Rückenschmerzen in der Schwangerschaft

Ächz. In der Schwangerschaft nimmt das Körpervolumen der werdenden Mutter um 30 Prozent zu – und das ist oft unangenehm. Mehr als ein Drittel aller Schwangeren leidet vor allem unter Rückenschmerzen und üblen Nackenverspannungen. Die besten Hilfe-Tipps…

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne – und jeder Schwangerschaft vorher leider einige Zipperlein. Am Anfang ist die Hormonumstellung oft sehr anstrengend. Müdigkeit und Übelkeit sind lästige Begleiter.
Ab der zweiten Schwangerschaftshälfte leiden Frauen dann häufig unter Kreuzbeschwerden. Auch starke Verspannungen im Nacken und Schmerzen im unteren Rückenbereich sind häufig. Gründe für diese Probleme: die Gewichtszunahme und Verlagerung des Körperschwerpunktes. Dadurch, dass der Bauch nach vorne wächst, nimmt die Schwangere eine veränderte Körperhaltung ein. Und diese strapaziert Bänder, Muskeln und auch die Wirbelsäule.
Je mehr das Kind wächst, desto enormer wird die mütterliche Leistung. Nur spezielle Beschaffenheit der weiblichen Wirbelsäule, die besonders flexibel ist, ermöglicht überhaupt, dass Schwangere die Schwerkraft austricksen können und trotz des stattlichen Babybauchs aufrecht gehen können und dabei das Gewicht vor dem Körper balancieren.
Doch das Baby braucht immer mehr Platz im Bauch und schiebt innere Organe beiseite. So werden mütterliche Nerven eingeengt und dies kann Ischiasschmerzen auslösen. In den letzten Schwangerschaftswochen nimmt auch die Brust noch einmal an Größe und Gewicht zu. Viele Frauen gleichen das unbewusst durch ein Hohlkreuz aus. Diese ungewohnte zusätzliche Last kompensieren werdende Mütter, indem sie die Schultern nach hinten ziehen und mit dem Oberkörper weiter ins Hohlkreuz fallen. „Dadurch verspannt sich nicht nur die Muskulatur im Schulterbereich, auch die Gefahr eines Bandscheibenvorfalles steigt deutlich an“, erklärt Dr. Reinhard Schneiderhan, Orthopäde aus München und Präsident der Deutschen Wirbelsäulenliga.
Am besten Vorbeugen
Idealerweise werden Rückenschmerzen verhindert, wenn werdende Mütter schon von Beginn an aktiv in der Schwangerschaft sind. Schonende Sportarten sind optimal dafür geeignet, den Körper auf die kommende Belastung vorzubereiten. Walken und Radfahren ist gut für die allgemeine Kondition, Schwimmen kräftigt die Muskulatur und Pilates verleiht eine gute Körperhaltung.
Auch sanfte Dehnübungen – die auch viele Hebammen bei Schwangerengymnastikkursen zeigen – haben sich bewährt, um die Muskulatur fit zu halten.
Sehr wichtig ist, dass Schwangere von Anfang an gut auf ihren Rücken achten. Der Rücken sollte möglichst viel entlastet werden, also nicht zu schwer heben und langes Stehen vermeiden. Möglichst barfuß Laufen (im Herbst und Winter in der Wohnung – dicke Socken dürfen auch sein) oder mit flachen Schuhen.
Wenn das Bücken schwer fällt, bewusst darauf achten, dass möglichst die Knie gebeugt werden – und nicht der Rücken. Und auch die eigene Körperhaltung beobachten, so lässt sich gerade ein Hohlkreuz vermeiden, wenn man gezielt das Becken kippt.
Manche Schwangere fühlen sich wie Prinzessinnen auf der Erbse. Sie können schlecht schlafen – und wählen die falschen Matratzen. Gerade wegen des erhöhten Gewichts ist es wichtig, dass eine nicht zu weiche Matratze benutzt wird. Auch eine angenehme Schlafposition ist gut für den Rücken: am besten zum Schlafen auf die Seite legen,  und sich mit kleinen Kissen unter dem Bauch oder dem Stillkissen im Rücken Entlastung schaffen.
Dehnungs- und Entspannungsübungen helfen sehr gut. Eine kleine Auswahl:
Bei Verspannung der Nackenmuskulatur: Sich mit geradem Rücken im Schneidersitz hinsetzen. Ein Handtuch in die rechte Hand nehmen und hinter dem Rücken das untere Ende des Tuches anfassen – und anspannen. Dann loslassen, kurz die Spannung fühlen, dann das Handtuch mit der linken Hand nehmen. Drei Mal wiederholen.
Dehnen der Schulter- und Brustmuskulatur: Seitlich an eine Wand stellen. Mit der linken Hand die Wand berühren und den Arm gerade strecken. Den Kopf in die andere Richtung drehen und die Spannung für eine Minute halten mit leichtem Druck. Mit der anderen Körperseite wiederholen.
Aktivierung der seitlichen Bauchmuskeln: Gerade stehen und einen Arm heben und über den Kopf zur anderen Körperhälfte dehnen. Dabei den Oberkörper mitnehmen.
Gegen das Hohlkreuz: Auf Knie und Hände stützen: einen Katzenbuckel machen und langsam mit dem Po wackeln – dabei sich vorstellen, das der Schwanz einer Katze kreist. Erst rechts, dann links herum
Bei Schmerzen unbedingt Unterstützung holen
Schwangere, die bereits unter Rückenproblemen leiden, sollten sich unbedingt bei einer Hebamme Rat holen oder den Frauenarzt darauf ansprechen. Da die Probleme viele verschiedene Ursachen haben, ist es wichtig individuell abzuklären, wie die Schmerzen gelindert werden können.
Hilfe bei Rückenschmerzen:
  • Gymnastik-Übungen oder schwimmen wunderbar helfen. Auch Akupunktur oder Massagen können entlasten
  • Auf ausgewogene Ernährung achten. Vor allem Kalzium oder Magnesiummangel können die Gelenke belasten
  • Aroma-Öle wie Jasmin, Mandarine, Rosmarin, Wacholder oder Calendula können angenehm sein
  • Wärmflasche, Kirschkernkissen, ein schönes Bad oder eine ausgiebige Dusche bringen wohlige entspannende Wärme
Schmerzen sollten auf jeden Fall ernst genommen werden, denn beispielsweise ein eingeklemmter Nerv kann ohne Unterstützung eines Arztes langfristig sehr viele Beschwerden bringen.
Und nicht vergessen : Auch nach der Geburt wird der Rücken reichlich beansprucht – nur bleibt dann leider oft nicht mehr die Zeit für wohlige Bäder oder schöne Massagen. Denn das zahnende schreiende Baby möchte getröstet und getragen werden…
Bild: © diego cervo – fotolia.de

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