Risikoschwangerschaften

Es klingt gefährlich, nach Blaulicht und Notoperation – dabei ist in Deutschland mittlerweile weit über die Hälfte aller Schwangerschaften eine Risikoschwangerschaft. Doch was genau bedeutet das für Mutter und Kind?

Risikoschwanger von Anfang an
Bei der Einstufung spielt das Alter der Schwangeren eine wichtige Rolle: Weil die Frauen tendenziell später Kinder bekommen, rutschen immer mehr Schwangere in die Kategorie „risikoschwanger, da über 35 Jahre alt“. Es kann jedoch sehr gut sein, dass während der gesamten Schwangerschaft einer über 35 Jährigen kein einziges medizinisches Problem auftaucht.
Generell bedeutet „risikoschwanger“, dass entweder Mutter oder Kind besondere Betreuung in der Schwangerschaft brauchen, um ihre Gesundheit zu gewährleisten. Wie gefährlich die Situation im Einzelnen ist, hängt von den körperlichen Grundvoraussetzungen ab, unter denen die Schwangerschaft beginnt:
Leidet die werdende Mutter unter Epilepsie, Diabetes, Stoffwechselkrankheiten, Gelenkentzündungen oder eine Bindegewebserkrankung, ist das Grundrisiko natürlich höher als das einer gesunden Frau. Chronische Schilddrüsenerkrankungen stellen in der Regel kein erhöhtes Risiko dar, weil sie sich medikamentös gut behandeln lassen.
Risikoschwangerschaften

Risikoschwangerschaften können viele Ursachen haben (© panthermedia.net Lucian Milasan)

Starke Raucherinnen und Frauen die übermässig viel Alkohol trinken, Tablettenabhängig sind  oder gar Drogen konsumieren, haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko für ernsthafte Schwierigkeiten in der Schwangerschaft. Es ist bewiesen, dass sie häufiger Fehl- und Totgeburten erleiden als (normal) gesund lebende Frauen.
Frauen, die Mehrlinge erwarten, werden automatisch als Risikoschwangere eingestuft und besonders engmaschig überwacht. Da die Zahl der Fruchtbarkeitsbehandlungen zunimmt und dadurch häufiger Zwillinge oder Drillinge entstehen als auf natürlichem Wege, trägt auch diese Gruppe wesentlich zur wachsenden Zahl der Risikoschwangeren bei.
Vielgebärende, also Frauen, die schon mehr als vier Kinder ausgetragen haben, sind hingegen auf dem Rückmarsch. Sie gelten ebenfalls als risikoschwanger wie Frauen, die schon mehr als zwei Fehlgeburten hatten. Und Komplikationen bei vorherigen Geburten führen auch dazu, dass eine Schwangere als gefährdet gilt.
Abgesehen von den rein körperlichen Gründen kann eine Schwangere, die unter extremem Stresssteht, auch als risikoschwanger eingestuft werden – z.B. bei existenziellen Geldsorgen, psychischen Problemen oder bei einer problematischen Beziehung zum Partner.Risikoschwanger durch Ereignisse in der Schwangerschaft

Es kann gut sein, dass sich zu Beginn der Schwangerschaft noch keine Schwierigkeiten abzeichneten. Und plötzlich passiert etwas Unvorhergesehenes, wie:
  • Schwangerschaftsdiabetes der Mutter
  • Schwangerschaftsbluthochdruck der Mutter
  • Das Baby wächst zu langsam oder zu schnell
  • Das Baby bewegt sich zu selten
  • Es wird eine Rhesus-Unverträglichkeit zwischen Blut der Mutter und des Babys festgetellt (nur möglich bei Müttern mit Blut der Gruppe Rhesus Negativ, ein Risiko besteht bei etwa jeder zehnten Schwangerschaft)
  • Gebärmutterhalsschwäche
  • Ungewöhnliche Lage des Babys in der Gebärmutter (z.B. Steißlage nach der 35. SSW)
  • Ungünstige Position der Plazenta (des Mutterkuchens) in der Gebärmutter
  • Niereninsuffizienz der Mutter
  • Veränderungen des Fruchtwassers oder zu geringe Fruchtwassermenge
  • Fruchtwasserverlust durch ein Leck in der Fruchtblase (Infektionsgefahr!)
  • Plötzliche Erkrankungen wie FSME durch einen Zeckenbiss oder jegliche andere ernsthafte Krankheit der werdenden Mutter
  • Blutgerinnungsstörungen
  • Vorzeitige Wehen
  • Plazentainsuffizienz (ungenügende Versorgung des Babys mit Nährstoffen)
Was passiert, wenn eine Risikoschwangerschaft festgestellt wird?
Das kommt ganz darauf an, was der Grund für diese Diagnose ist. Handelt es sich um die schlichte Tatsache, dass die werdende Mutter über 35 Jahre alt ist, passiert erst mal gar nichts. Vielleicht bestellt der Frauenarzt die Schwangere häufiger ein als nicht Risikoschwangere, er kann häufiger per Ultraschall oder CTG danach sehen, ob es dem Kind gut geht.
Bei chronischen Erkrankungen der Mutter wird diese oft schon im Vorfeld der Schwangerschaft intensiv beraten. Spezialisten für die jeweilige Krankheit arbeiten dann eng mit dem Gynäkologen zusammen, um für das Wohl von Mutter und Kind zu sorgen.
Treten plötzlich Umstände auf, die eine normale Schwangerschaft zu einer Risikoschwangerschaft werden lassen, hängt es ganz von der Gefährlichkeit dieser Umstände ab, welche Maßnahmen der Arzt ergreift. Generell wird er zur Besonnenheit raten und der Schwangeren empfehlen, ihn bei jeder Art von bedenklicher Veränderung zu informieren oder im Notfall das Krankenhaus aufzusuchen.

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