Abstillen – aber wie?

Pralle, schmerzende Brüste. Tropfende Stilleinlagen und ein schreiendes Baby, das sich mit Händen und Füßen gegen die Flasche wehrt – so kann abstillen aussehen. Wie kriegt man das stressfrei hin?

Muttermilch ist wunderbar praktisch. Besser als jede industriell hergestellte Milchnahrung schützt sie den Säugling vor Infektionen und ernährt ihn optimal. Deswegen raten WHO und deutsche Gesellschaft für Ernährung auch, 4-6 Monate voll zu stillen. Ideal wäre es, wenn das Baby sich selber abstillte, indem es sich nach dem Alter von 4-6 Monaten langsam für Beikost interessiert und allmählich die Stillmahlzeiten durch feste Nahrung ersetzt werden. Nun kann oder möchte das nicht jede Mutter auch so durchziehen.

Seien es gesundheitliche Gründe, berufliche oder schlichtweg das Gefühl, dass Stillen unangenehm ist – manchmal ist es besser, das Abstillen vorzuziehen.

 

Welche Methoden gibt es?

Auf die harte Tour / schnelles Abstillen

Die schmerzhafteste Variante für Mutter und Baby. Dem Säugling wird ein liebgewonnenes Ritual entzogen, das ihm Wärme und Geborgenheit schenkt. Für die Mutter bedeutet das schnelle Abstillen körperliche und wahrscheinlich auch seelische Qual, denn wenn das Baby die Flasche nicht annimmt und die Brüste voller Milch sind und schmerzen, ist dies eine extrem stressige Erfahrung.

Zwar ist es möglich, in medizinischen Notfällen das rasche Abstillen durch Medikamente zu unterstützen. Der Frauenarzt wird aber wegen der starken Nebenwirkungen (Übelkeit, Kreislaufprobleme) nur selten zum Rezeptblock greifen und ein solches starkes Medikament verordnen.

Innerhalb von 3-10 Tagen kann man komplett abstillen, indem die Brust einfach nicht mehr gegeben wird. Solch ein schnelles Abstillen ist für den Körper eine Qual, die auch mit Komplikationen wie Mastitis (Brustentzündung) verbunden sein kann, und absolut nicht empfehlenswert.

Langsames Abstillen

Ideal ist es, maximal eine Stillmahlzeit pro Woche durch eine Flasche oder andere Beikost zu ersetzen (je nach Alter des Babys). Das strapaziert den mütterlichen Busen nicht und führt auch beim Kind garantiert zu keinem Trauma. Es sollte stets ungefähr um dieselbe Urzeit statt Muttermilch eine andere Mahlzeit gefüttert werden. Bewährt hat sich die Zeit direkt nach dem Mittagsschlaf oder der frühe Abend – aber das muss man ausprobieren.

Wenn das Baby anfangs nur ein paar Löffel schafft, macht das gar nichts. Dann gibt’s einfach eine Flasche hinterher, oder die Brust, falls es nicht anders geht. Die Flasche sollte nicht zum „roten Tuch“ fürs Baby werden, drum ist es meist besser, bei Protest den Busen zu geben, als das Baby schreien zu lassen und auf der Flasche zu beharren.

Oft hilft es auch, wenn nicht die nach verlockender Muttermilch duftende Mama die Flasche oder die Beikost anbietet, sondern der Partner oder ein Babysitter. Breite Sauger, deren Form an den Busen erinnert, haben gute Chancen, vom Säugling akzepiert zu werden. Ob Silikon oder Kautschuk besser ankommt, ist reine Geschmackssache – am besten beide Sorten kaufen und dem Baby anbieten.

Manche Babys akzeptieren die Flasche besser, wenn ihnen darin abgepumpte Muttermilch angeboten wird. Das ist zwar für die Mutter umständlich und reduziert auch ihren Milchfluss nicht, kann aber einen sanften Übergang schaffen. Das langsame Abstillen kann 2-3 Monate dauern.

Abstillen nach Bedarf / natürliches Abstillen:

Hier bestimmt alleine das Kind, wann es keine Muttermilch mehr trinken möchte. Manche Kinder wollen allerdings noch mit 3 Jahren gelegentlich an den Busen, was nicht in den Lebensentwurf jeder Frau passt. Kaum ein Kind stillt sich selbst vor dem 1. Geburtstag ab, eher passiert dies erst mit 2 Jahren oder später.

Wann ist das Baby bereit fürs Abstillen / für Beikost?

  • Es interessiert sich für das, was andere Leute essen (guckt die Bissen in den Mund)
  • Der Zungenstoßreflex ist verschwunden (feste Nahrung wird nicht automatisch wieder aus dem Mund geschoben), das Baby ist also mindestens 5 Monate alt
  • Das Baby ist bei guter Gesundheit, neugierig und ausgeschlafen
  • Die Mutter ist ausgeglichen und nicht leicht aus der Ruhe zu bringen

 

Wie kann man den Abstillprozess unterstützen?

Bewährt haben sich:

  • Salbeitee oder Salbei pur (auf Brot oder als Saltimbocca)
  • Pfefferminztee
  • Quarkwickel (2 Esslöffel kalter Quark in Küchentuch gewickelt)
  • Ein eng sitzender BH (der aber passt und nicht quetscht)
  • Eispacks (nicht eiskalt auf die Haut legen, nur damit kühlen)
  • wenig Flüssigkeit trinken
  • Brüste ausstreichen (klappt gut unter Wärme, z.B. in der Dusche)
  • Geringe Mengen abpumpen, um den Druck zu reduzieren
  • Homeopatische Mittel wie Phytolacca

 

Was füttert man statt der Muttermilch?

Baby unter 4-6 Monaten: Pre-Milch kommt der Muttermilch am nächsten und ist der Ersatz der Wahl. Bei allergiegefährdeten Säuglingen wird HA-Pre-Milchpulver empfohlen.

Baby über 4-6 Monaten: Bananenmus, Brei aus Pulver, einzelne Löffelchen Gemüsegläschen, selbst zubereitete Breie – am besten ist es, mit gebührenden Abstand zu probieren, was das Baby mag und gut verträgt. Neue Studien empfehlen auch püriertes Fleisch (gegen Eisenmangel).

Eine Faustregel ist, jede Woche ein neues Nahrungsmittel auszuprobieren und auf einen roten Po oder Bauchweh beim Nachwuchs zu achten. Die Auswahl an geeigneter Babynahrung ist riesig.

Zum Schluss noch ein paar praktische Tipps:

  • Ein flacher, kleiner Kunststofflöffel passt gut in Babys Mund
  • Manche Babys essen gut im Liegen (wenn sie noch nicht alleine sitzen können, und das Halten auf Mamas Schoß eine zu wackelige Angelegenheit ist)
  • Keine frischen Klamotten anziehen vor dem Füttern (gilt für Mama und Baby)
  • Daran denken, dass der Säugling nun eventuell noch Tee, abgekochtes Wasser, verdünntenSaft oder Milch braucht, um den Flüssigkeitsbedarf zu decken
  • Immer schön die Ruhe bewahren – es dauert einige Wochen, bis das Baby vom Löffel essen kann.

Bildnachweis: von privat

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