Nordseeglück in Neuharlingersiel – Urlaub im DJH-Resort

Eine Mehrgenerationen-Reise an die Küste? Redakteurin Silke R. Plagge besuchte mit Mutter und Kindern die neue Club-Jugendherberge. Sechs Tage mit vielen Entscheidungen, Volker Rosin und Kapitän Kluntje.

„Was man all so erlebt hat, an einem einzigen Tag. Was man all so gesehn hat – oh man, dass ist schon echt stark…“ – das Lied „Der Tag geht zu Ende“ von Volker Rosin beschallt den Raum, sieben Kinder schunkeln und die Eltern gucken zu, leicht benebelt von der Musikbeschallung. Die Betreuerin Daniela ist als Indianerin verkleidet. Klar, heute war ja auch Indiandertag bei den Kindern. Eben noch hopsten sie begeistert herum, im Gesicht noch aufgemalte Kriegsbemalung, jetzt klingt mit dem ruhigen Lied nicht nur der Tag aus, sondern auch unser Kurzurlaub im DJH-Resort Neuharlingersiel.

Das DJH-Resort Neuharlingersiel von oben © DJH-Resort

Das DJH-Resort Neuharlingersiel von oben © DJH-Resort

Sechs Tage lang war unsere kleine Mehrgenerations-Reisegruppe in dem neuen Haus des Deutschen Jugendherbergwerkes (DJH). Eine Jugendherberge oder ein all-inklusiv Cluburlaub? Sind das nicht zwei völlig verschiedene Dinge? Wird es Hagebuttentee und durchgelegene Betten geben oder penetrante Rund-um-Animation wie auf Malle?, fragten wir Erwachsenen uns vorher. Lina und Lasse waren gespannt auf die Kinderbetreuung, die mitreisende Oma Lotte (69) freute sich auf die Zeit mit Tochter und Enkelkinder und die Mutter (44) fand die Idee, im Urlaub kulinarisch verwöhnt zu werden, genauso interessant wie das vielfältige Angebot für Alt und Jung.

Das Konzept des DJH-Resort ist ganz neu – die Anlage an der ostfriesischen Küste ist weltweit die erste Club-Jugendherberge. Im Frühjahr 2013 wurde eröffnet, nach einer kurzem Planungs- und Bauphase. „Wir hatten die einmalige Möglichkeit eine ehemalige Reha-Klinik  an der Nordsee zu übernehmen“, sagt Oliver Engelhardt, der in der Aufbauphase Projektleiter in Neuharlingersiel war und nun für den gesamten Nordwesten das Marketing des DJH verantwortet. Und er ergänzt: „Die Anlage bot die ideale Möglichkeiten,  die Annehmlichkeiten eines Ferienclubs mit dem bildungsorientierten Programm einer Jugendherberge zu kombinieren. Das passte einfach perfekt.“

Blauer Himmel, norddeutsche Weite - das DJH-Resort © S. Plagge

Blauer Himmel, norddeutsche Weite – das DJH-Resort © S. Plagge

Als wir am Montag mit dem Bus ankommen, vom Bahnhof in Esens eine Fahrt von etwa dreißig Minuten, sehen wir das backsteinfarbene Hauptgebäude von Weitem. „Da haben Sie sich aber eine der tollsten Unterkünfte im Norden ausgesucht“, sagt der Busfahrer und lächelt freundlich. Die Sonne wärmt, obwohl es März ist, der Himmel ist tiefblau und die Luft schmeckt salzig. Die Kinder möchten am liebsten sofort das Gelände inspizieren. Keine leichte Aufgabe, immerhin umfasst das Areal des Resorts rund 30 000 Quadratmeter. Die  zwölf Gebäude wurden für rund 6, 5 Millionen Euro liebevoll umgebaut und den Bedürfnissen von Urlaubern angepasst. Etwa 400 Gäste können sich jetzt hier gleichzeitig erholen. Relikte aus der Zeit als Reha-Kur sind noch zu sehen, beispielsweise das ehemalige Labor, dass zum „Wattlabor“ umgewandelt wurde. Heute forschen hier Kinder und neugierige Erwachsene und beobachten Meeresbewohner unter den Mikroskopen.

Es gibt ein „Kinnerhus“, in dem das Kinderprogramm stattfindet, eine „School of Rock“ für Teenager, sechs einzelne Familienbungalows, ein Haus mit Doppelzimmern und das Appartmenthaus Sielgucker. Das Teehaus ist ein modernes Glasgebäude und schmiegt sich direkt an das historisch anmutende Seecafé mit seiner alt-friesischen Fassade an. Hier sind auch ein Biergarten und eine Kaminlounge.

©S.Plagge

Wegweiser  im Resort, die Kaminlounge, das Teehaus und das Seecafé  ©S.Plagge

Schnell finden wir den Haupteingang des Haupthauses und melden uns an. Die Eingangslobby und blauen Uniformen des Personals erinnern an ein schickes Hotel. Wir werden freundlich willkommen geheißen, leider sei unser Appartment noch nicht fertig. Ob wir einen Tee wollten? All-inklusiv bedeutet, dass wir jederzeit Tee, Wasser, Säfte und Limo trinken können.  Eine quirlige Frau mit kurzen blonden Haaren hört das Stichwort. „Ihr kommt doch morgen zur Teezeremonie?“ fragt sie. Marion ist waschechte Ostfriesin und im Resort nicht nur für die orginal friesische Zeremonie des Teetrinkes zuständig, sondern auch für die Sportangebote. Wir vier werfen einen neugierigen Blick in das Programm. Jeden Tag gibt es Sportangebote und ein Kinderprogramm. Nicht nur die Kleine auch die Erwachsenen können Kurse wie „Wattforschen“, „Filzen“ oder einen Stadtrundgang machen.

Im Haupthaus sind 78 Familienappartments, als wir unser Zimmer betreten, fällt uns sofort das frische Design auf. Ein Kinderzimmer, ein Bad und ein großzügiges Elternschlafzimmer wirken heimelig. Die Betten sind bezogen, im Bad hängen frische Handtücher. Der Unterschied zum Hotel? Es gibt keine tägliche Reinigung des Raumes, aber uns stört das gar nicht. Während Oma und Mama die Klamotten in die Schränke räumen, möchte die Jüngsten unbedingt gleich weiter alles erkunden.  Das Meer ist nur einen knappen Kilometer entfernt, noch ein Abstecher an den Strand? Oder lieber erst das Freigelände erkunden, die Spielplätze, den Slackline-Parcour oder den Kanuanleger?

Einblick in die Familien-Appartments. Links das Kinderzimmer, in der Mitte das Schlafzimmer und rechts der Eingangsbereich ©S.Plagge, DJH-Resort

Einblick in die Familien-Appartments. Links das Kinderzimmer, in der Mitte das Schlafzimmer und rechts der Eingangsbereich ©S.Plagge, DJH-Resort

Wir entscheiden uns dafür, zuerst das Haupthaus zu erkunden. Es gibt ein Fernsehzimmer, einen Sport- und Fitnessbereich, eine Sauna, eine Bibliothek, Billardtische und Airhocky.  Und zwei Spielzimmer, die vor allem für die ganz Kleinen gedacht sind. Mit Bällebad und Bobbycars. Liebevoll und durchdacht wirkt alles. Jugendherberge? Dafür typisch ist vielleicht der Waschmaschinenraum. Ziemlich praktisch, für wenig Geld kann die Wäsche selbst gereinigt werden. Hätte ich das gewusst, wären die Koffer leerer gewesen.

Und dann geht es ins „Kinnerhus“, es steht für alle Kinder am Vormittag und am Nachmittag offen. Kinder ab drei Jahren werden hier täglich fünf Stunden  – mit einer Mittagspause – betreut. Im Sommer, wenn das Resort rund 400 Gäste hat, wird das Haus sicher sehr gut besucht sein. Jetzt, wo nur das Bundesland Hamburg Ferien hat, sind es wenig Kinder im Kinderhaus, dort können sie basteln, haben einen Sport- und Toberaum, Spiele, Bau- und Rückzugsmöglichkeiten. Das Programm ist in der Hochsaison nach Altersgruppen geordnet, jetzt in der Nebensaison gibt es Angebote für alle Kinder – es sind immerhin einige Kindergartenkinder und auch eine handvoll Schulkinder in dieser Woche hier. Ein Highlight ist die tägliche Kinderdisko – jetzt im März in der Kaminlounge. „Kapitän Kluntje kommt auch“, sagt Daniela, eine junge Betreuerin, die mit für das Kinderprogramm zuständig ist. Daniela lernen wir an unserem zweiten Ferientag kennen. Wir machen nämlich einen Führung durch die Anlage.

Bogenschießen, Spielen im Kinnerhaus, Lesen und ein Blick aufs Büffet © DJH-Resort

Bogenschießen, Spielen im Kinnerhaus, Lesen und ein Blick aufs Büffet © S.Plagge /  DJH-Resort

An den nächsten Tagen müssen wir ständig wählen. Es gibt so vieles zu erleben! Oma Lotte überlegt, ob sie vielleicht den neuseeländischen Tanz Aroha lernen soll. Oder doch Wirbelsäulengymnastik oder Filzen? Sie entscheidet sich für ein Sonnenbad in der Frühlingssonne im Strandkorb. Wir besichtigen den kleinen Fischerort Neuharlingersiel und verbringen einen Nachmittag – trotz Sonnenschein – im Erlebnisbad mit Riesenrutsche im benachbartem Bensersiel. Die Kinder forschen begeistert im Wattlabor und sind jeden Tag gespannt auf das Programm. Nach der Kinderdisco könnten wir auch am Abendquiz oder beim Bingo mitmachen. Wir entscheiden uns für Spielrunden im eigenen Appartment.

Es gibt so viele Möglichkeiten, gemeinsam etwas zu erleben – und doch hat jeder von uns vieren Zeit für sich. Keine „Rundum- Bespaßung“, der Schwerpunkt sind eigene und gemeinsame Aktivitäten. Wer mag, bleibt auf dem Gelände des DJH-Resort und ruht sich einfach aus, so machen es einige Familien. Wir haben auch Lust die Gegend zu erkunden. Ein Ausflug zur Insel Spierkoog? Oder eine lange Wattwanderung  – immerhin ist das Wattenmeer ja UNESCO-Weltnaturerbe? Es gibt im Resort einen Fahrradverleih und wir entscheiden uns für eine Tour. Gute 20 Kilometer radelen wir vorbei an der Waterkant, sehen den blauen Horizont am Meer und den grünen der Wiesen. In Esens bestaunen wir die alte Windmühle und auf Neuharlingersiel noch einmal die Fischerkutter. An diesem Tag lassen wir sogar eine Mahlzeit aus und nehmen ein Lunch-Paket mit.

Die Radtour an der Küste - über 20 Kilometer quer durch Ostfriesland © S. Plagge

Die Radtour an der Küste – über 20 Kilometer quer durch Ostfriesland © S. Plagge

Die Mahlzeiten stellen tatsächlich eine Herausforderung dar. Es gibt Morgens, Mittag und abends ein Büffet. Praktisch, denn so können die Kinder wählen und finden immer etwas das schmeckt. Leider bin ich ganz schnell satt, auch wenn ich noch viel mehr probieren möchte.Vor allem der „Mittags-Snake“, wie der Erstklässler immer sagt, beeindruckt. Denn statt der erwarteten kleinen Snacks warten verschiedene warme Speisen und Salate auf uns. Am Abend steht das Essen immer unter einem anderen Motto. Mal italienisch, mal friesisch und auch „Veggie“ an einem Tag. An dem Tag bedienen sich auch viele Erwachsene am Kinderbüffet und schmausen Grießbrei, dabei sind auch die diversen anderen Gerichte lecker. Und natürlich trinken wir viel Tee. Es gibt viele Sorten zur Auswahl. Hagebutte ist auch dabei.

Kluntje? Klar, der kommt in den Tee. Aber in Neuharlingersiel ist das auch der Name des Maskottchens. Ein Piratenseebär, in den sich der 7jährige verliebt. Im Kinderhaus werden von Geschichten erzählt und manchmal ist auch Piratentag. In unserer Urlaubswoche standen allerdings die Indianer auf dem Programm. Mit Schminken, Tipibau, Geschichten, selbstgemachten Schmuck und einer abenteuerlichen Schatzsuche. Auf diesen Tag hatten sich die Kinder schon vom ersten Urlaubstag gefreut.

Kinderprogamm - Forschen im Wattlabor, Bällebad mit Käpt'n Kluntje und Kinderdisko © DJH-Resort, S.Plagge

Kinderprogamm – Forschen im Wattlabor, Bällebad mit Käpt’n Kluntje und Kinderdisko © DJH-Resort, S.Plagge

Auch wir Erwachsenen hatten etwas vor. „Fit in den Urlaub“ mit Marion in der Sporthalle für mich, ein Meerespeeling für meine Mutter in der „Wellness-Insel“. Auch ich ließ mich später hier von Ines Schönbohm verwöhnen. Die Heilprakterin bietet im Resort verschiedene Behandlungen und ein wunderbares Verwöhnprogamm an. Auch Massagen für verspannte Mütter wie mich. Während der Behandlung höre ich, wie die ausgelassenen Indianer laut auf Schatzsuche sind. Am Abend war dann zum letzten Mal für uns Kinderdisco. Und die Kinder waren traurig. „Viel zu kurz“, meinte die 9jährige. „Wir müssen hier wieder her kommen. Ganz viel haben wir doch noch gar nicht gemacht.“ Genau, wir wollten doch noch eines der Kreativangebote nutzen, Musik machen, die Sonnenliegen, das Fitnessstudio und die Sauna testen.

Was wir mitnehmen? Auf jeden Fall einen Ohrwurm. Denn die 9-jährige wird noch Wochen später jeden Abend das „Lied vom zu Ende gehenden Tag“ singen. Auf ihre Kopfkissen sitzt nun ein kleines Kuschelschaf mit dem Namen Hein Klug und auf dem ihres Bruders sitzt ein kleiner Piratenbär namens Kapitän Kluntje.

Das DJH-Resort hat Anreisetage am Montag und Freitag. Eine Reise von Montag bis Freitag im Appartment für 4 Personen kostet – all-inklusiv – je nach Saison ab 784 Euro. Kinder bis drei Jahren reisen kostenlos und können auch mit ihren Eltern im Doppelzimmer (ab 424 Euro für 4 Nächte) im Kinderbett schlafen. Mehr Informationen unter www.djh-resort.de.

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