Rosa Alpträume

Bei kleinen Mädchen ist alles rosa, flauschig, glitzernd und tuffig. Schrecklich, meint eine engagierte Mutter. Sie hat eine Anti-Rosa Kampagne ins Leben gerufen. Prinzessin, nein – danke?

Kleine Mädchen nehmen die Welt durch eine rosarote Brille wahr: Denn bei ihnen ist alles einfarbig. Rosa Strampler, rosa Teddys, rosa Bettwäsche, rosa Taschen. Die pinkfarbene Welt voller künstlicher Feen und Prinzessinen nervt die britische Filmproduzentin Abi Moore (38).
Rosa für Mädchen

Mädchen nur in rosa (Panthermedia Bild von Frenk and Danielle Kaufmann)

Sie hat eine Anti-Rosa Kampagne ins Leben gerufen. Das Motto: Pink stinks! Die zweifache Mutter möchte das Selbstwertgefühl von kleinen Mädchen stärken.  Denn die “Pinkifizierung”,  so Abi Moore ist eine Verkaufsmasche der Industrie, die schlimm ist. “Kleine Kinder werden auf eine Reise geschickt, die mit Pink und Prinzessinnen beginnt und mit einem Mangel an Selbstwertgefühl endet. Ihnen wird vorgegaukelt, dass sich das Leben nur um Schönheit, Ruhm und Reichtum dreht. Das schränkt die Mädchen in ihren Erwartungen und Wünschen ein.”
Abi Moore arbeitet heute für Amnesty International – gemeinsam mit ihrer Schwester Emma möchte sie mit der “Pink stinks” Kampagne Mädchen zeigen, dass es andere Vorbilder als Fußballer-Gattinnen oder Barbie gibt. Tolle Frauen engagieren sich auch im Berich Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft.
Natürlich haben die Schwestern recht. Aber ob ein Boykott von allem plüschig pinkfarbenen sinnvoll ist, so wie sie meinen? Abi Moore hat zwei Söhne – vermutlich wollen die gar keine Lilifee-Fahrräder. Denn die Industrie, die Befürfnisse schafft, ist die eine Seite der Medaille – die andere sind die kleinen Mädchen selbst. Sie lieben die schillernde leuchtende Plastikwelt.
Denn immerhin haben viele Mädchen eine Wahl. Sie dürfen braune Hosen tragen, Pirat spielen und Autos besitzen. Und kleine Jungen? Wer in den Klamottenläden in der Abteilung für den männlichen Nachwuchs guckt, wird schnell depressiv: braun, grau, schwarz, dunkelblau ab und zu ein keckes olivgrün. Bunte Regenbogenfarben? Die findet man gar nicht. Die Welt der angehenen Männer ist düster. Ein Junge, der Glitzer liebt und Prinz spielen will? Puppen mag? Soweit geht die Chancengleichheit dann doch nicht.
Kann Kinderkleidung nicht einfach bequem, praktisch und kindlich sein? Müssen Winzlinge wie Mini-Erwachsene ausstaffiert werden? Die Wahl liegt bei den Erwachsenen. Auch rosa Prinzessinnnen können selbstbewusst sein. Die neunjährige Tochter meiner Freundin verwandelte sich über Nacht. Ganz plötzlich war pink uncool und schlumpfige Beutelhosen waren angesagt.
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Finden Sie Rosa auch so schrecklich nervig? Wie sieht das Kinderzimmer ihrer Tochter aus? Wir sind neugierig.

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