Noroviren – das müssen Eltern und Schwangere wissen

Gerade in der kalten Jahreszeit sind Noroviren verbreitet. Gegen die Magen-Darm-Infektion gibt es keine Impfung. Was bedeutet das vor allem für Schwangere, Babys und Kleinkinder? Wie kann vorgebeugt werden und was tun im Fall einer Erkrankung?

Was genau sind Noroviren?

Noroviren sind winzige Erreger, die weltweit verbreitet sind. Vor allem im Herbst und Winter treten sie vermehrt auf. Nach den Rotaviren (gegen die geimpft werden kann) sind Noroviren bei Babys und Kleinkindern die zweithäufigste Ursache für Magen-Darm-Infektionen.

Norovirus - gefährlich für Kinder und in der Schwangerschaft

Der Norovirus – zweithäufigste Ursache für Magen-Darm-Infektionen bei Kindern (©Thinkstock)

Noroviren: Ansteckung, Symptome und Krankheitsverlauf

Typisch sind heftige Übelkeit, rasch einsetzendes Erbrechen, Magenkrämpfe und Durchfälle. Erkrankte klagen oft auch über starke Kopf- und Magenschmerzen. Viele Erkrankte haben auch leichtes Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl.

Noroviren werden sehr schnell übertragen, die Inkubationszeit beträgt ein bis drei Tage, nach einer Ansteckung zeigen sich die ersten Symptome oft schon zehn bis 48 Stunden später. Die akute Phase dauert in der Regel zwei bis vier Tage. Der hohe Flüssigkeitsverlust muss ausgeglichen werden, ist dies nicht möglich, brauchen Erkrankte oft ärztliche Unterstützung und Infusionen.

Nach einer Ansteckung mit dem Norovirus kommt es im Zeitraum von 10 Stunden bis zu 2 Tagen zu sehr plötzlich einsetzenden Erbrechen und Durchfall, oft auch Magen, Darm und Bauchkrämpfen. Symptome können auch Kreislaufschwäche, Fieber, Kopfschmerzen und ein allgemeines Krankheitsgefühl sein. Nach ca. 4 Tagen werden die Symptome wieder schwächer.

Wie verläuft eine Norovirus-Infektion bei Säuglingen und Kleinkindern?

Werden kleine Kinder krank, sind sie oft sehr anhänglich, leicht weinerlich. Säuglinge mögen oft nicht trinken. Typisch sind auch hier starkes Erbrechen und Durchfall, der Windelinhalt von Babys ist dann oft wässerig-schleimig, grünlich oder gelblich. Wichtig: häufig die Windel wechseln, da sich der Po schnell entzünden kann.

Wann sollte ein Arzt aufgesucht werden?

Für Eltern ist es schwer festzustellen, ob ein Kind eine „normale“ Magen-Darm-Erkrankung hat oder unter einem Norovirus leidet. Ist bekannt, dass beispielsweise im Kindergarten Kinder unter Noroviren leiden, liegt der Verdacht nah, dass das eigenen Kind Symptome zeigt. Dann unbedingt den Kinderarzt anrufen und einen Termin vereinbaren (bestätigt werden kann eine Norovirus-Infektion nur durch eine Stuhlprobe). Stillbabys sollten wie gewohnt weiter gestillt werden, auch wenn sie erbrechen.

Kleine Kinder – vor allem auch Babys – können durch die Krankheit sehr schnell zu viel Flüssigkeit und Elektrolyte verlieren. Am wichtigsten ist es, dass das Kind viel trinkt. Eine sinnvolle Ergänzung sind nach Absprache mit dem Kinderarzt Elektrolytlösungen (Apotheke), denn so werden das verlorene Wasser und Salze ausgeglichen. Am besten die Elektrolytlösung löffelweise oder mit einer kleinen Plastikspritze geben – möglichst gekühlt aus dem Kühlschrank, das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Flüssigkeit nicht gleich wieder erbrochen wird.

Wenn die Krankheit mehr als zwei Tage dauert, oder das Kind besonders apathisch wirkt, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Generell gilt: je kleiner das Kind, je höher das Fieber und je schlechter das Trinkverhalten, desto eher zum Arzt!

Achtung! Bei diesen Alarmzeichen bitte Notarzt kontaktieren, sofort zum Kinderarzt oder ins Krankenhaus:

  • Sehr hohes Fieber bei Durchfall und Erbrechen
  • Blut im Stuhl, Blut im Erbrochenem
  • Eingefallene Fontanelle beim Säugling
  • Tiefliegende Augen, verminderte Hautspannungen
  • Schwerer Durchfall beim Neugeborenen
  • Deutlicher Gewichtsverlust
  • Bewusstseinsstörungen
  • Benommenheit
  • Kreislaufstörungen
  • Unstillbares Erbrechen (auch kleinste Mengen werden sofort erbrochen)


All diese Symptome können auf eine akute Austrocknung hindeuten. Die Symptome können aber auch andere ernste Ursachen haben, die unbedingt abgeklärt werden müssen!

Behandlung: wie kann erkrankten Kindern geholfen werden?

Wenn das Kind ausreichend trinkt, kann die Krankheit zu Hause behandelt werden. Essen brauchen Kinder nicht, wenn ihnen übel ist, es sollte aber Nahrung angeboten werden.

Geeignete Getränke: Pfefferminztee (kalt, in kleinen Schlucken), Fencheltee, Anistee, stilles Wasser, verdünnte Milch (z.B. mit Elektrolytlösung)

Ungeeignet: Kohlensäurehaltiges, Fruchtsäfte, fettreiche Milch (höher als 1,5 Prozent)

Geeignete Kost: Zwieback, Salzstangen, Knäckebrot, getoastetes Brot, Karotten-, Apfel- oder Bananenbrei, Kartoffelmus (ohne Butter, fettarme Milch), Magerjoghurt, weichgekochter Reis, weiche Nudeln in Brühe, püriertes fettarmes Fleisch.

Ungeeignet: Stark gewürztes oder fettiges Essen (Pfannkuchen, Aufschnitt), Zitrusfrüchte, Hülsenfrüchte, frisches Gebäck, Schokolade.

Noroviren in der Schwangerschaft

Eine direkte Gefahr besteht nicht für das Ungeborene. Aber gerade in der Schwangerschaft besteht ein erhöhter Flüssigkeitsbedarf. Durchfall und Erbrechen wirken sich sehr schnell auf den gesamten Energiehaushalt der Mutter aus, Schwangere müssen den Mineralstoff- und Wassermangel rasch ausgleichen. Auch hier gilt, wenn das Erbrechen scheinbar unstillbar ist, schon geringste Mengen zu erneuter Übelkeit führen, sofort eine Klinik oder den Arzt aufsuchen. Siehe auch Alarmsignale in der Schwangerschaft .

Ansteckung mit Noroviren vermeiden

Gegen die sehr leicht übertragbaren Viren gibt es keine Impfung und auch keine Medikamente. Übertragen werden Noroviren von Mensch zu Mensch, durch Tröpfcheninfektion, direkten Kontakt (Händeschütteln) oder Schmierinfektion. Auch Lebensmittel (wie vor kurzem die chinesischen Erdbeeren) und verunreinigtes Wasser können die Infektion verursachen.

Tatsächlich ist es kaum möglich, sich vorbeugend zu schützen. Generell sollten ähnliche Schutzmaßnahmen wie bei auch bei Grippeerkrankungen vorgenommen werden. Ist ein Familienmitglied erkrankt, sollte die Toilette nach Benutzung mit einem Desinfektionsmittel desinfiziert werden (auch auf Seifenspender und Waschbecken achten, auch hier können die Viren sich gut verbreiten). Der Kontakt zu den Gesunden sollte möglichst gering sein. Beim Beseitigen von Erbrochenem und von Durchfallspuren und beim Wickeln Einmalhandschuhe nutzen, Handtücher und Bettwäsche bei 90° kochen.

Kinder sollten – aus Schutz der anderen Kinder – erst zwei bis drei Tage nach dem völligen Abklingen der Symptome wieder den Kindergarten oder die Schule besuchen. Erwachsene sollten sich unbedingt vom Arzt krank schreiben lassen und ebenfalls erst wieder arbeiten, wenn sie wirklich gesund sind.

Weitere Informationen zum Norovirus:

Robert-Koch-Institut zur Erkrankung mit Noroviren, Bundesinstitut für Risikobewertung: mehr über den Norovirus

Thomas Hoek, Dagmar Suda: Sichere Hausmittel für mein Kind: direkt aus der Kinderarztpraxis, Springer Verlag 2001, 24,95, ISBN: 3-540-41979-9

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