Osteopathie bei Babys

Sanftes Heilen durch gezielten Druck mit den Händen – das ist das Marken- zeichen der Osteopathie. Mit „Hand- auflegen“ oder Quacksalbertum hat das nichts zu tun, denn ein guter Osteopath hat 5 Jahre Ausbildung hinter sich.

Ausgebildete Osteopathen warnen vor den sogenannten „Wochenendkurs-Osteopathen“: Denn Osteopath ist in Deutschland kein geschützter Begriff, und so darf sich jeder, der eine Fortbildung in diesem Bereich gemacht hat, Osteopath nennen – ähnlich wie beim Heilpraktiker.
 
Nicht jeder Osteopath behandelt Kinder und Babys, sagt die erfahrene und bestens ausgebildete Osteopathin Bettina Ritter aus Konstanz. Sie rät, sich beim Kinderarzt schlau zu machen, welcher Osteopath geeignet sein könne. Oft kommen die kleinen Patienten sowieso per Privatüberweisung durch den Kinderarzt auf die Liege der Osteopathen, denn weder gesetzliche noch private Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Behandlung (45 Minuten circa 35-50 €). Viele Osteopathen sind auch ausgebildete Physiotherapeuten, die nur auf Überweisung vom Arzt hin tätig werden dürfen. Einige Osteopathen haben auch eine Prüfung als Heilpraktiker vom Gesundheitsamt absolviert – sie dürfen ohne Überweisung behandeln. Und Osteopathen, die ausgebildete Ärzte sind, brauchen natürlich auch kein Rezept.
 
Bei welchen Beschwerden kann eine osteopathische Behandlung speziell kleinen Kindern und Säuglingen helfen? Es sind überraschend viele, und diese Liste ließe sich noch um etliche Indikationen erweitern (siehe dazu den Buchtipp unten):
 
  • KISS (stark umstritten, eine Kopfgelenk-induzierte Symmetriestörung als Folge der Geburt)
  • Koliken und Verdauungsbeschwerden
  • Schreikindern
  • Neurodermitis
  • Schlafstörungen
  • Hüftdysplasie
  • Heufschnupfen
  • Allergien
  • Atemwegserkrankungen
  • Fieberkrämfen

 

Wie sieht eine Osteopathische Behandlung aus, und wie kann es sein, dass sie gegen so viele Dinge hilft? Der Grundansatz dieser Heilmethode ist es, den Körper ganzheitlich zu sehen.
 
Deswegen stellt ein Osteopath beim ersten Termin recht viele Fragen, insbesondere nach dem Verlauf der Geburt und der Schwangerschaft. Denn laut Osteopathie kann z.B. eine sehr rasche Geburt für starken Druck auf den Körper des Babys ausgeübt haben und für Verspannungen oder andere körperliche Schwierigkeiten sorgen.
 
Der Osteopath vertraut auf die Fähigkeit zur Selbstregulierung des Körpers, die er mit gezielten Handgriffen aktiviert. Vorher tastet er den Körper ab und sucht nach Verspannungen und schaut sich auch an, wie ein Baby auf bestimmte Bewegungsabläufe reagiert.
 
Für das Baby sind die sanften Griffe, mit denen die Behandlung erfolgt, durchweg angenehm – Quälerei ist eine osteopathische Sitzung auf keinen Fall, selbst wenn der Säugling ab und zu das Gesichtchen verzieht, weil z.B. eine verkrampfte Stelle im Rückenbereich gezielten Druck erfährt. Es gibt sogar Babys, die während der Behandlung einschlafen, weil sie nahezu „Wellness“-Charakter hat.
 
Weil die Wirksamkeit dieser alternativmedizinischen Methode wissenschaftlich nicht bewiesen ist, bleiben die Erklärungen über das Wie und Warum recht vage. Andererseits kann man sich auch auf den Standpunkt „Wer heilt, hat Recht“ stellen – selbst wenn Zweifler an der Osteopathie behaupten, die beobachteten Heilungserfolge seinen auf den Placeboeffekt zurückzuführen. 
 
Anhänger der Osteopathie hingegen sagen, dass gestörte Bewegungsabläufte für das Entstehen von Krankheiten und Beschwerden verantwortlich seien. Wie bei einem kompliziertem Uhrwerk funktioniere das Gesamte nur, wenn alle kleinen Einheiten fehlerfrei zusammenarbeiteten, so die Annahme der Osteopathie.
 
Eine ganz wichtige Rolle spielen dabei nicht nur Verspannungen und Fehlhaltungen, sondern auch der Blutfluss und die Lymphen, die durch den Osteopathen gezielt stimuliert werden. Es ist also nicht so, dass der Osteopath eine Art „anderer Orthopäde“ ist, wie landläufig gerne angenommen wird. Er ist eher ein Alternativmediziner mit tastenden und regulierenden Händen und sehr viel Fingerspitzengefühl. Und das ist eben schwer zu beschreiben….
 
Linktipp: Verband der Osteopathen Deutschland e.V. (Achtung: Einige hervorragende Osteopathen sind nicht Mitglied dieser Vereinigung, weil sie die hohen Mitgliedsbeiträge nicht für gerechtfertigt halten. Dass ein Osteopath hier nicht gelistet ist, bedeutet also nicht, dass er unqualifiziert ist!)
 
 

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