Pokémon Go – das sollten Eltern über den neuen Trend wissen

Die Welt ist voller kleiner Monster. Das ahnen Eltern. Aber nun sind nicht nur Kinder, sondern auch virtuelle Mini-Monster unterwegs, die Dank der App Pokémon Go gejagt werden können. Was sollten Eltern über diesen Trend wissen?

“Ich habe eins!” schreit ein Junge. Er blickt starr auf das Smartphone in seiner Hand. “Und hast du endlich Habitak?” fragt sein Freund. Ob am Rhein, an der Weser oder auf der Schultoilette – begeistert wird nach kleinen Monstern gesucht. Pokémon Go ist eine kostenlose Smartphone-App,  die weltweit Kinder, Jugendliche und Erwachsene fasziniert.

Wo sind die Monster? (c) Thinkstock

Wo sind die Monster? (c) Thinkstock

Worum geht es bei der App?

Der Begriff Pokémon setzt sich aus den Wörtern Pocket und Monster zusammen. Entwickelt wurden die Taschenmonster vor 20 Jahren in Japan und eroberten in Computerspielen und als Tauschkarten die Welt. Lange war es ruhig um die kleinen Wesen geblieben, doch nun sind sie als virtuelle Wesen zurück gekehrt. “Bisaflor, Glurak, Turtok, Pikachu und viele andere Pokémon wurden auf dem Planeten Erde entdeckt! Nun hast du die Möglichkeit, die Pokémon überall in deiner Umgebung zu finden und zu fangen – also zieh dir die Schuhe an, geh nach draußen und erkunde die Welt”, schreibt der Hersteller Niantic, Inc. auf seine Website. Und genau das machen Kinder mit riesiger Begeisterung.

Wieso wird die App draußen gespielt?

Wer die App installiert hat, blickt auf sein Smartphone und sieht den Strand vor sich. Aber nicht nur. Denn die Entwickler haben echte Geodaten verwendet und dort virtuelle Bilder versteckt. Der Smartphonbildschirm zeigt also nicht nur den Strand oder das Denkmal vor dem man steht, sondern virtuelle Monster, Bälle, Eier und Kampfarenen. Besonders viele Monster sind bei sogenannten Pokéstops – das können Denkmäler, Sehenswürdigkeiten oder auch Inschriften sein – versteckt. Darum versuchen Spieler hier besonders gern ihr Glück dort. Vor allem aber hat die App einen großen Vorteil: Sie lockt auch hartnäckige Stubenhocker, die am liebsten Wii oder Smartphone-Spiele spielen an die frische Luft. Einige Monster mögen sich auch in Autos oder Wohnungen verstecken, die meisten aber leben im Freien und das ist das Faszinierende an dem Spiel.

Da ist ein Monster! (c) Niantic, Inc.
Da ist ein Monster! (c) Niantic, Inc.

Und was, wenn ein Pokémon zu sehen ist?

Taucht so ein Monster auf dem Display auf, versucht der Spieler es mit einem gezielten Wurf eines Balles einzufangen. Es gibt insgesamt 151 Monster die gesammelt werden können.Welche Pokémon in der Umgebung auftauchen wird von der App nach dem Zufallsprinzi bestimmt. Ein wenig Übung ist für das Einfangen nötig, um den Ballwurf hinzubekommen. Der Finger muss auf dem Ball sein – einfach üben.

 

Eine kleines Monster mehr für die Sammlung (c) Niantic, Inc.

Eine kleines Monster mehr für die Sammlung (c) Niantic, Inc.

 Wie teuer ist der Spaß?

Pokémon Go ist eine App, die auf Android und iOS gratis heruntergeladen werden kann. Aber ganz kostenfrei ist das Ganze nicht. Die App nutzt das Datenvolume und das kann sehr schnell alle sein, denn gerade Kinder und Jugendlich haben oft kein umfangreiches Paket gebucht. Soll mehr gespielt werden, entstehen also höhere Handykosten. Zusätzlich verbraucht die App einiges an Strom, wer also wirklich eine längere Jagd im Freien plant, sollte eine Powerbank oder einen Extraakku dabei haben.

Uneigennützig sind die Hersteller auch nicht. Schon jetzt werden  so genannte PokéMünzen angeboten. 100 Münzen kosten 0.99 Eur. Mit Hilfe dieser Münzen können die Anwender zusätzliche Kräfte erstehen, leichter  Pokémons finden oder sich Fußwege ersparen.  Für fast 40 Euro kann auch jetzt schon das Armband Pokémon GO Plus bestellt werden – lieferbar ist es allerdings erst im August. Es wird sicher nicht die einzige kostenpflichtige Zusatzoption bleiben.

Was sollten Eltern bedenken?

Jüngere Kinder können gemeinsam mit ihren Eltern auf Monsterjagd gehen und so kann der Familienspaziergang plötzlich eine ganz neue Dynamik bekommen. Das kann Spaß machen. Sollte aber nicht zur Routine werden. Gerade Grundschulkinder möchten die App auch allein ausprobieren. Hier sollten Eltern allerdings aufmerksam sein – soll das Kind wirklich allein mit einem Smartphone unterwegs sein? Die App funktioniert nur auf neueren Geräten, also am besten auf Mamas oder Papas tragbaren Teilchen. Wenn die Technik kein Problem ist, stellen sich noch andere Fragen: wo genau ist das Kind unterwegs? Und mit wem? Wichtig ist auch, dass die Kinder – wenn sie ohne Erwachsenen unterwegs sind – trotz der Aufregung Pikachu & Co. zu fangen auf den Straßenverkehr achtet.

Kinder auf Monsterjagd nicht allein lassen (c) Thinkstock

Kinder auf Monsterjagd nicht allein lassen (c) Thinkstock

Es empfiehlt sich ein paar Regeln zu vereinbaren:
  • Beim Pokémon Go spielen immer auf den Verkehr achten
  • Rücksicht auf andere nehmen – viele kennen das Spiel nicht
  • Das Gerät in die Hosentasche packen, wenn Straßen überquert werden
  • Nie im Dunklen spielen
  • Nicht allein unterwegs sein, am besten in Gruppen
  • Nur ein bestimmte vereinbarte Geldsumme für Extras ausgeben
  • Nicht auf Privatgrundstücke gehen

Ist Pokémon Go gefährlich?

Erste besorgte Stimmen werden laut – gefährdet die App Kinder? Spielt sie nicht mit einer Illusion der Wirklichkeit und macht damit die Wahrnehmung kaputt? Noch ist gibt es Pokémon erst seit kurzer Zeit. Sehr wahrscheinlich wird die Begeisterung auch wieder sinken, viele, auch viele Erwachsene, sind einfach neugierig und gucken sich die kleinen Monster an. Bei einigen werden da auch Erinnerungen an die eigene Kindheit wach. Verspielte Väter düsen begeistert mit ihrem Nachwuchs durch Parks und wühlen in alten Kisten auf der Suche nach ihren alten Pokémonkarten. Das kann Spaß machen. Auch für Kinder. Einige mögen auch das Spielen in der Gruppe gern und entdecken so tatsächlich neue Freude an der frischen Luft.

Verteufelt werden sollte die App nicht, sie ist nur ein Werkzeug. Es liegt ja auch an Eltern, ob sie ihrem Kind Geld und Datenvolumen zur Verfügung stellen. Ob das Kind alleine mit einem relativ teuren Smartphone auf Monsterjagd sein sollte? Nein – auf keinen Fall. Unbedingt sollten Kinder in einer Gruppe bleiben oder von wenigstens einem Erwachsenen begleitet werden. Unsicher ist nämlich nicht die App, sondern andere Gefahren, die sehr begeisterungsfähigen Kindern drohen. Wie sich der Hype um die App entwickelt, müssen wir beobachten. Nicht jedes Kind hat Lust die App auszuprobieren. Wird es Gruppendruck geben? Wer werden die Außenseiter? Die Spieler oder die Kinder die noch gar kein Handy haben? Noch ist es zu früh ein Fazit zu ziehen. Uns gefällt aber ein Fundstück der Bloggerin Patricia Cammarata:

Wer wirklich verstehen will, was Kinder an der App begeistert, dem bleibt nur eines. Ausprobieren. Wir sind schon gespannt auf die ersten Berichte!

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