Stillen in der Öffentlichkeit

Wie hart in Nehmen sind Sie? Auch wenn es heute akzeptiert ist, dass in der Öffentlichkeit gestillt wird, mag sich nicht jede Frau im Café halbwegs entblößen.

Lassen Sie sich von einer zweifachen Mutter, die schon zur deutlichen Missbilligung der Angestellten in einem hochvornehmen Möbelgeschäft in Hamburg am Neuen Wall auf einem weißen Sofa gestillt hat (während der Ehemann dort einkaufte), sagen: Wenn Sie mitten in der Fußgängerzone stillen wollen und können, sollten Sie das tun. Ihr Kind wird Sie dafür lieben. Ihr spannender, vielleicht schon tropfender Busen ebenfalls. Konzentrieren Sie sich auf das Kind und ignorieren Sie die Passanten – wenn Sie das Stillen als natürlich empfinden, stehen die Chancen gut, dass kein Mensch hinguckt.
Stillen in der Öffentlichkeit

Öffentliches Stillen (Panthermedia Arne Trautmann)

Falls Sie denken, dass Sie beim Stillen in der Öffentlichkeit nervös werden, könnten Sie es einfach mal probieren – und wenn es sich unangenehm anfühlt, zu den Stillzeiten bevorzugt zu Hause oder in der Nähe von Rückzugsmöglichkeiten bleiben. Es gibt ja keine moralische Verpflichtung zum öffentlichen Stillen…
Was berufstätige Mütter betrifft, hat der Gesetzgeber versucht, recht kinderfreundliche Regelungen zu treffen. Ob das gelungen ist und praktisch umsetzbar, können Sie im Mutterschutzgesetz nachlesen.

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  • Andrea Mordasini, Bern

    Dass man in der heutigen modernen und scheinbar fortschrittlichen Zeit überhaupt über so was Normales, Natürliches, Gesundes und Selbstverständliches wie das (öffentliche) Stillen diskutieren und streiten muss, kann ich als Mutter zweier Kinder (7 und 5,5) nicht verstehen. In was für einem verknorzten Zeitalter und einer verklemmten Gesellschaft leben wir eigentlich,dass über das Stillen so ein Theater und Aufsehen gemacht wird! Ob und wie lange eine Mutter ihr Kind stillen will, ist allein ihre Entscheidung, egal was andere, die dies übrigens überhaupt nichts angeht, dazu denken, schreiben oder gar sagen mögen. Wir haben hier das Privileg, zwischen Muttermilch und mittlerweilen qualitativ hochwertigen Pulvermilchen entscheiden zu dürfen. Diese Alternative haben Mamis in Drittwelt- und Entwicklungsländern nicht. Auch ich habe meine beiden Kinder in den ersten paar Lebensmonaten voll gestillt,
    auch öffentlich, undglücklicherweise nie Probleme damit gehabt. Wir waren weder
    blöden Blicken noch hässigen Sprüchen ausgesetzt, noch wurden wir eines Lokals
    verwiesen. Solange sich die Mutter gesund und ausgewogen ernährt und während
    der Stillzeit möglichst auf Nikotin, Alkohol und blähende Speisen verzichtet,
    ist Muttermilch für das Baby/Kleinkind das Gesündeste und Beste. Zudem macht
    ein Kleinkind ja nichts anderes als wir Erwachsene auch – es stillt ein
    Grundbedürfnis, es isst und trinkt, und wie wir eben auch, ab und zu auswärts,
    im Restaurant oder sonst wo… Einfach traurig und tragisch, dass stillende Babies/Kleinkindernach wie vor in einigen Restaurants und sonstigen öffentlichen Institutionen nicht willkommen sind :(. Was bitte soll an einem friedlich stillenden, also
    trinkenden/essenden Kleinkind schon so störend, schlimm und falsch sein?
    Stillen ist doch weder kriminell noch anrüchig oder pervers und verboten schon
    gar nicht! Mir sind ehrlich gesagt 10 friedliche Stillkinder im Restaurant 100
    Mal lieber als ein einziger, schmatzender, rülpsender, rumpöbelnder und
    besoffener Zechpreller. Zudem: auf Werbeplakaten, in Modekatalogen und in
    Filmen sieht man in der Regel viel mehr nackte Haut/Busen als beim Stillen…
    Doppelmoral lässt grüssen… Wozu also dieser unnötige Aufschrei sowohl bei Euch
    in Deutschland als auch bei uns in der Schweiz?! Ich habe übrigens noch nie
    eine provokativ stillende Mutter mit gänzlich entblösster Brust gesehen. Die
    meisten tun dies ja eh möglichst diskret und so, dass sich das Stillkind nicht
    gestört und abgelenkt fühlt. Zudem bedeckt der Babykopf mehr oder weniger der
    ganze Busen, so dass dieser kaum bis gar nicht ersichtlich ist… ;). Mütter, die
    sich genieren auswärts zu stillen, tun dies eben nur zu Hause oder in einem für
    sie geeigneten, geschützten Rahmen bzw. geben ihren Kleinen die zuvor zu Hause
    abgepumpte Milch auswärts im Fläschchen. Und (prüde) Menschen, die sich
    tatsächlich ab einem Stillkind gestört fühlen und sich darob „ekeln“, haben
    wohl am ehesten ein Problem mit sich selber und sollen doch einfach weg- statt
    hinsehen oder am besten gleich zu Hause bleiben – und nicht umgekehrt! So
    einfach geht das ;). Mit etwas mehr gegenseitigem Leben und leben lassen,
    weniger Vorurteilen und weniger Anfeindungen, dafür mehr gesundem
    Menschenverstand, Toleranz, Offenheit, Akzeptanz, Respekt, Rücksicht,
    Verständnis, Hilfsbereitschaft, Unterstützung, Anstand und Lockerheit auf allen
    Seiten wäre das leidige Stillthema gelöst, somit vom Tisch, solche Diskussionen
    überflüssig und das Zusammenleben noch viel einfacher, friedlicher, gemütlicher
    und harmonischer :)!