Mit Tabletten schwanger werden?

Erkrankungen der Schilddrüse können Schwangerschaften verhindern – oder gefährden. Jede 6. Frau ist davon betroffen, viele wissen das aber nicht…

Wenn die Schwangerschaft ausbleibt, kann eine Störung der Schilddrüse schuld sein. Eine Erkrankung der Schilddrüse verläuft meist völlig unbemerkt. Professor Gerhard Hintze erklärt im Forum Schilddrüse: “Sowohl eine Überfunktion als eine Unterfunktion der Schilddrüse können die Empfängnis nachhaltig stören”.
 
Betroffene Frauen würden seltener schwanger und könnten häufiger von Fehlgeburten betroffen sein, so der Experte. Wenn die Erkrankung entdeckt und behandelt werden, können Schwierigkeiten allerdings vermieden werden. Durch eine frühzeitige Diagnose von Schilddrüsenstörungen erübrigen sich dann eventuell die aufwendigenVerfahren zur Behandlung der ungewollten Kinderlosigkeit. Angesichts eingeschränkter Kassenleistungen in diesem Bereich lohnt es sich also auch für die Betroffenen, an die Schilddrüse zu denken. Denn oft hängen Schilddrüsenprobleme und unerfüllter Kinderwunsch zusammen.
 
schwanger werden mit Schilddrüsenproblemen

Schilddrüse und Kinderwunsch (© panthermedia.net Jürgen Fälchle)

Schilddrüse und Funktionen
Die Schilddrüsenhormone steuern alle wichtigen Vorgänge im Körper – auch die Fruchtbarkeit und Fortpflanzung. Schilddrüsen- und Sexualhormone wie das Östrogen stehen miteinander in einem engen Zusammenhang und beeinflussen sich gegenseitig. Geraten die Schilddrüsenhormone aus dem Gleichgewicht, spielen sie verrückt: Eisprung und Regelblutung verlaufen nicht mehr normal. Möchte eine Frau dann schwanger werden, stehen die Chancen schlecht.
 
Vor allem eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) kann bewirken, dass das lang ersehnte Wunschkind ausbleibt. Laut Professor Roland Gärtner von der Universität München hat jede sechste Frau eine Veranlagung für diese Fehlfunktion der Schilddrüse. Bei etwa zehn Prozent von ihnen kommt es zur Erkrankung – unbemerkt. Denn für die Versorgung der Mutter sind genug Hormone vorhanden. Bei einer Schwangerschaft wird das Ungeborene jedoch so schlecht versorgt, dass 30 Prozent der Schwangerschaften zu einer Fehlgeburt führen. Meist gehe das Kind so früh verloren, so Gärtner, dass die meisten Betroffenen die Schwangerschaft nicht bemerken. Eine Behandlung mit Schilddrüsenhormonen ermöglich jedoch eine normal verlaufende Schwangerschaft.
 
Auch die Überfunktion (Hyperthyreose) stört die Empfängnis, allerdings nicht ganz so häufig. Sie kann sich allerdings dramatisch auf eine Schwangerschaft auswirken : Fehlgeburten, Frühgeburten oder Missbildungen des Kindes können auftreten. Besonders Mehrlingsschwangerschaften sind gefährdet.
 
Gezielte Untersuchungen

Nur durch eine gezielte Untersuchung können Störungen der Schilddrüse entdeckt werden. Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch oder vorangegangenen Fehlgeburten sollten daher ihre Schilddrüsenfunktion vom Arzt mit einer Blutuntersuchung überprüfen lassen. Dabei werden bestimmte Hormone, vor allem das so genannte TSH, sowie die Schilddrüsenantikörper gemessen. Auch Frauen, die bereits an einer anderen Autoimmunstörung erkrankt sind oder erkrankte Familienmitglieder haben, sollten sich testen lassen. Zu den Autoimmunerkrankungen gehört beispielsweise die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus Typ I).


Mit einer ensprechenden Behandlung stehen die Chancen schwanger zu werden gut. Dabei nimmt man täglich die richtige Dosis eines Schilddrüsenhormones ein, das die Unterfunktion ausgleicht oder einer Überfunktion gegensteuert. Allerdings muss die Schwangerschaft gut kontrolliert werden. Professor Gärtner erklärt, dass regelmäßige Hormonchecks der Mutter Pflicht sind. Geht es der Mutter gut, ist auch das Kind gesund.

Noch nach der Geburt können Störungen an der Schilddrüse auftreten. Bis zu acht Prozent der Frauen erleiden eine dann eine Postpartum-Thyreoiditis. Die Entzündung der Schilddrüse führt entweder zu einer Überproduktion oder zu einem Hormonmangel – oder zu einem Wechsel beider Funktionsstörungen. Gärtner empfiehlt, dass Frauen mit Schilddrüsenproblemen nach der Geburt noch ein Jahr lang betreut werden.

 

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