Oma-Typologie

Vor ein paar Jahrzehnten war alles noch so einfach:  Großmütter trugen ihr Haar im Knoten, strickten und passten auf die Enkel auf. Und heute? Heute gibt es sehr viele verschiedene Oma-Typen. Wie ist Ihre Mutter drauf, und wie klappt das mit den Enkelkindern?

Bei Heidi und Rotkäppchen trugen Großmütter gedeckte Farben, das Haar zum Knoten und waren die guten Seelen. Sie waren alt, körperlich ein wenig angeschlagen und immer da, wenn man sie brauchte.
 
Und die moderne Oma von heute? Die steht meist noch mitten im Leben und hat oft gar keine Lust plötzlich wieder viel Zeit mit kleinen Kindern zu verbringen. Einige arbeiten noch, andere lieben ihre Ruhe oder sind ständig auf Reisen. Und dann sind da auch noch diejenigen, die sich in Vereinen oder Kirchengemeinden sehr aktiv engagieren. Selten war die Generation 50plus so aktiv, so unabhängig und auch so gänzlich unterschiedlich.
 
Natürlich gibt es auch Großmütter, die trotz aller Aktivitäten wunderbar Geschichten lesen können, Tag und Nacht für die Enkelkinder da sind und die besten Kekse der Welt backen. Nur dem Klischee von der Märchenoma mit dem schlohweißen Dutt, dem mag kaum noch jemand entsprechen. Denn die Oma 2010 lebt höchst selten im Altenteil.
 
Weil Eltern und  Großeltern heute nicht mehr auf einander angewiesen sind, ist es nicht mehr selbstverständlich, dass Enkel ein enges Verhältnis zu Oma und Opa haben. Nicht immer ist die räumliche Entfernung das Problem, manchmal ist es eine Frage der Zeit und der Prioritäten.
 
Mit bestimmten Oma-Typen ist es aber auch nicht immer einfach. Doch mit ein wenig Schmunzeln und guten Nerven können Eltern dazu beitragen, dass Kinder gern bei ihren Omis sind. Vielleicht hilft ja unser Überblick?
 
Kleine Oma-Typologie:
Die Feldwebel-Oma: Auf sie kann man sich verlassen. Wenn sie ihren Besuch angkündigt, dann kommt sie – und wehe, es hören nicht alle auf ihr Kommando. Sie sorgt für Ordnung, organisiert lässig sämtliche Abläufe in der Familie neu und gestaltet noch rasch die Einrichtung um.
Was Kinder an ihr lieben:  Sie ist zuverlässig, kann wunderbar und stundenlang vorlesen und lässt sich vom Wetter gar nichts vorschreiben – sie harrt eisern auf Spielplätzen aus.
Eltern schätzen an ihr: Auf diese Oma kann man in Krisenzeiten bauen. Wichtig: planen Sie die Besuche möglichst, dann werden sie auch nicht stressig. Sollte Oma zu sehr das Ruder an sich reißen, sollte man es ihr sanft und bestimmt wieder abnehmen. Wer sie stets walten und schalten lässt ohne Gegenwind wird mit Sicherheit irgendwann sehr genervt sein.
 
Die aktive Oma: Zwischen 14 und 16 Uhr in drei Wochen hat sie Zeit. Oder? Sie zückt rasch ihren Filofax. Die aktive Oma hat einen vollen Stundenplan: VHS-Kurse, Sportverein, Theaterabo und einen neuen Freund, denn beim Tanztee kennen gelernt hat.
Was Kinder an ihr lieben: Die aktive Oma ist ein Wirbelwind und hat immer gute Ideen, sie besucht mit den Enkel den Zoo, macht witzige Ausflüge und ist für jeden Spaß zu haben – wenn sie Zeit hat.
Eltern schätzen an ihr: Sie mischt sich nie ein und hat nur Tipps, wenn sie um Rat gefragt wird. Die aktive Oma liebt das Leben und ihre Enkel, man muss sie nur rechtzeitig einplanen, damit sie sich auch wirklich Zeit nimmt. Eine gute Idee ist ein gemeinsamer Urlaub: Oma kann mit den Kindern endlich viel unternehmen und die Eltern können sich entspannen.
 
Die Besserwisser-Oma: Sie interessiert sich sehr für ihre Kinder und Enkel. Die Besserwisser-Oma fragt viele Fragen – und erklärt dann der Familie, wie alle Probleme gelöst werden sollten. Hätte man sie nur vorher gefragt, dann gäbe es nie Stillprobleme oder hartnäckige Windelträger. Und überhaupt früher, da…
Was Kinder an ihr lieben: Sie hat viele Geschichten zu erzählen und macht damit Geschichte lebendig. Allerdings besteht auch bei Kindern die Tendenz, von einer Besserwisser-Oma mit zunehmenden Alter sehr genervt zu sein.
Eltern schätzen an ihr: Sie interessiert sich wirklich. Nur ihre ewigen, oft ungebetenen, Ratschläge nerven. Hier muss im Notfall eine Bremse gezogen werden, denn sonst hören diese Tipps nie auf. Sie gelegentlich um Rat zu bitten, ist hilfreich, aber eben nur gelegentlich. 
 
Die Kuschel-Oma: In ihrem Haus riecht es immer nach Plätzchen. Sie liebt es, für die Kinder und Enkel zu backen und zu kochen, zu kuscheln und zu spielen. Irgendwie ist alles bei ihr warm und gemütlich. Sie selbst auch. Über Besuch ist sie stets glücklich, sie hat allerdings oft keine Lust, selbst zu den Enkeln zu fahren.
Was Kinder an ihr lieben:  Bei ihr fühlen sich die Kinder geliebt und geborgen. Mit der Kuschel-Oma kann man sich gegen den Rest der Welt verschwören und leckere Naschereien gibt es auch immer.
Eltern schätzen an ihr: Vor allem Väter lieben die gute Küche ebenfalls. Und ein Stück Kindheit findet sich bei der Kuschel-Oma auch. Nur gelegentlich sollte man versuchen, sie auch zu motivieren nicht zu bequem zu sein.
 
Die Ego-Oma: Sie sieht sich stets im Mittelpunkt und ist empört, wenn sie sich missachtet fühlt. Das Enkelkind ist weinerlich und nörgelig? Die Ego-Oma bezieht so ein Verhalten rasch auf sich und fühlt sich abgelehnt. Generell erwartet sie viel und immer latent vorwurfsvoll. Wäre ja schön, wenn öfter Besuch käme, es nicht das falsche Gemüse gäbe oder wenn die Enkel ein wenig höflicher wären.
Was Kinder an ihr lieben:  Sie möchte so gern im Vordergrund stehen, dass sie meist besonders großzügige Geschenke mitbringt.
Eltern schätzen an ihr: Auch wenn Eltern die Ego-Oma eigentlich mögen, es ist gar nicht möglich, ihren Erwartungen zu entsprechen. Daher wird es ohne offene Worte immer weniger Kontakte geben, denn auf Dauer stören die ewigen Vorwürfe.
 
Die Opfer-Oma: Ist immer zur Stelle wenn sie gebraucht wird. Das Enkelkind hat Fieber? Sie fährt sofort in die Notapotheke und lässt die teuren Konzertkarten verfallen. Natürlich passt sie auch abends gern auf die Kleinen auf – allerdings nicht ohne klar zu stellen, wie anstrengend so eine Aufgabe ist. Wenn sie einhütet, putzt und bügelt sie und hebt generell Dinge hoch, die viel zu schwer sind. Sie klagt viel und möchte trotzdem nie irgendwelche Geschenke („Ach, ich brauche nichts. Ihr benötigt das Geld dringender.“)
Was Kinder an Ihr lieben: Auch wenn sie murrt, sie ist immer da. Sie hat zwar oft nicht so viel Zeit zum Spielen, weil sie ja auch den Haushalt reinigen will, aber sie lässt sich gelegentlich zum Vorlesen überreden.
Eltern schätzen an ihr: Man kann sich auf sie verlassen. Und ihre Lamentos ignorieren. Denn sie unterstützt die Familie ja wirklich nach Kräften. Aber manchmal sollte man sie einfach verwöhnen oder sie überreden, doch einen eigenen Wunsch zu äußern. Damit kann sie vielleicht auch mit dem Klagen aufhören.
 
Die Öko-Oma: Na klar dürfen die Enkel bei ihr an der Wand malen. Lärm ist auch klasse. Denn wild und witzig sollen Kinder sein. Sie schleppt haufenweise ökologische Dinkelkekse und anderes gesundes Zeug an, kennt sich aus mit selbstgemachten Brei und hat ihre Kinder bis ins Vorschulalter gestillt, naja fast. Die Öko-Oma hält nichts von Computerspielen, Fernsehen oder von Wegwerfwindeln. Feuchttücher sind in ihrem Haus verboten. Sie kauft für die Enkeltochter coole Autos und kleine Puppen für den Enkelsohn und Lederhosen für beide, damit sie besser auf Bäume klettern können.
Was Kinder an ihr lieben: Bei ihr und mit ihr darf laut und wild gespielt und getobt werden. Diese Oma meckert nie über Lärm oder Dreck. Mit ihr kann die Natur erforscht werden und sie ist an vielem interessiert. Nur ihr Essen schmeckt oft seltsam.
Eltern schätzen an ihr: Sie ist aufgeschlossen und lässt sich oft auch von Neuerungen überzeugen. Immerhin gibt es ja auch Öko-Wegwerfwindeln. Da ja mindestens eines der Elternteile in einem Kinderladen war, sind die Eltern ja auch vorgewarnt. Auch dieser Oma müssen gelegentlich die Grenzen gesteckt werden, dann kann das Leben mit ihr toll sein.
 
Das Omi:  Sie ist ein bisschen geschlechtsneutral, weil sie sich selbst schon lange nicht mehr als Frau sieht, sondern nur als Mami – und nun auch als Omi. Sie lebt nur für ihre Familie und hat schon vor der Geburt des Enkelkindes wie wild Erziehungsbücher gelesen. Endlich kann sie vor ihren Freundinnen auch mit Enkeln angeben! Sie kümmert sich gern und ausgiebig um die Enkel und das am liebsten rund um die Uhr.
Was Kinder an ihr lieben: Das Omi ist einfach warm und kuschelig, ruhiger und gelassener als eine Mami und als Kind muss man so eine Omi einfach gern haben.
Eltern schätzen an ihr: Ein Omi ist immer da. Das kann wunderbar sein. Es kann auch sehr anstrengend sein, vor allem wenn die Mutter der Enkel berufstätig ist und überhaupt so gar nicht Omis Bild von einer Mami entspricht. Hier sind gute Absprachen besonders wichtig.
 
 
   
© Franz Metelec – Fotolia.com
 
Möchten Sie die Oma-Typologie noch ergänzen? Wir sind gespannt auf Ihre Ideen und auch auf Ihre Erfahrungen mit den Großmütter  von heute. 

, , , ,

  • Marion

    Wie wäre es denn mit der Oma, die gar kein Bock mehr auf Kinder hat, auch nicht auf die Enkelkinder?