Behandlung von Neurodermitis

Die Behandlung von Neurodermitis ist schwierig, weil die unterschiedlichen Auslöser und Hauttypen kein einheitliches Therapieschema zulassen. Basis der Therapie ist die Hautpflege.

Für die Einteilung der Behandlung orientiert man sich an einem Stufenprogramm. Je höher die Stufe, desto schlechter der Zustand.
1. Stufe:

Cremen und Salben (z.B. Ultrabas/Ultrasicc) mit einer fettigen Grundlage für die tägliche Basispflege der Haut, diese Salben dienen der Basispflege und enthalten im Prinzip kein Medikament. Auch bei im Intervall schöner Haut sollte weiter gecremt werden.
2. Stufe:

Salben mit einer speziellen Fettgrundlage (z.B. Nachtkerzenölsalbe oder Mandelölsalbe) bei sehr trockener und rissiger Haut mit Rötungen, eventuell auch feuchte Umschläge bei nässender Haut.
3. Stufe:

Cortisonfreie entzündungshemmende Salben bei stärkerem Juckreiz und beginnenden Schüben. Folgende Präparate sind erhältlich:
Bufexamac (Parfenac®) wird in der Behandlung von lokalen Entzündungen verwendet. Die Wirkung ist entzündungshemmend, aber nicht so stark wie Cortison, dafür ist Bufexamac gut verträglich. Bei leichteren bis mittleren Schüben gut einsetzbar.
Die Pflanze Cardiospermum hat eine cortisonähnliche Wirkung und lindert den Juckreiz. Es sind keine wesentlichen Nebenwirkungen bekannt.
Farbstoffe: Verschiedene medizinische Farbstoffe können bei Neurodermitis und auch bei Hautinfektionen eingesetzt werden. Der Nachteil ist, daß die Haut entsprechend gefärbt wird.
Harnstoff
Harnstoffhaltigen Cremes helfen in der Behandlung trockener Haut; sie  verbessern die Fähigkeit der Haut, Wasser zu binden, lindern den Juckreiz  und sind gut verträglich. Der Einsatz von Harnstoff hat aber nichts mit der Gabe von Eigenurin zu tun.
Linderung bei Neurodermitis

Behandlung bei Neurodermitis (© panthermedia.net, Christian Müringer)

Ichthyol
Ichthyol besteht aus Schwefelsalzen und wird aus Schieferöl gewonnen. Es wirkt sowohl juckreizstillend als auch entzündungshemmend, riecht aber nach Teer.

Tacrolimus bzw. Pimecrolimus
Tacrolimus (Protopic ®) bzw. Pimecrolimus (Elidel ®) sind Substanzen, die vom Pilz Streptomyces produziert werden und seit kurzem für die Behandlung erhältlich sind. Beim Auftragen brennt die Haut kurz, danach verschwindet jedoch der Juckreiz.
Erste europäische Studien zeigen, dass bei Patienten mit mittlerer bis schwerer Neurodermitis bereits innerhalb von 3 Tagen signifikante Verbesserungen zu verzeichnen sind. Am Ende einer dreiwöchigen Behandlung konnte im Mittel eine Verbesserung der Hautzustände um bis zu 83 % erreicht werden. Tacrolimus war gut verträglich, und vor allem ein cortisonsparender Effekt ist zu erwarten.
4. Stufe

 

Cortisonsalben (z.B. Advantan ®) bei akuten Entzündungen, sie sollte gering dosiert und so kurz wie möglich eingesetzt werden. Cortison ist im akuten Stadium der Erkrankung ein wichtiges Therapeutikum, da es rasch die Entzündung hemmt, allerdings sind die eventuellen Nebenwirkungen zu beachten. Cortison kann nur die ablaufende Entzündungsreaktion beeinflussen, nicht aber den Auslöser bekämpfen, wie zum Beispiel eine allergische Reaktion oder psychischen Stress.
Nebenwirkungen (vor allem älterer Präparate) sind: Eine Verdünnung der Haut, eine Erweiterung der kleinen Blutgefässe, eine Verstärkung des Haarwachstums, eine Veränderung der Verteilung des Fettgewebes und erhöhte Infektionsanfälligkeit.
Die neuen Salben sind aber gut verträglich. Studien haben ergeben, dass etwa 100 Gramm cortisonhaltige Salbe (Klasse 1) im Jahr unbedenklich aufgetragen werden können. Wenn Sie zeitweise Cortisonsalben verwenden müssen, sollten Sie einen Kalender über die Häufigkeit der Anwendung führen.
Juckreiz stillende Medikamente
Vor allem abends kann die  Verwendung von Antihistaminika als Tropfen (z.B. Fenistil®) den Juckreiz lindern.
Phytotherapie
Bei der Phytotherapie werden pflanzliche Extrakte als Medikament, Umschlag, Tee oder Diät angewendet.
Nachtkerzen- und Borretschsamenöl
Natürliche Gamma-Linolensäure ist in hohen Konzentrationen zum Beispiel in Nachtkerzen- oder Borretschsamenöl enthalten. Besonders im frühen Kindesalter spielt es in der Hautpflege eine große Rolle. Gamma-Linolensäure kann auch in Form von Kapseln eingenommen werden.
Eichen- und Buchenrinde
Die Extrakte der Rinde von Eiche und Buche hemmen Entzündungen und lindern sie den Juckreiz. Ausserdem werden Infektionen mit Hautbakterien besser vermieden.
Ringelblume
Die Blüten von Ringelblumen wirken entzündungshemmend, allerdings kommt es nicht selten zu allergischen Reaktionen.
Schwarzer Tee
Schwarzer Tee enthält Gerbstoffe, kann das Eindringen von Bakterien in die Haut vermindern und hilft auch bei Juckreiz gut (kalt!).
Teer
Teer ist eine sehr komplexe Natursubstanz und ein  gutes Mittel in der Behandlung der Neurodermitis. Teer hemmt Entzündungen und verhindert Verdickungen der Haut, stört aber durch Geruch, Farbe und Verfärbung der Wäsche.
Murmeltierfett und Nerzöl
Murmeltierfett enthält natürliches Cortison, so daß es bereits nach einer einwöchigen Behandlung zu einer Verdünnung der Haut kommen kann. Aus diesem Grund ist es nicht ungefährlich.
Alternative Therapien
Es werden zahlreiche alternativmedizinische Maßnahmen angeboten, die man ergänzend einsetzen kann. Allerdings sollte man auch der Alternativmedizin genauso kritisch wie der Schulmedizin gegenüberstehen und bei ausbleibendem Erfolg die Behandlung überdenken. Im Folgenden ein kurzer Überblick über häufig angewandte Therapien:

Akupunktur

Die Wirkungsweise der Akupunktur beruht darauf, dass die oberflächlichen Körperschichten wie Haut und Muskulatur mit den inneren Organen in Beziehung stehen. Mit dünnen Nadeln werden die Akupunkturpunkte gestochen und damit die den Hautstellen zugeordneten Organe beeinflusst, „der freie Fluss der Lebenskraft wieder hergestellt“. Bisher gibt es keine wissenschaftliche Untersuchung, die einen Hinweis auf die Wirksamkeit bei Neurodermitis im Kindesalter hätte zeigen können, allerdings sind gibt es dokumentierte Berichte über deutlich gebesserte Einzelfälle.

Homöopathie

Die Homöopathie beruht auf der Annahme, dass sich Krankheiten heilen lassen, wenn dem kranken Organismus in ganz geringen Mengen die Stoffe zugeführt werden, die in einer höheren Dosierung beim Gesunden ähnliche Symptome hervorrufen (Ähnliches mit Ähnlichem heilen).
In der klassischen Homöopathie sind bereits zahlreiche Studien durchgeführt worden, die bei einer zusammenfassenden Bewertung (Meta-Analyse) eher positive als negative Ergebnisse zeigten. Hömöopathie ist eine gute Ergänzung einer umfassenden Neurodermitistherapie.
Symbioselenkung
In der Therapie durch Symbioselenkung wird davon ausgegangen, dass im Darm eines Patienten mit Neurodermitis eine Überwucherung mit Pilzen oder Bakterien vorliegt. Eine Veränderung der Darmbesiedlung mit für den Patienten günstigen Keimen soll die Neurodermitis kurieren; diese Theorie konnte aber in der Praxis nicht bestätigt werden.
Urintherapie
Die Verwendung von Eigenurin findet auch in der Neurodermitis-Behandlung Verwendung, um die Abwehrreaktionen des Körpers zu stärken und den Harnstoffanteil zu erhöhen. Der Nachweis, dass Eigenurin innerlich angewendet das Immunsystem des Körpers stärkt, fehlt aber völlig.
Elektroakupunktur nach Voll
Im Körper kommt ständig zu sehr kleinen elektrischen Spannungsänderungen, die an der Körperoberfläche gemessen werden können. Bei der Elektroakupunkur hält der Patient eine Elektrode, während mit einer zweiten Elektrode die Akupunkturpunkte stimuliert werden. Eine Wirkung dieses Verfahrens konnte nicht belegt werden.
Kinesiologie
Die Kinesiologie basiert auf der Vorstellung, dass Störungen im Energiefluss des Körpers (z.B. durch Allergene) zu Veränderungen in der Muskelspannung führen können. Es gibt aber oft keine Übereinstimmungen solcher „Allergietests“ mit den Beschwerden des Patienten.
Bioresonanztherapie
Die Bioresonanztherapie unterscheidet im Menschen zwischen gesunden und kranken Schwingungen, wobei ein eigenes Gerät die krankhaften Schwingungen löschen soll. Oft zeigen verschiedene Untersucher aber auch verschiedene Resultate an. Erfolge gab es nur in Einzelfällen. In der Therapie der Neurodermitis spielt Biorsonanz keine ernstzunehmende Rolle.
Psychische Aspekte
Verschlechterungen der Haut können in Phasen psychischer Belastung gehäuft auftreten, aber auch die Neurodermitis selbst bringt Belastungen mit sich, da die Kinder die Erfahrung machen, dass die Berührung der Haut schmerzhaft sein kann.
Kinder, die früh Neurodermitis entwickeln, drücken Gefühle wie Traurigkeit oder Schmerz oft durch Beschäftigung mit der Haut aus. Auch die mit der relativ aufwendigen Pflege des Kindes verbundene Belastung der Eltern spielt eine große Rolle. Neurodermitispatienten haben aber keine „besondere Persönlichkeitsstruktur“, welche die Krankheit begünstigt. An Neurodermitis erkrankte Kinder sind genauso intelligent wie Kinder mit gesunder Haut, sie werden eher als besonders aufmerksam beschrieben.
Die Zusammenhänge zwischen Psyche und Haut sollte man im Einzelfall mit einem Kinderpsychologen besprechen.

© www.kinderarzt.at by Dr. Peter VoitlDr. Peter Voitl

 

 

 

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