Brust und Flasche – so funktioniert Teilstillen

Wie kann es funktionieren, dem Baby Muttermilch mit der Flasche zu geben? Worauf müssen Mütter achten? Hebamme und Fachautorin Birgit Laue beantwortet alle wichtigen Fragen

Hebamme Birgit LaueMuttermilch kann auch mit Flasche gefüttert werden – oft ist das gar keine Frage der Wahl, sondern der Notwendigkeit, etwa wenn die Mutter wieder arbeiten muss aber noch stillt, oder wenn der Vater das Kind öfter auch ohne die Mama betreut. In der Praxis allerdings ist das manchmal ziemlich schwierig, bei einigen Frauen funktioniert das Abpumpen schlecht, viele Kinder weigerern sich aus einer Flasche zu trinken und viele Mütter haben auch Angst, dass ihre Milch dann nicht mehr ausreichen könnte.

Die Hebamme und Fachautorin Birgit Laue (u.a. „Das Baby 1×1“, Gräfe und Unzer) beantwortet im liliput-lounge Interview alle wichtigen Fragen – damit die Muttermilch auch aus der Flasche und von Mamas Brust ohne Probleme getrunken werden kann.

liliput-lounge: Was raten Sie, wie funktioniert Abpumpen am besten?

Birgit Laue: Für gelegentliches Abpumpen reicht meist eine gute Handmilchpumpe, bei der die Milch direkt in eine Flasche läuft. Für die längere und regelmäßige Anwendung empfiehlt sich eher eine elektrische Pumpe, die das kindliche Saugen an der Brust imitiert. Mit schnellen, kurzen Saugbewegungen wird zunächst der Milchspendereflex ausgelöst, nach einigen Minuten verlangsamt sich der Takt. Ansaugstärke und -takt kann man bei hochwertigen Modellen ebenso einstellen wie der Phasenwechsel. Für das gleichzeitige Abpumpen beider Brüste gibt es Doppelpumpsets. Sie verkürzen die Pumpdauer und regen die Milchbildung besser an – das ist dann empfehlenswert, wenn man über einen längeren Zeitraum abpumpen möchte.

Worauf sollte beim Abpumpen geachtet werden?

Handmilchpumpe von Medela (© Medela)

Handmilchpumpe von Medela (© Medela)

Beim Abpumpen ist es vor allem wichtig, sich selbst Zeit zu geben und sich zu entspannen, etwa mit einer bequemen Sitzposition, einem bereitstehendem Getränk oder schöner Musik. Die warme Hand des Partners zwischen den Schulterblättern kann den Milchfluss steigern und den Rücken stärken. Am Anfang ist es hilfreich, die Brust vor dem Pumpen mit einem Wärmekissen zu durchwärmen oder kreisförmig zu massieren. Damit sich das Vakuum leichter aufbaut, ist es gut die Absaughaube der Pumpe zu befeuchten und diese so auf die Brust aufzusetzen, dass die Brustwarze genau in der Mitte zu liegen kommt.

Während des Pumpens sollte man die Absaughaube in der Hand halten, nicht die Flasche. Beim Einfachpumpen etwa alle fünf Minuten die Seite wechseln, um immer wieder den Milchspendereflex auszulösen und zwischendurch die Brust sanft massieren. Die Pumpdauer beträgt zwanzig bis dreißig Minuten. Beim Doppelpumpen reicht eine Dauer von zehn bis fünfzehn Minuten. Die beste Zeit zum Abpumpen ist übrigens zwischen den Mahlzeiten, dann ist bereits wieder etwas Milch gebildet, und das Kind muss bei der nächsten Mahlzeit auf nichts verzichten. Vor allem sollten Mütter Stress vermeiden und sich schon frühzeitig mit der Pumpe vertraut machen, also nicht erst kurz bevor sie beispielsweise die Arbeit wieder aufnehmen.

Wie oft muss abgepumpt werden?

Das hängt von der Zielsetzung des Pumpens ab. Hat sich die Milchproduktion nach den ersten Wochen stabilisiert, ist sechmaliges Pumpen meist ausreichend. Lässt die Milchproduktion nach, sollte häufiger gepumpt werden. Für die Aufrechterhaltung der Milchproduktion allein durch Abpumpen sind laut den Empfehlungen der LaLecheLiga ca. 100 Minuten tägliche Pumpzeit nötig. Bei berufstätigen Müttern mit einer normalen Arbeitszeit reicht aber zwei bis dreimaliges Pumpen in der Regel aus.

Wie sollte Muttermilch aufbewahrt werden?

Am besten in speziellen Milchaufbewahrungsbeutel, die in der Apotheke, im Sanitätshaus, im Drogeriemarkt oder bei der Hebamme erhältlich sind. Die selbstschließenden Plastiktütchen sind auf besondere Weise beschichtet, so dass die wichtigen Fette der Muttermilch nicht daran haften bleiben. Eiswürfelbeutel sind deshalb nicht geeignet.

Gefrorene Muttermilch sollte möglichst im Kühlschrank aufgetaut werden. Dort bleibt sie ungeöffnet noch bis zu 24 Stunden haltbar. Muttermilch lässt sich auch direkt in Babyfläschchen aus Glas oder aus Hartplastik (Polycarbonat, Polypropylen, Grilamid) einfrieren. Allerdings dehnt die Milchmenge sich aus, wenn sie gefriert. Das Fläschchen deshalb bitte nicht ganz bis zum Rand befüllen.

Wie wird die gefrorene Milch wieder aufgetaut?

Gefrorene Milch sollte nie in der Mikrowelle oder in kochendem Wasser auftauen, sondern zum Auftauen über Nacht in den Kühlschrank gestellt werden. Falls es einmal schnell gehen muss, lässt sich die Milch unter fließendem lauwarmem Wasser oder im Wasserbad bei 37 °C auftauen und erwärmen. Abgesetzte Fette vermischen sich wieder mit der Milch, wenn man das Behältnis leicht schüttelt. Aufgetaute Muttermilch hält sich 24 Stunden ungeöffnet oder zwölf Stunden geöffnet im Kühlschrank und darf nicht wieder eingefroren werden! Reste stets wegschütten!

Welche Fläschchen sind geeignet?

Babyflaschen gibt es aus Kunststoff oder Glas. Glasflaschen lassen sich besser reinigen und sind kratzbeständiger. Dafür sind Kunststoffflaschen stabiler und gehen nicht gleich zu Bruch, wenn sie runterfallen – vor allem wenn das Baby schon selbst danach greift. In Kunststoffflaschen lagern sich in Kratzern leicht Bakterien an und vermehren sich. Verkratzte und poröse Plastikflaschen sollten deshalb unbedingt regelmäßig ausgesondert werden. Die Größen der Flaschen sind unterschiedlich. Milchflaschen lassen sich mit ca. 250 ml füllen, Teeflaschen sind kleiner und für eine Flüssigkeitsmenge von ca. 120 ml bestimmt.

Teilstillen mit abgepumpter Muttermilch (© Thinkstock)

Teilstillen mit abgepumpter Muttermilch (© Thinkstock)

Und welche Sauger eigenen sich für Stillbabys?

Sowohl Fläschchensauger aus Silikon wie aus Latex. Silikon hat den Vorteil, dass es geschmacksneutral ist. Kautschuk beziehungsweise Latex hat einen Eigengeschmack, weswegen manche Babys die Sauger aus diesem Material ablehnen. Latexsauger werden außerdem mit der Zeit klebrig und sollten spätestens dann ausgetauscht werden. Wenn das Baby schon Zähnchen hat, empfiehlt sich aber eher Latex, da es elastischer ist als Silikon. Babys kleine Zähnchen könnten das Silikon zerbeißen und es könnte dann die abgelösten Kleinteile einatmen oder verschlucken. Deshalb sollte man die Sauger bei jeder Reinigung auf Risse überprüfen und gegebenenfalls gleich austauschen. Sind die Sauger intakt, reicht es dagegen, sie alle sechs Wochen auszutauschen. Bei den Saugern ist die Größe 1 für Babys von 0-6 Monaten geeignet, Sauger der Größe 2 werden für Babys von 6 bis 18 Monaten empfohlen.

Ein extrafeines Loch haben sogenannte Teesauger, sie sind für Tee und andere Getränke, Pre-Nahrungen und Spezialnahrungen ohne Stärkeanteil geeignet. Milchsauger haben ein mittelfeines Loch und sind für Anfangsnahrungen (1-Milch), Folgemilchen (2-Milch und 3-Milch), Heilnahrung oder Spezialnahrungen mit Stärkeanteil gedacht. Breisauger haben zumeist eine Kreuzschlitzöffnung und eignen sich für 3-Milch und sämige Babynahrungen. Der Name allerdings ist etwas irreführend, denn Brei sollte besser gelöffelt werden.

Stillen und gleichzeitig saugen an einer Flasche – kann das für das Baby nicht schwierig werden?

Eine Saugverwirrung ist in der Tat möglich, insbesondere in den sensiblen ersten Lebenswochen, wenn Kind und Mutter das Stillen noch gemeinsam lernen müssen. Die Trinktechniken an Brust und handelsüblichen Saugern unterscheiden sich grundlegend. An der Brust muss das Kind sich mit einem speziellen Saugmuster die Milch „erarbeiten“. Es öffnet dabei weit den Mund, um Brustwarze und Warzenhof aufnehmen und am Gaumen sozusagen „modellieren“ zu können. Zusätzlich „kaut“ es sanft mit den Zahnleisten, um den Milchfluss anzuregen. Dabei muss es sich wirklich ein wenig anstrengen.

Und bei herkömmlichen Flaschensaugern ist das anders?

Ja, bei der Flaschenfütterung wird dem Baby durch die Schwerkraft ein Großteil dieser Arbeit abgenommen. Zudem wird der Sauger in den Mund gesteckt und nicht – wie die Brustwarzen beim Stillen – vom Kind aktiv eingesogen, um ein Vakuum zu erzeugen. Außerdem muss das Baby an der Flasche seinen Mund auch nicht soweit öffnen, weil kein Unterdruck aufgebaut werden muss. Der Flaschensauger reicht meist bis an den Gaumen heran und ist nicht formbar. Die Zunge bleibt flach hinter der Kieferleiste liegen oder presst nach oben zum Gaumen, wo der Saugreflexpunkt liegt. Da jedoch die Milch automatisch aus der Flasche fließt, wird dieser Reflex überflüssig. Das Kind vergisst ihn, statt ihn zu verstärken. Auch die Lippen halten die Flasche nur locker, der Lippenschluss ist nicht fest. Die Zahnleisten üben im Gegensatz zum Stillen nur wenig Druck aus, und die Kiefermuskulatur wird kaum beansprucht.

Also ist immer mit einer Saugverirrung zu rechnen?

Nein, viele Kinder kommen zwar mit dem Wechsel gut klar. Aber manche versuchen eben mit für dieser Technik auch an der Brust zu trinken. Und funktioniert natürlich nicht. Das Kind bekommt dann an der Brust keine oder nur wenig Milch, wird beim Stillen unruhig, saugt an, lässt wieder los, dreht den Kopf hin und her schluckt viel Luft, was zu Verdauungsschwierigkeiten führen kann. Da die Milchbildung so auch nicht mehr richtig stimuliert wird, kommt es zu einem Rückgang der Milchmenge. In dieser Situation spricht man von einer Saugverwirrung.

Was hilft denn wenn das Kind mit den unterschiedlichen Techniken nicht klar kommt oder generell überhaupt nicht aus einer Flasche trinken möchte?

Dann gibt es entweder die Möglichkeit der vorübergehenden Becherfütterung, bei der das Kind die Milch mit der Zunge in seinem eigenen Rhythmus „aufschleckt“. Solche Becher gibt es von verschiedenen Herstellern z. B. von Medela, Ameda oder Ardo. Haben Eltern und Kind den „Dreh“ erst einmal raus, geht auch diese Füttermethode problemlos vonstatten.

Seit Neuestem gibt es für wählerische Babys allerdings auch eine innovative Babyflasche. Die mimijumi-Babyflasche (www.mimijumi.de) hat einen speziellen Sauger, der Mamas Brust optisch und funktional verblüffend natürlich nachbildet und es dem Baby ermöglicht wie beim Stillen zu saugen, zu schlucken und zu atmen. Durch das weiche Material kann deshalb der Flascheninhalt wie beim Stillen aktiv mittels Zunge und Gaumendecke erarbeitet werden. Training und Koordination für Zungen-, Kiefer‐ und Gaumenmuskulatur finden genauso statt wie bei der natürlichen Brusternährung. Mit der mimjumi muss das Baby auch ein Vakuum aufbauen, damit Milch fließt. Sobald es pausiert, wird der Milchfluss ähnlich wie beim Stillen unterbrochen. Das ist optimal, weil die gelernte Saugtechnik an Brust und Flasche die gleiche ist und es deshalb nicht zur Saugverwirrung kommen kann.

Die Designer-Fläschen von Mimijumi orientieren sich am Vorbild aus der Natur (© mimijumi)

Die Designer-Fläschen von Mimijumi orientieren sich am Vorbild aus der Natur und sollen Saugverwirrung vereiden(© mimijumi)

Wenn ein Baby mit der Flasche und der Brust gefüttert wird, ist das nicht schlecht für die Milchbildung?

Nein, wenn man darauf achtet, generell häufiger zu stillen als das Fläschchen zu geben, nicht. Deshalb macht es auch Sinn, sich vorher zu überlegen, zu welchen Zeiten das Kind gestillt und wann zugefüttert werden soll. Behält man diesen Rhythmus konsequent bei, unterstützt dies die Milchbildung in der benötigten Menge. Bei den Stillmahlzeiten sollte man unbedingt darauf achten, dass das Baby beide Brüste leer trinkt, damit es nicht nur die durstlöschende Vordermilch, sondern auch die fettreiche und sättigende Hintermilch bekommt. Dadurch funktioniert die Nachbildung der Milch am besten.

Kann auch Muttermilch mit Milchersatznahrung kombiniert werden?

Ja, man spricht dann von Zwiemilch-Ernährung. Das bedeutet, das Kind bekommt Muttermilch und eine Formula-Nahrung nach Bedarf. Für das Zufüttern eignet sich am besten eine Pre-Nahrung und ein Milchfläschchen mit Einlochsauger, damit sich das Baby beim Trinken aus der Flasche auch ein bisschen anstrengen muss.

Oft stillen Mütter ja auch voll und möchten später, wenn das Kind etwa vier Monate alt ist, dann die Flasche zusätzlich anbieten. Ist das nicht zu spät?

Länger Stillen (© Thinkstock)

Je länger ein Kind ausschließlich Muttermilch bekommt, desto besser. (© Thinkstock)

Nein, im Gegenteil. Je länger ein Kind ausschließlich Muttermilch bekommt, desto besser. Der Hauptanteil der Nahrung sollte deshalb auch beim Teilstillen noch Muttermilch sein, damit die Milchbildung nicht zurückgeht.

Wo finden Mütter Hilfe, wenn sie Probleme haben?
Wer unsicher ist, wie das Abpumpen und Teilstillen funktionieren kann, welche Flasche die Beste für das eigene Kind ist oder wenn das Baby tatsächlich unter einer Saugverwirrung leidet, sollte sich am besten an eine Hebamme oder eine Stillberaterin wenden.

Birgit Laue ist Medizinjournalistin, Hebamme und Sachbuchautorin. Im GU Verlag sind unter anderem die Ratgeber "Babypflege Schritt für Schritt", "300 Fragen zum Baby" und "Schwangerschaft und Geburt" erschienen.

  • https://mamahatjetztkeinezeit.wordpress.com/ Mama hat jetzt keine Zeit

    Danke für den informativen Artikel.
    Mich irritiert jedoch der Begriff „Teilstillen“ im Titel und im Text – darunter verstehe ich das teilweise Muttermilch geben (per Brust oder Flasche) und teilweise mit Muttermilchersatz zufüttern.

  • Engel

    Hallo mein engel ist 2monate am anfang habe ich gestillt und shoppe gegeben das stillen reichte nicht aus seit über 1monat gebe ich nur koch shoppe (bimbosan) möchtr abr wider stillen geht das?
    Hab monentan sehr wenig muttermilch aber wie kann ich das fördern damit ich mein engel stillen kann?