Ruhelose Beine in der Schwangerschaft

Aua, meine Beine. Jede vierte werdende Mutter hat im letzten SS-Drittel Probleme mit den Beinen. Kribbeln, Ziehen oder Brennen bereiten vor allem abends Probleme. Das unangenehme Empfinden verschwindet nur bei Bewegung. Was kann man gegen das „Restless-Legs-Syndrom“ tun?

Einfach mal entspannt eine kleine Pause auf dem Sofa machen und abends mit ein paar schönen Gedanken einschlafen? Wunderbare Vorstellung. Doch gut 25 Prozent aller Schwangeren können das leider nicht. Denn sobald sie sich hinlegen, beginnen ihre Beine zu brennen, kribbeln und zu ziehen. Das unangenehme Gefühl kommt tief aus den Muskeln und ist den Knochen der Beine (und manchmal auch der Arme) zu spüren. Nur Aufstehen und auf und ab gehen bringt Linderung.
Erschwerte Umstände
Viele Betroffene fühlen sich mit ihren Beschwerden nicht ernst genommen oder vermuten selbst, dass die Unruhe irgendwie eingebildet sei. Doch tatsächlich sind diese Beschwerden häufig – und nicht nur Schwangere leiden darunter. Experten gehen davon aus, dass in Deutschland acht Millionen Menschen unter dem „Restless-Legs-Syndrom“ (Syndrom der unruhigen Beine, RLS) leiden. Die chronisch verlaufende Erkrankung gilt als häufigstes neurologisches Leiden. Betroffen sind vor allem Schwangere und Ältere.
Leider bleibt es bei vielen RLS-Patienten nicht bei Einschlafstörungen. Viele werden auch im Schlaf von Muskelzuckungen geweckt. So kommen sie im Schlaf zu selten in den Tiefschlaf und haben unruhige Nächte. „Man ist mit solchen Schlafstörungen dann tagsüber ständig müde, hat Konzentrationsstörungen und ist auch viel weniger leistungsfähig“, erklärt Dr. Martin Konermann, Ärztlicher Direktor des Marienkrankenhauses in Kassel.
Nach der Geburt bessern sich die Symptome des RLS, oft verschwindet es auch vollständig. Etwa ein Drittel der betroffenen Frauen leidet auch in der nächsten Schwangerschaft unter den Beschwerden, oft sogar stärker. Auch mit zunehmendem Alter können die Problem wieder auftreten.
Die Ursachen sind noch nicht genau bekannt
Die genauen Ursachen von RLS sind noch immer nicht gänzlich erforscht. Es ist davon auszugehen, dass das Syndrom auf einem Defekt bei der Übertragung von Nervensignalen beruht.
Doch was bewirkt diesen Defekt? Mediziner der Universität München untersuchten betroffene Schwangere und konnten feststellen, dass RLS-Patientinnen auffällig hohe Werte des Geschlechtshormons Östradiol hatten. Neben hormonellen Ursachen gelten auch Eisenmangel und bestimmte Medikamente wie Antidepressiva als Auslöser. Tatsächlich gibt es auch familiäre Häufungen, sodass Experten davon ausgehen, dass eine vererbte Veranlagung das Syndrom fördert.
Kann man dem Restless-Legs-Syndrom vorbeugen?
Da die Ursachen noch nicht genau bekannt sind, ist es schwierig vorzubeugen. Frauen, die bereits in einer früheren Schwangerschaft unter den Symptomen litten oder von einer familiären Belastung wissen, können versuchen, stressreduzierende Entspannungstechniken wie Muskelentspannung und autogenes Training zu lernen.
Es empfiehlt sich auch, möglichst zu festen Zeiten den Tag anzufangen und zu beenden. „Schlafmittel sollten grundsätzlich während der Schwangerschaft gemieden werden“, so Dr. Klaus König, Vizepräsident des Berufsverbandes der Frauenärzte e. V. (BVF). „Übungen zur Muskelentspannung sind grundsätzlich vorteilhaft, denn sie dienen der mentalen Beruhigung und lindern gleichzeitig schwangerschaftsbedingte Beschwerden.“
Gerade Schwangere sollten darauf achten, genügend Magnesium und Eisen zu sich zu nehmen. Denn ein Mangel daran kann Wadenkrämpfe, aber eben auch RLS verursachen. „Eine Unterversorgung des Körpers mit Eisen kann vom Frauenarzt abgeklärt werden. Spezielle eisenhaltige Präparate können in so einem Fall Linderung verschaffen“, sagt Dr. König. „Gegen Krämpfe können Magnesiumpräparate verschrieben werden, die vor dem Zubettgehen eingenommen werden.“
Wie kann das Restless-Legs-Syndrom behandelt werden?
Die Betroffenen-Organisation „RLS e.V., die Deutsche Restless Legs Vereinigung“, rät zu verschiedenen Selbsthilfemöglichkeiten:
Tipps, wie Symptome gelindert werden können:
  • Massagen und Bürsten der Beine
  • Kalte Fußbäder
  • Ausdauersport wie Walking oder Radfahren
  • Entspannungstechniken wie Yoga oder Progressive Muskelentspannung
  • Verstärkende Faktoren wie Koffein und Stress vermeiden (gilt auch für Alkohol, aber auf den verzichten Schwangere ja bereits)
Auch wenn es medikamentöse Möglichkeiten gibt, RLS zu behandeln, entfallen diese für Schwangere, da sie das Ungeborene gefährden könnten. Einige Hebammen raten zu Akupunktur, homöopathischen Mitteln oder Schüssler Salzen.
Generell gilt: Wer unter hartnäckigen Schlafstörungen leidet, ist erschöpft und oft verzweifelt. Der Frauenarzt und die Hebamme können Tipps und Hilfe geben und sollten auf jeden Fall aufgesucht werden.
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  • Susanne

    Hallo!

    Weil ich so sehr gelitten habe, kann ich mit all den
    schwangeren Mädels mit RLS mitfühlen. Von daher verbreite ich meine kleine
    Geschichte dazu:

    Umso größer das Baby in meinem Bauch wurde, desto schlimmer
    wurden die unruhigen (zuckenden, aufwirbelnden) Beine. So schlimm, dass ich
    tagelang am Stück wach war, dass es im Laufen weiterkribbelte, dass es bis in
    die Arme ging, ich geweint und geschrien habe, weil ich es einfach nicht mehr
    ausgehalten habe… Ich war nervlich total am Ende… Schlimm…

    Kalt abduschen, bewegen: half nicht. Akupunktur: half nicht.
    Extraportion Magnesium: Half nicht. Massage: Wehe mein Mann hat mich
    angefasst!!!

    Dann fand ich heraus, dass mein Eisenwert zwar ok ist, aber
    meine Eisenspeicher leer sind. (Blut von der Hebamme testen lassen)
    Extraportion Eisen und ich schlafe wie ein Baby ( ;

    Zwei/Drei Tage nach der ersten Einnahme fühle ich nur noch,
    wie die Beine manchmal beginnen wollen loszukribbeln… aber sie machen es
    nicht. Es wird auch immer weniger… Puh!

    Ich kann schlafen!

    (Ferritin ist ein Eiweiß, das Eisen speichert,
    und der empfindlichste Messwert, um einen Eisenmangel festzustellen. Ein Abfall
    des Ferritinwerts kann bereits einen Eisenmangel anzeigen, bevor sich eine
    Blutarmut (Anämie) ausbildet. Ein Eisenmangel kann durch Eisenpräparate
    ausgeglichen werden.)

    Beste Grüße, Susanne

    • Alexandra

      Liebe Susanne!

      Dein Beitrag ist zwar schon lange her aber vielleicht liest du es ja doch noch!

      Ich habe das gleiche Problem! Habe bereits alles versucht und auch kein Arzt könnte mir helfen! Bin zwar schon in Ssw 35 aber 5 Wochen können ganz schön lange werden wenn man nachts kein Auge zumacht.(aber was erzähl ich dir!)
      In der ersten ss hatte ich das auch schon!

      Jetzt nehme ich das selber in die Hand und habe mir heute Eisen Tabletten und Vitamin b12 in hoher Dosis gekauft!
      Wenn es nur ein bisschen wirkt bin ich schon froh!

      Hast du damals ein spezielles eisenpräperat genommen?
      Meines hat nur 80mg und ich überlege die doppelte Dosis zu nehmen, da es sich gerade noch nicht nach Besserung anfühlt – zum Abend hin kann ich nicht mal mehr mit meinem Mann auf der Couch sitzen!

      alles liebe Alexandra

  • Mama0713

    Heute genau 2 1/2 jahre später habe ich es immernoch es ist so furchtbar hatte so gehofft das es nach der schwangerschaft weg geht