Fehlgeburt durch Schlafposition verhindern?

Viele Wissenschaftler versuchen herauszufinden, welche Faktoren Fehlgeburten begünstigen. Die neueste Erkenntnis: Die mütterliche Schlafposition beeinflusst im letzten Schwangerschaftsdrittel das Risiko einer Totgeburt. Doch ehrlich gesagt macht das Forschungsergebnis Redakteurin Silke R. Plagge skeptisch.

Wie wahrscheinlich ist es, ein gesundes Kind zur Welt zu bringen? Wie kann jedes Risiko in der Schwangerschaft ausgeschlossen werden? Wissenschaftler versuchen mit Hilfe von immer raffinierterer Technik und von Studien Mysterien zu enträtseln.

Man kann sicher darüber schmunzeln, ob es sinnvoll ist, das Ungeborene durch eine Art Guckfenster immer beobachten zu können. Und die Fortschritte im Bereich der Prädiagnostik haben sicher schon vielen Kindern das Leben gerettet, da sie sofort nach der Geburt behandelt werden konnten.

Einige Studien hingegen stimmen bedenklich. Die „Deutsche Ärztezeitung“ hat gerade die Ergebnisse einer neuseeländischen Studie veröffentlicht. Neuseeländische Forscher verglichen die Daten von 465 schwangeren Frauen, 155 von ihnen hatten im letzten Schwangerschaftsdrittel eine Fehlgeburt.

Wie kam es dazu? Das sollten die Daten verraten. Das Ergebnis des Teams von Tomasina Stacey von der Universität Auckland: Es lag an der Schlafposition der Schwangeren. Denn von den betroffenen 155 Frauen mit einer Totgeburt gaben 111 (74 Prozent) an, dass sie sich nicht erinnern konnten, in der Nacht vor dem Verlust des Kindes auf der linken Seite eingeschlafen oder aufgewacht zu sein. In der anderen Gruppe waren es 54 Prozent der Befragten.

Aus diesen Zahlen folgern die Neuseeländer, ganz klar, dass Schwangere beim Schlafen die linke Seite bevorzugen sollten. Frauen, die bevorzugt auf dem Rücken oder der rechten Körperseite einschliefen und oder aufwachten, hätten ein etwa doppelt so hohes Risiko für eine Totgeburt. Die weibliche Anatomie sei die Erklärung dieses Phänomens, denn läge die Frau auf dem Rücken oder der rechten Seite, drücke die vergrößerte Gebärmutter auf die obere Hohlvene und die Aorta und verschlechtere so die Durchblutung,

Wie geht es Ihnen, wenn Sie so etwas lesen?

Mir verschlug es ehrlich gesagt die Sprache. Denn die Frauen wurden 25 Tage nach dem Verlust ihres Kindes befragt. Also vier Wochen später, sollten sie sich noch erinnern, wie sie in der Nacht vor der Fehlgeburt geschlafen haben. Wissen Sie noch, in welcher Lage sie vor einem Monat eingeschlafen sind?

Erst recht verwundert dieses Elefantengedächtnis bei der Vergleichsgruppe. Woher können die sich so genau erinnern, wie sie an einem x-beliebigen Tag eingeschlafen sind?

Auch Fachleute sehen die neuseeländische Studie kritisch

Das „Ärzteblatt“ zitiert Lucy Chappell vom King’s College London. Sie glaubt jedenfalls nicht, dass die Linksseitenlage, die die meisten Schwangeren ohnehin automatisch in der Nacht bevorzugen, jetzt als Vorschrift gelten sollte. Sicher könne man Schwangeren raten, die linke Seite zu bevorzugen – das könne nicht schaden. Aber ob es nutzt? Immerhin wechseln Schlafende in der Nacht etwa 40 bis 60 Mal die Position – dies scheint in der Studie nicht beachtet zu sein.

Und im letzten Schwangerschaftsdrittel fand ich persönlich alle Schlafhaltungen unbequem! Bauchlage fiel aus. Rückenlage? Tat irgendwann weh. Ich wälzte mich oft schlaflos von rechts nach links. Am Stück habe ich gar nicht geschlafen, denn meine Kinder drückten weniger auf meine Aorta, als viel mehr auf meine Blase! Ich habe als Schwangere immer andere werdende Mütter beneidet, die vor der Geburt noch richtig durchschlafen konnten. Egal auf welcher Seite.

Also dürfen Schwangere durchaus in die entspannte Rückenlage – wenn sie sich so wohlfühlen. Denn so eine Studie scheint nur ein reines Zahlenspiel. Wie viel Prozent der Frauen hat sich mit einer elektrischen Zahnbürste die Zähne gereinigt? Mir scheint das Ergebnis eher zufällig.

Vor allem aber lese ich kritisch, dass so Mütter die Verantwortung übernehmen. Gute Mütter schlafen links, essen dies und jenes nicht, vermeiden Gifte und die falschen Sportarten. Wenn sie sich an alle Vorschriften halten, wird das Kind gesund zur Welt kommen. Passiert etwas, ist die Mutter schuld? Solche Gedanken dürfen nicht Sinn von Studien sein. Sicher können Wissenschaftler helfen, bestimmte Risiken zu verringern. Aber sie dürfen auch keine Ängste schüren.

Ich wünsche also allen Schwangeren einen erholsamen Schlaf – egal in welcher Haltung. Ein Nickerchen im Sonnenstuhl tut zwischendurch sicher auch gut. Ach nee, das geht nicht mehr im letzten Schwangerschaftsdrittel. Denn hochschwangere Wale können dort vielleicht eine feine Schlafposition finden – aber sie stranden in so einem Stuhl und kommen allein nicht mehr hoch.

Bild: © Abel Mitja Varela für istockphoto.com

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