Träume in der Schwangerschaft

Schwangere träumen oft besonders intensiv. Und die Bilder aus dem Kopfkino verfolgen sie häufig noch am nächsten Tag. Woher kommt dieses Phänomen und wie können werdende Mütter damit am besten umgehen?

„Ganz fröhlich schlenderte ich an den Schaufenstern vorbei. Plötzlich fiel mir ein, dass ich keinen Kinderwagen hatte. Mein Baby! Ich hatte mein Baby verloren. So schnell ich konnte rannte ich zurück, die Rolltreppe rauf und irrte durch den Laden. Dann wachte ich schweißgebadet auf“, erzählt Janine.

Nina hatte kurz vor der Geburt einen ganz anderen Traum: „Immer wieder träumte ich davon, im Meer zu schwimmen. Obwohl ich erst Angst hatte, waren es gerade die Wellen, die mich dann begeisterten und es war ein wunderschönes Gefühl, mit den Gezeiten eins zu sein“. Der Traum gab ihr ein Gefühl der Stärke.

Schwangere schwimmt im Meer ( Traum)

Intensive Träume in der Schwangerschaft (© Comstock)

In der Schwangerschaft ist das nächtliche Kopfkino besonders intensiv

Viele schwangere Frauen berichten, dass sie das Gefühl haben, mehr als sonst zu träumen – und anders. „Schwangere Frauen träumen tatsächlich viel und können sich oft sehr intensiv an ihre Träume erinnern“, bestätigt die Psychologin Dr. Patricia Garfield. „Viele Träume hängen eng mit der Schwangerschaft zusammen und sind davon abhängig, in welchem Trimester die werdende Mutter ist und wie es ihr körperlich geht.“

Schwangere sind besonders durch die Hormone beeinflusst. Vor allem das Schwangerschaftshormon Progesteron soll Schuld daran sein, dass Mütter in spe kurz vor dem Ende der REM-Schlafphase aufwachen – und sich aus diesem Grund auch besonders häufig an das Geträumte erinnern können. Die Umstellung des Körpers bewirkt vor allem auch, dass schwangere Frauen so häufig müde sind – und mehr schlafen. „Je mehr man schläft, desto mehr träumt man auch”, so Dr. Garfield.

Doch das aufregende Kopfkino ist nicht nur mit körperlichen Befindlichkeiten zu erklären. „Die Schwangerschaft, die bevorstehende Geburt und das neue Leben mit Kind stellen eine Frau vor viele Fragen. Vorfreude, Sorgen oder Ängste beschäftigen ihr Unterbewusstsein“, erklärt der Schlafpsychologe Günther W. Amann-Jennson. Vor allem gegen Ende der Schwangerschaft kommt es vielen Frauen so vor, als ob sie besonders intensiv träumen. Das liegt daran, erklärt die Expertin Patricia Garfield, dass das Schlafen immer schwieriger wird und häufig unterbrochen wird – etwa wenn das Baby im Bauch auf die Blase drückt oder das Umdrehen im Schlaf nicht mehr möglich ist.

Wer häufiger aufwacht, erinnert sich auch häufiger an die Träume. An Emotionen, Details und an Farben. Wer hingegen eine Nacht durchschläft, kann sich meist höchstens an den letzten Traum vor dem Aufwachen erinnern.

Die Würzburger Frauenärztin Jael Backe wollte wissen, wovon Schwangere träumen, und untersuchte ein Jahr lang gut 160 Träume von Schwangeren. Die meisten der Träume kreisten um die Themen Schwangerschaft, Geburt und Baby. Auch alltägliche und schwerwiegende Probleme wurden thematisiert. Interessant war, dass viele der Schwangeren von deutlichen bildlichen Trauminhalten berichten. Ein Phänomen, dass auch die Amerikanerin Patricia Garfield bestätigt. Sie hat einen Aufsatz über „Schwangerschaft- und Geburtsträume“ geschrieben und sich intensiv mit der Symbolik beschäftigt.

Die Bilder der Träume unterscheiden sich in den verschiedenen Phasen der Schwangerschaft. Sie spiegeln nicht nur die körperlichen, sondern auch die seelischen Befindlichkeiten der Schwangeren wieder, ihre Hoffungen und Ängste.

Träume zu Beginn der Schwangerschaft

Üppige mediterrane Gärten, saftiges Obst und wunderschöne Blumenwiesen sind gerade am Anfang der Schwangerschaft besonders häufig in den Träumen.Sie stehen symbolisch für Fruchtbarkeit und Empfängnis. Auch Wasser ist ein Symbol, dass in in der frühen Schwangerschaft häufig ist – aber auch in anderen Schwangerschaftphasen immer wieder thematisch vorkommt. „Das Baby schwimmt im Fruchtwasser – oft setzt sich die Mutter mit ihm im Traum gleich und träumt von der Schwerelosigkeit im Wasser“, sagt Garfield.

Typisch sind für die frühe Phase der Schwangerschaft auch verschiedene Träume über imposante Gebäude oder Häuser. Sie stehen für das Bewusstsein, dass sich der Körper oder auch das planbare Leben ändern werden. Manche Frauen träumen auch wiederholt davon, besonders schwere Gewichte zu tragen oder von Einbrechern. Hier manifestiert sich Angst vor der kommenden Belastung und dem Gefühl der Hilflosigkeit.

In der Mitte der Schwangerschaft spielt Körperlichkeit eine wichtige Rolle

Ab dem 4. Schwangerschaftsmonat wird die Schwangerschaft körperlich immer präsenter. Der Bauch rundet sich, die Hosen passen nicht mehr und die Kilos kommen scheinbar wöchentlich. Auch das Baby wächst deutlich. Viele Frauen fühlen sich in dieser Phase der Schwangerschaft sehr fit, die Übelkeit hat meist aufgehört und der Körper wird stark durchblutet.

Plötzlich gibt es auch sehr starke erotische Träume. Und Träume in den Ex-Freunde eine Rolle spielen oder sich der Partner einer anderen Frau zuwendet. All diese Träume stehen für den Umgang mit der eigenen Attraktivität – und dem sich wandelnden Körper.

Einige Frauen berichten auch, dass sie im zweiten Trimester viel von kleinen Tieren träumen, die sie versorgen oder dass ihre eigenen Mutter häufig in Traumbildern auftaucht. Patricia Garfield deuttet dies als Symbol dafür, dass die Schwangere sich mehr damit beschäftigt, weil sie bald selbst Mutter wird.

Kurz vor der Geburt werden die Träume besonders intensiv

Im letzten Drittel der Schwangerschaft werden Träume sehr lebhaft erinnert und scheinen oft sehr symbolisch. Dies liegt natürlich auch daran, dass die werdende Mutter jetzt häufiger aufwacht und sich an mehr erinnern kann. „Im dritten Trimester träumen viele Frauen sehr intensiv von ihrem Baby. Manche träumen, dass ihr Kind ihnen seinen Namen verraten hat”, so Patricia Garfield.

Träume über Reisen, Koffer packen und ein Herumirren durch völlig unbekannte Orte sind typisch. Sie stehen für die Angst vor dem Unbekannten. Auch die Angst, das Baby zu vergessen, es versehentlich wie eine Puppe kaputt zu machen oder es einfach nicht finden zu können sind häufig. Hier geht es deutlich um die Angst vor der Mutterrolle und der Verantwortung. Auch Frauen, die sich sehr auf ihr Kind freuen und entspannte Schwangere sind, können solche Träume haben.

Besonders viele Träume von Schwangeren in der Endphase der Schwangerschaft drehen sich um das Thema Geburt. Manche Frauen träumen von Elementen wie Wasser, die sie tragen. Sehr viele Frauen träumen davon, Wehen zu haben – und manche haben auch tatsächlich nachts schon erste Übungswehen und verarbeiten dies im Traum. Die Angst vor der Geburt, Träume bei denen es um den eigenen Tod, Blutverlust und Angst vor völligem Ausgeliefertsein geht, haben vor allem Erstgebärende.

Interessant ist eine israelische Studie: Sie ergab, dass Frauen mit Geburts-Albträumen oft leichtere und kürzere Entbindungen haben. Wahrscheinlich, weil sie sich schon vorher so intensiv mit der Thematik beschäftigt haben.

Träume können Wegweiser zur Seele sein

Schöne bunte Träume können beruhigen. Einige Träume sind schwer zu deuten. Andere hinterlassen schreckliche Gefühle und Ängste. Was etwa, wenn eine Hochschwangere immer und immer wieder davon träumt, dass ihr Baby die Nabelschnur um den Hals hat?

Solche Träume und Ängste sollte man Ernst nehmen. Wenn eine werdende Mutter sich wirklich um das Wohl ihres Kindes sorgt, sollte sie dies offen mit dem Frauenarzt besprechen – ein Ultraschall kann die Nabelschnur beispielsweise zeigen. Auch andere belastende Träume sollten angesprochen werden – vielleicht kann ein Grund dafür gefunden werden.

Träume in der Schwangerschaft

Träume in der Schwangerschaft (© Thinkstock)

Wer besonders aufregende und symbolisch träumt, sollte sich eventuell ein Traumtagebuch zulegen. Direkt neben das Bett ein Heft legen und gleich nach dem Aufwachen reinschreiben, rät die Autorin Eileen Stukane. So sind die Gefühle und auch die Details noch präsent. Ein Traumtagebuch kann später eine interessante Erinnerung an die Zeit der Schwangerschaft sein – und auch dabei helfen, die eigenen Gefühle besser zu verstehen. Manchmal kann es auch gut tun, über die nächtlichen Phantasien und Bilder mit einer Freundin zu besprechen.

Oder mit dem Papa in spe. Werdende Väter träumen selbst nämlich oft auch sehr intensiv. Wenn es einem Paar gelingt, offen über Träume zu sprechen, gelingt es beiden viel besser, die eigenen Ängste und die neuen Lebenssituation zu thematisieren. Eine wunderbare Grundlage für die gemeinsame Beziehung und für die neue Rolle als Eltern.

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