Meningokokken und Meningitis – wichtige Informationen für Eltern

Meningokokken-Bakterien können innerhalb weniger Stunden zu lebensbedrohlichen Infektionen wie der Meningitis führen. Vor allem Säuglinge und kleine Kinder sind gefährdet. Schnellstmögliche Behandlung ist besonders wichtig. Diese Anzeichen sollten Eltern kennen:

Was sind Meningokokken?

Meningokokken sind kleine kugelförmige Bakterien, die etwa jeder Zehnte im Rachenraum hat, ohne dabei zu erkranken. Durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch, etwa Niesen, Anhusten oder Küssen, können diese Bakterien übertragen werden. Auf den Schleimhäuten des Nasenrachenraums können sie wochen- oder monatelang überleben.

Gelingt es den Bakterien in den Organismus einzutreten, indem sie die Schleimhäute zu durchdringen, können sie Erkrankungen und Infektionen wie eine Hirnhautentzündung (Meningitis) auslösen. Es gibt verschiedene Formen der Meningokokken, sie unterscheiden sich durch ihre unterschiedliche Oberflächenstrukturen und werden in zwölf verschiedene Untergruppen, sogenannte Serogruppen, unterschieden. Erkrankungen werden am häufigsten durch Serotypen A, B, C, W135 und Y verursacht. Weltweit sind die Erreger verschieden verbreitet. In Europa, und damit auch in Deutschland, kommen vor allem Infektionen mit Bakterien der Serogruppen B (ca. 70 Prozent) und C (ca. 25 bis 30 Prozent) vor.

Meningokokken Bakterien unter dem Mikroskop (© Thinkstock)

Meningokokken: Bakterien unter dem Mikroskop (© Thinkstock)

Welche Krankheiten werden durch Menigokokken auslöst und wer ist gefährdet?

Gelingt es den Erregern, in die Schleimhäute einzudringen, können die Meningokokken zu Infektionen führen. Es gibt sehr leichte Verläufe, die der Betroffene kaum merkt, die sich nur durch Halsentzündugen zeigen und rasch zur Bildung von Anti-Körpern führen. Ist das Immunsystem allerdings durch vorherige Infekte geschwächt oder sind kleine Kinder, deren Immunschutz noch nicht ausprägt ist, den Bakterien ausgesetzt, so können die Menigokken  für einen schweren Krankheitsverlauf sorgen. Sie können in die Hirn- und Rückenmarkshäute gelangen und hier eine Infektion, eine Hirnhautentzündung (Meningitis) verursachen. Wenn die Erreger aber in die Blutbahn gelangen, überschwemmen sie den Körper mit Giftstoffen – eine Blutvergiftung (Sepsis) ist die Folge.

Meningokokken - besonders gefährlich für Babys und Kleinkinder (© Thinkstock)

Meningokokken – besonders gefährlich für Babys und Kleinkinder (© Thinkstock)

Das Tückische ist, dass die Krankheit sehr schnell innerhalb weniger Stunden verläuft. Je früher eine intensivmedizinische Behandlung mit Antibiotika erfolgt, desto besser stehen die Chancen des Betroffenen. Etwa jeder zehnte Erkrankte stirbt. Einer von fünf der Überlebenden hat nach der Erkrankung  schwere Schäden wie Hörverlust, neurologische Probleme, Krampfanfälle oder den Verlust von Gliedmaßen.

Laut Robert-Koch-Institut (RKI) traten in Deutschland in den Jahren 2010 bis 2012 im Schnitt  rund 400  Meningokokkenerkrankungen jährlich auf. Im Jahr 2013 wurden 315 Fälle registriert.  Etwa 40 Prozent der Erkrankten sind Kinder unter vier Jahren, am häufigsten Betroffen sind Säuglinge im ersten Lebensjahr.

Was sind die Krankheitssymptome bei einer Meningitis?

Schnellstmögliche Behandlung ist besonders wichtig, daher sollten Eltern auf mögliche Hinweise achten. Eine Meningitis fängt meist mit einem starkem Krankheitsgefühl wie Abgeschlagenheit, hohem Fieber, Erbrechen, Schüttelfrost, Gelenk- und Muskelschmerzen, Krämpfen oder Bewusstseinsstörungen an. Ein typisches Zeichen einer Hirnhautentzündung ist die Nackensteifigkeit  Eine Sepsis zeigt sich ähnlich, typisch sind hier die Hauteinblutungen, die sich als rot-violette Hautflecken zeigen. Die Flecken sind dauerhaft und verschwinden auch nicht, wenn man mit einem Trinkglas dagegen drückt.

Anzeichen einer Menigokken-Erkrankung:

  • Fieber
  • Kopfschmerzen
  • Benommenheit
  • Erbrechen
  • Nackensteifigkeit
  • Lichtempfindlichkeit
  • Gelenkschmerzen
  • rot-violette Hautflecken (=Hauteinblutungen)

Meningokokken-Infektion ähneln oft einer starken Erkältung oder Grippe – gerade bei sehr kleinen Kindern ist die Erkrankung daher sehr schwer zu erkennen. Eltern sollten unbedingt bei einem Verdacht den Notarzt rufen oder die nächste Kinderklinik aufsuchen. Hartnäckigkeit ist im Notfall wichtig, je frühzeitiger behandelt wird, desto effektiver ist dies möglich.

Mögliche Symptome beim Säugling:

  • Unruhe
  • apathisch, Baby ist teilnahmelos
  • Nahrungsverweigerung
  • extreme Berührungsempfindlichkeit
  • hohes, schrilles Schreien oder Wimmern
  • das Baby lässt sich schlecht wecken
  • blasse oder fleckige Haut

Nicht alle Symptome treten gleichzeitig auf, sie können sich innerhalb weniger Stunden zeigen.

Eine aktuelle Ausstellung und Portrait-Serie der Fotografin Anne Geddes möchte das Thema Meningokokken mehr ins Bewusstsein rücken und informieren.

 

Elias hat eine schwere Form der Mengikokken-Sepsis überlebt © Anne Geddes

Elias hat eine schwere Form der Meningokokken-Sepsis überlebt © Anne Geddes

Wie wird behandelt?

Da die frühe Behandlung besonders wichtig ist, werden Patienten oft auch bei einem Verdacht mit Antibiotika behandelt. Erhärtet werden kann der Verdacht nur durch eine – durchaus schmerzhafte, aber nötige Lumbalpunktion.  Zwischen den Lendenwirbeln, am unteren Ende des Rückenmarkes, wird Nervenwasser entnommen – daher wird diese Untersuchung oft als „Rückenmarkspunktion“ bezeichnet. Erst die Laboruntersuchung des Nervenwassers kann genauen Aufschluss darüber geben, ob eine Meningitis-Infektion vorliegt und um welche Form es sich handelt.

Werden die Erreger nachgewiesen, ist sehr rasches Eingreifen nötig. Eine Übertragung ist von Mensch zu Mensch per Tröpfcheninfektion möglich – und es gilt das strenge Infektionsschutzgesetz. Für Angehörige ist das schwer, denn der Erkrankte  – und auch Kontaktpersonen – werden unter Quarantäne gestellt In den ersten 24 Stunden wird der Patient isoliert, um andere zu schützen. Gleichzeitig wird er intensivmedizinisch mit Antibiotika behandelt. Frühzeitig erkannt ist die Krankheit gut heilbar.

Die Angehörigen erhalten zur Vorbeugung ebenfalls Antibiotika, zeigen sie keine Symptome, endet dann auch das Besuchsverbot.

Welche Impfung gegen Meningokokken gibt es?

Informierte Eltern können schneller handeln. Bei einem Verdacht sollte unverzüglich eine Klinik aufgesucht werden. Besonders wichtig im Kampf gegen Meningokokken sind Impfungen.  In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommision (STIKO)  die Impfung gegen Meningokokken C  seit 2006 routinemäßig für Kinder ab zwölf Lebensmonaten – dazu eine Impfdosis erforderlich.  Die Impfung wird in der Regel mit den anderen Schutzimpfungen vorgenommen. Experten gehen davon aus, dass die Impfempfehlung bereits zu einem leichten Rückgang der Erkrankungen geführt hat. Jedes Land mit schwierigen Hygiene-Verhältnissen gilt als mögliches Meningitis-Gebiet, für Auslandsreisen in bestimmte Regionen gelten besondere Empfehlungen.

Gegen den in Deutschland mit fast 70 Prozent am meisten verbreiteten Meningokokken-Erreger B gab es allerdings bisher keinen Impfstoff. Ende 2013 wurde nun der erste Impfstoff gegen Menigokken B-Erreger von der europäischen Zulassungsbehörde (EMA)zugelassen. Der bloggende Kinderarzt Kinderdoc begrüßt das sehr. Er schreibt:

„Es gibt Krankheiten, gegen die wir Ärzte machtlos sind. Es gibt Krankheiten, gegen die wir impfen können, damit unsere Macht vorwirkt. Die Meningitis durch die Meningokokken B war eine der Erkrankungen, die wir Kinder- und Jugendärzte immer am meisten fürchteten, gerade weil man so wenig tun kann. Wer die Krankheit überlebt, hat oft neurologische Folgeschäden oder verliert Gliedmaßen durch die gefürchteten Gefäßverschlüsse. Ab diesem Sommer lässt sich die Krankheit impfen. Darüber sind wir Ärzte sehr froh. Einfacher kann man es nicht sagen.“

Der Impfstoff ist nun in Deutschland verfügbar, aber eine allgemeine Impfempfehlung der STIKO liegt zur Zeit noch nicht vor, nur die Sächsische Impfkommission hat neue Impfung seit 1. Januar 2014 in ihren Impfkalender aufgenommen. Aus Sicht der STIKO fehlen für die Impfempfehlung noch wichtige Daten. Da eine allgemeine Empfehlung also noch aussteht, sind die Kosten der Impfung auch noch nicht vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) als verpflichtend für die Krankenkassen erklärt worden. Einige Kassen übernehmen beteiligen sich allerdings an den Kosten oder übernehmen sie ganz. Die Impfung kostet pro Gabe €96,96 zzgl. Durchführung, es sind drei Impfgaben nötig.

Eltern sollten sich bei ihrer Kasse erkundigen, ob diese die Kosten übernimmt. Gemeinsam mit dem Kinderarzt sollte besprochen werden, ob die Impfung für das eigene Kind sinnvoll ist. Weitere Informationen zu Risikogruppen und Impfempfehlungen hier in einer Stellungsnahme der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie e.V.

Lesen Sie auch: Mutige Überlebende – Kinder mit Meningokokken-Erkrankungen im Portrait von Anne Geddes
Quellen: Deutsches Grünes Kreuz, RKI, Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung

  • Wilfried Plumenbohm

    Warum stellen sich die Krankenkassen so quer…gerade eo es doch um kleine Kinder geht, und wenn man dann solche Bilder sieht wie von Frau Geddes, da müsste es doch bei den Kassen und bei der Gesundheitsministern klingeln…..aber es wird sich wahrscheinlich erst etwas ändern wenn Angehörige der Gesundheitsministernn und den Krankenkassen so ein Fall eintritt…..Armes Deutschland, noch nicht einmal vor bekannten Krtankheiten wird etwas getan, um die Gesundheit zu fördern….man sollte mal nachrechen was teurer kommt, eine Impfung gegen diese Krankheiten oder eine lebenslange Versorgung betroffener Kinder / Personen….Liebe Regierung und Liebe Krankenkassen bitte mal darüber nachdenken……

  • Coder X

    „[…]Der bloggende Kinderarzt Kinderdoc […]“ schreibt in seinem Blogg das er seinen Namen nicht nennen will, wo sich seine Praxis befindet etc. Natürlich im Namen der ärztlichen Schweigepflicht und der Ethik gegenüber seinen Patienten.
    Es gibt keinen Beweis das dieser Herr überhaupt Arzt ist. Bitte nicht falsch verstehen, vielleicht ist dieser Herr ein wirklich netter Kinderarzt. Vielleicht aber auch nur ein 16 jähriger Junge, der in der Schule gemobbt wird oder dem einfach nur langweilig ist und sich als Arzt aus gibt. Aber gerade wenn es um so ein wichtiges Thema wie die Impfung meines Kindes geht, brauche ich Statements aus Quellen die verifiziert sind!!! Nur weil etwas im Internet steht, muss es nicht wahr sein.
    Und nur so nebenbei, in Frankreich war der Impfstoff als erstes zugelassen. Als aber 3 Kinder nach der Impfung STARBEN, wurde er erst mal wieder zurückgezogen. Zum Nachverfolgen: Einfach mal googlen nach “

    Menigokokken impfung Todesfälle“.

    • Silke R. Plagge

      Lieber Coder,

      tatsächlich stehen wir von der liliput-lounge Redaktion in persönlichem Kontakt mit dem dem Kinderdoc und wissen, dass er wirklich praktizierender Kinderarzt ist! Allerdings schreibt er eben auch sehr offen über Erlebnisse mit Patienten, daher möchte er anonym bleiben. Aber du hast selbstverständlich Recht: Quelle: Internet, das geht nicht. Aber wir von der liliput-lounge legen Wert auf gründliche Recherche. Und gerade über das Thema Meningokokken habe ich mich aus persönlichen Gründen sehr gut informiert!

      Wer googlen möchte, wird schnell sehen, dass die Todesfälle und schweren Erkrankungen leider sehr, sehr hoch sind – und zwar, die die Krankheit auslöst. Der Impfstoff ist zugelassen und da gibt es viele Quellen.
      Mit freundlichen Grüßen,
      Silke R. Plagge

  • Coder X

    „Der Impfstoff ist nun in Deutschland verfügbar“ müsste RICHTIG heißen „Der Impfstoff ist nun in Deutschland ZUGELASSEN“ verfügbar ist er schon lange! Auf Grund der Todesfälle in Frankreich wurde er erst mal nicht zugelassen.
    „Aus Sicht der STIKO fehlen für die Impfempfehlung noch wichtige Daten“
    Was sagt uns das? Daten welche die SICHERHEIT garantieren.
    @wilfriedplumenbohm:disqus
    die Krankenkassen stellen sich bei solchen Dingen quer, weil sie uns (oder vielmehr ihr eigenes Geld) schützen wollen und nichts freigeben/bezahlen wollen, was unsicher ist. Denn DAS bedeutet für die Kassen mehr Leistungen für Folgeschäden, nicht die Krankheit vor der geschützt wird selbst.