Toxoplasmose und Schwangerschaft

Nur jede(r) zweite Deutsche ist gegen Toxoplasmose immun. Gerade in der Schwangerschaft kann das gefährlich werden, denn die Erreger lauern auch auf Gemüse, was kaum jemand weiß…

Frisches Tartar (rohes gehacktes Rindfleisch) mit einem ungekochtem Eigelb? Die meisten Schwangeren sind so gut informiert, dass sie mit Grausen abwinken: der Salmonellengefahr wegen beim rohen Eigelb, und aus Furcht vor Toxoplasmose im rohen Fleisch. Von Toxoplasmose haben alleine schon deswegen fast alle werdenden Mütter einmal gehört, weil es ganz vorne im Mutterpass einen Aufkleber gibt, der die Immunität (oder eben die Nicht-Immunität) der Mama in spe gegenüber der Infektion belegt. Direkt neben HIV und Röteln, das macht schon Eindruck – zumal der Frauenarzt den Frauen, die noch keine Toxoplasmose hatten, warnende Hinweise mit auf den Weg gibt.
Üblicherweise hört die Frau von ihrem Arzt dann, dass sie sich vor Katzenkot und rohem Fleisch in Acht nehmen solle, und sich besonders gründlich die Hände waschen sollte, wenn sie mit Fleisch oder Katzen in Kontakt kommt. Das ist natürlich generell keine schlechte Idee, aber die wenigsten Schwangeren werden aufgeklärt, dass auch das scheinbar so gesunde Gemüse nur mit Vorsicht zu genießen ist.
Gerade vor Gemüse wie Karotten oder Kartoffeln, das mit Erde behaftet ist, warnt das Bundesinstitut für Risikobwertung. Denn in feuchter Erde können die Toxoplasmose-Erreger bis zu 18 Monate überleben. Gemüse sollte also besonders gründlich abgewaschen werden, und auch Obst muss gut abgespült werden.
Für das Baby im Bauch stellt der einzellige Toxoplasmose-Parasit eine erhebliche Gefahr dar: eine unerkannte Erkrankung der Mutter in der Schwangerschaft kann zu Fehlgeburten und schlimmen Missbildungen beim ungeborenen Leben führen. Und oft verläuft so eine Toxoplasmose-Infektion leider ganz unauffällig: man fühlt sich etwas schlapp, hat vielleicht geschwollene Lymphknoten und ein wenig Temperatur – oder spürt eben gar nichts, weil die Infektion ohne Symptome verläuft.
Wer aber die Erkankung einmal durchgemacht hat, ob erkannt oder unerkannt, ist in der Regel ein Leben lang immun. Schwangere, die an Toxoplasmose erkranken und dies bemerken, können meist mit Antibiotika gut behandelt werden: Die Zahl der gemeldete Erkrankungen in der Schwangerschaft liegt mit 20 für ganz Deutschland pro Jahr recht niedrig, wegen der Unauffälligkeit der Erkrankung geht das Bundesamt für Risikobewertung jedoch von einer hohen Dunkelziffer aus. Wenn man sich vor Augen führt, dass wahrscheinlich 70% aller Katzen hierzulande mit Toxoplasmose infiziert sind, ist das kein Wunder…
So schützen Sie sich vor Toxoplasmose
  • sorgfältig die Hände mit Seife waschen
  • kein ungefiltertes Wasser aus Flüssen oder Seen trinken
  • erdhaltige Nahrungsmittel getrennt von anderen Lebensmitteln aufbewahren (vermeidet Kreuzkontamination)
  • rohes Obst und Gemüse gründlich waschen, schälen oder kochen
  • keine rohen Fleischwaren (Salami, Hackfleisch, Carpaccio, Mettwurst, Teewurst) essen
  • Fleisch gut durchbraten oder erhitzen: eine Temperatur von über 67° C über mindestens 2 Minuten lang (im ganzen Produkt!)
  • Fleisch einfrieren: für mindestens 8 Stunden bei -20° C
  • Achtung: erhitzen in der Mikrowelle reicht nicht aus als Schutz!
Besondere Vorsichtsmaßnahmen für Katzenbesitzer & Gartenfreunde
  • Katzen nicht mit rohem Fleisch füttern
  • Freigängerkatzen nicht streicheln
  • Katzenkiste täglich mit heißem Wasser säubern – das ist jedoch keine Aufgabe für die Schwangere!
  • bei der Gartenarbeit Handschuhe tragen
  • Sandkasten mit Deckel sichern
  • besonders häufig sorgfältig die Hände waschen
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