Ringelröteln – verkannte Gefahr?

Sehr rote Bäckchen kennzeichnen eine Krankheit, die bei Kindern recht harmlos ist: Ringelröteln. Doch die wenigstens wissen, dass eine Infektion mit dieser Krankheit für Schwangere gefährlich ist. Denn dem ungeborenen Kind droht Schaden. Welche Gefahr droht in welcher Schwangerschaftswoche?

Maike* war in der 20. Schwangerschaftswoche, als die Schule ihres siebenjährigen Sohnes anrief. Ob Sie die Klasse zu einem Ausflug begleiten könne? Für die Hausfrau kein Problem. Sie sagte gern zu.

Am Tag nach dem Schulausflug fühlte sie sich furchtbar müde und matt. Und sie hatte einen merkwürdigen roten Hautausschlag. Ina rief die Klassenlehrerin am Abend an. Fünf Kinder waren an Ringelröteln erkrankt. Ina selbst war sich nicht wirklich sicher, ob ihre Mattigkeit und die Gliederschmerzen daran lagen, doch schnell ging es ihr besser. Bis zur nächsten Untersuchung beim Frauenarzt.

Drei Wochen nach dem Vorfall hatte Ina einen ganz normalen Termin bei ihrem Frauenarzt. Doch das Ultraschallbild sah nicht gut aus, das Kind entwickelte sich nicht mehr richtig. Auch die Blutwerte waren schlecht – und zeigten, dass das Baby den Erreger Parvovirus B19 hatte. Der Arzt konnte Ina wenig Hoffnung machen, zehn Tage später hatte sie eine Fehlgeburt.

Als Kinderkrankheit sind Ringelröteln harmlos

Gegen Ringelröteln gibt es keinen Impfstoff. Am häufigsten betroffen sind Schul- und Kindergartenkinder, oft sogar von den Eltern unbemerkt. Der Erreger, das Parvovirus B19, ist nicht dem Rötelnvirus verwandt. Übertragen wird er durch Tröpfcheninfektion und über direkten Kontakt, etwa über die Hände. Die Inkubationszeit beträgt ein bis zwei Wochen. Typisches Krankheitszeichen ist ein Ausschlag, der im Gesicht schmetterlingsförmig, an den Armen und Beinen sowie am Körper girlandenförmig aussieht. Er tritt aber nur bei 15 bis 20 Prozent der Erkrankten auf. Auch grippeähnliche Beschwerden und leicht erhöhte Köpertemperatur können hinzukommen. Sehr oft verläuft die Erkrankung ganz ohne Symptome. Trotzdem sind Infizierte ansteckend.

Fatalerweise ist die Ansteckungsfähigkeit am höchsten, bevor sich die Symptome zeigen. Patienten mit dem Ausschlag nicht mehr ansteckend. Für Kinder verläuft die Krankheit meist sehr harmlos ohne weitere Folgen.

Anders sieht das bei Schwangeren aus. Wenn sich eine werdende Mutter infiziert, kann das bei dem ungeborenen Kind zu schweren Komplikationen und häufig zu Fehlgeburten führen.

Ringelröteln in der Schwangerschaft

Eine gute Nachricht: Die meisten Erwachsenen sind immun gegen Ringelröteln, da sie schon an als Kind, oft unbemerkt die Krankheit durchgemacht haben. Prof. Dr. Susanne Modrow, Leiterin des Konsilarlabors Parvoviren vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Universität Regensburg erklärt, dass man kann davon ausgehen könne, dass etwa 70 Prozent der Schwangeren vor einer Infektion mit Parvovirus B19 geschützt sind, da sie die Infektion bereits früher hatten.

Leider kann eine Infektion mit Ringelröteln in der Schwangerschaft schwerwiegende Folgen für das ungeborene Kind haben. Bei etwa 30 Prozent der infizierten Schwangeren wird das Virus über die Plazenta auf das Kind übertragen. Welche Auswirkung die Erkrankung auf das Kind hat, hängt vor allem vom Zeitpunkt der Erkrankung ab, so Prof. Dr. Modrow. „Bei einer Infektion bis etwa zur 8. Schwangerschaftswoche kommt es meist zu einer spontanen Fehlgeburt“, erklärt sie. „Besonders problematisch sind Infektionen der Schwangeren zwischen der 8. und 20. Schwangerschaftswoche.“ Meist zeigen sich erst vier bis zehn Wochen nach der Erkrankung der Mutter Komplikationen beim Kind. Dies können häufig Blutarmut oder Wassereinlagerungen in der Haut, aber auch im Brust- und Bauchbereich. Schätzungsweise kommt es jährlich zu 300 bis 500 Totgeburten aufgrund von Ringelröteln in der Schwangerschaft.

Prof. Dr. Modrow: „Anders als bei den Röteln kommt es bei den Kindern nicht zu angeborenen Schädigungen: Sie sterben entweder im Mutterleib oder sie kommen gesund zur Welt.“

Wenn Frauen nach der 20. Schwangerschaftswoche erkranken, brauchen sie kein Risiko mehr für ihr Kind zu fürchten.

Es gibt eine Therapie für ungeborene Kinder

Meist wird die Infektion erst bei einer Ultraschalluntersuchung im Rahmen der Vorsorge erkannt. In einigen Fällen sind die werdenden Mütter besorgt, weil sie wissen, dass sie keinen ausreichenden Immunschutz haben oder weil sie das Gefühl, haben, dass sich das Kind weniger bewegt. Mit Hilfe der Sonographie kann ein Frauenarzt erkennen, ob eine Blutarmut der Grund ist.

Bei Verdacht wird sofort ein Bluttest bei der Schwangeren durchführt (IgM-Antikörper und virale DNA im Serum), um abzuklären, ob eine akute Infektion mit dem Parvovirus B19 vorliegt. Auch beim Kind wird der Hämoglobin-Wert untersucht.

Wird die Infektion beim Kind rechtzeitig erkannt, kann über die Nabelschnurvene eine sofortige Bluttransfusion vorgenommen werden, so kann häufig das Kind gerettet werden und es wird gesund geboren.

Wie können sich Schwangere schützen?

Frauen mit Kinderwunsch sollten unbedingt ihren Immunstatus gegen Parvovirus B19 überprüfen lassen, vor allem, wenn sie Kontakt zu Klein- und Schulkindern haben. Der Test ist keine Kassenleistung, kann aber Gewissheit geben, denn mehr als zwei Drittel aller Schwangeren hat lebenslange Immunität

Schwangere Frauen, die keinen Schutz vor Ringelröteln haben, werden durch Beschäftigungsverbote besonders geschützt. Dies betrifft vor allem Lehrerinnen und Erzieherinnen. Tritt an ihrer Einrichtung eine Ringelrötel-Infektion auf, wird ein vorübergehendes bis drei Wochen nach dem letzten Erkrankungsfall dauerndes Beschäftigungsverbot verhängt. Da die Ringelröteln jedoch häufig ohne Krankheitszeichen verlaufen und daher gar nicht erkannt werden, empfehlen manche Bundesländer sogar ein Beschäftigungsverbot für die gesamte Dauer der Schwangerschaft. Betroffene sollten sich bei ihrem Frauenarzt genau erkundigen.

Häufig allerdings wird die Infektion durch eigene Kinder übertragen. Wenn eine Schwangere, vor allem in der 8. bis 20. Schwangerschaftswoche, Kontakt zu einem mit Ringelröteln Erkranktem hatte, sollte dies sofort Anlass für einen Bluttest beim Gynäkologen sein. Die Expertin Prof. Dr. Modrow beruhigt: „Auch, wenn man nicht weiß, ob man die Ringelröteln hatte, besteht kein Grund zur Panik, denn weit über 90 Prozent der akuten Infektionen in der Schwangerschaft verläuft unproblematisch. Und bei den übrigen Fällen gibt es die Möglichkeit einer Therapie beim ungeborenen Kind.“

Quelle: Deutsches Grünes Kreuz e.V.

* Name von der Redaktion geändert
Bild: © Brad Killer für istockphoto.com

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  • saSie

    Wenn Frauen nach der 20. Schwangerschaftswoche erkranken, brauchen sie kein Risiko mehr für ihr Kind zu fürchten.

    Nach dieser Aussage frage ich mich warum dann manche Bundesländer für die gesamte Schwangerschaft ein Beschäftigungsverbot empfehlen wenn doch angeblich kein Risko mehr vorhanden ist.