist das Baby schon im zweiten Lebenshalbjahr und hat enorm dazu gelernt. Es kann gezielt greifen und wird täglich beweglicher. Der Kinderarzt kontrolliert die körperliche Entwicklung, die Geschicklichkeit und die Bewegungsfähigkeit.
Mittlerweile hat das Baby schon die erste Breimahlzeit bekommen und die ersten Zähen blitzen eventuell am Gaumen. Der Kinderarzt untersucht die ersten Zähnchen, gibt Tipps zur Mundhygiene und Zahnpflege. Auch die Ernährung des Kindes, eventuelles Abstillen und Probleme bei der Einführung von Beikost werden besprochen.
 
U6: fast ein Jahr alt (zehnter bis zwölfter Monat)
 
Das Baby hat seinen Bewegungsraum enorm ausgedehnt. Es robbt, krabbelt und zieht sich oft auch schon aus seine Beinchen. Einige wagen schon erste vorsichtige Schritte. Die Entwicklung der Motorik steht bei der U6 im Mittelpunkt, auch das Hör- und Sehvermögen wird erneut überprüft- eventuell wird zum Augenarzt überwiesen. Auch die nächsten Impfungen stehen an. Wenn Sie als Eltern Zweifel an der altersgerechten Entwicklung haben, sollten Sie dies auf jeden Fall mit dem Kinderarzt besprechen. Er sieht Ihr Kind nur kurz – Sie sind die Experten Ihres Kindes.
 
U7: gegen Ende des zweiten Lebensjahres (21. bis 24. Monat)
 
Jetzt haben Sie schon ein Kleinkind, das wahrscheinlich schon reichlich schnell flitzen kann und fröhlich erste Wörter spricht. Der Arzt untersucht die allgemeine Entwicklung und insbesondere feinmotorische Fähigkeiten. Kann das Kind sicher laufen, sich bücken und wieder aufrichten? Hat es einen Wortschatz von 20 bis 50 Wörtern? Da Brei langsam kein Thema mehr ist, spricht der Kinderarzt mit den Eltern über gesunde Ernährung. Dabei wird auch nach möglichen Hinweisen auf Allergien gesucht.
 
U7a: vor dem dritten Geburtstag (34. bis 36. Monat)
 
Nun haben Sie bald ein Kindergartenkind! Eine wichtige Entwicklungsphase. Erneut untersucht der Kinderarzt, wie sich das Kind körperlich und geistig entwickelt hat. Mögliche Allergien und die Zahnhygiene werden besprochen. Ein besonderes Augenmerk gilt dem Seh- und Hörvermögen. Liegt eventuell ein vestecktes Schielen vor? Noch kann das sehr gut korrigiert werden. Auch auf die sprachliche Entwicklung achtet der Arzt: Kann es schon Sätze mit drei bis fünf Wörtern sprechen? Versteht es Aufforderungen wie „Zeig mir deine Nase!“? Haben die Eltern das Gefühl, dass Ihr Kind sich gut in eine Gruppe einleben kann oder haben Sie Ängste wegen des Kindergartenstarts?
 
U8: vor dem vierten Geburtstag (43. bis 48. Monat)
 
Das muntere Kindergartenkind hat mittlerweile einen umfangreichen Wortschatz, bastelt, malt, fährt Dreirad oder Laufrad und wird immer eigenständiger. Bei dieser Vorsorgeuntersuchung überprüft der Kinderarzt körperliche und psychologische Aspekte, unter anderem die motorische und sprachliche Entwicklung. Er fragt nach Konzentrationsproblemen, Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Kindern, erkundigt sich, ob das Kind noch immer Probleme mit dem Trockenwerden hat. Sollten Kinder in diesem Alter noch immer motorische oder sprachliche Problem haben, wird oft auch eine Behandlung bei Logopäden oder Ergotherapeuten verordnet.
 
U9: nach dem fünften Geburtstag (60. bis 64. Monat)
 
Der Kinderarzt achtet besonders auf die Sehkraft, das Gehör, die Feinabstimmung der Bewegung, Größe, Gewicht und Fortentwicklung der sprachlichen Fähigkeiten. Kann das Kind lange und konzentriert spielen? Hat es Freunde? Im Hinblick auf die baldige Einschulung und die Untersuchungen zu Schulreife werden auch noch einmal Seh- und Hörvermögen getestet. Auch der Impfstatus wird besprochen. Auch bei dieser letzten intensiven Vorsorgeuntersuchung sollten Eltern eventuelle Sorgen oder Befürchtungen in der allgemeinen Entwicklung ihres Kindes ansprechen.
Bild:© Sandy Schulze – Fotolia.com

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