Nestbautrieb in der Schwangerschaft

Das Baby soll es schön haben, und sein Zimmer einzurichten macht Spaß: Die Vorfreude aufs Kind sorgt für Nestbautrieb. Aber mitunter kann so ein Nesttrieb reichlich anstrengend werden. Und beim Renovieren ist auch Vorsicht geboten…

Manchmal fängt es ganz harmlos an. Ein niedliches Mobile hängt im Spielzeugladen. Das muss einfach mit! Und sofort aufgehängt werden! Ein bisschen dekorieren und das Heim schön machen wollen für den Nachwuchs gehört in der Schwangerschaft dazu. Tatsächlich gibt es sogar Forschungen, die bestätigen, dass fast alle Schwangeren ab dem 5. Monat einen so genannten „Nestbautrieb“ haben.

Eigentlich sind wir dann dem Tierreich doch näher, als wir eigentlich wahrhaben wollen. Denn eine gute Glucke bereitet ihr Nest eben für ihre Kücken vor. In der Schwangerschaft nimmt das Bedürfnis, das Heim wohlig zu gestalten, bei fast allen Frauen zu.

Ziemlich überraschend kann dieses Bedürfniss aber auch anstrengend werden. Judith (26) hat das so erlebt: „Putzen war mir nie sonderlich wichtig. Aber ganz plötzlich, ich war etwa in der 16. Schwangerschaftswoche, ging es los. Mich störte jeder Fussel. Ich saugte jeden Abend, fegte die Decken auf der Suche nach Spinnenweben ab und entdeckte Dreck in allen möglichen Ecken, die mir bisher nie aufgefallen waren. Irgendwie war es mir wichtig, dass alles sauber ist für das Baby.“

Auch Susanne (31) hatte das Gefühl, alles für das Kleine ordentlich vorbereiten zu wollen. „Es fing mit einem Hausputz an, dann habe ich alle Regale durchgeräumt und die Wäsche sortiert. Zum ersten Mal in meinem Leben bügelte ich Handtücher. Und haufenweise Babysachen. Dann mistete ich alle Schränke aus und warf ganz viel weg. Ich konnte den Anblick bestimmer Wäsche einfach nicht ertragen.“

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Manche Nester werden in der Schwangerschaft erst bezogen
Nicht jede Schwangere ergreift der Nestbautrieb, doch einige nehme es sogar ganz besonders wörtlich. Denn viele werdenden Eltern haben zunächst noch gar kein Babyzimmer, sondern ziehen erst noch in ein neues Heim. Umzugsstress und die Lust auf Renovieren gehen dann Hand in Hand. Aber Frauen, die zusätzlich von einem besonders ausgeprägten Nesttrieb geplagt sind, können vom Neugestalten nicht genug bekommen. Melanie: „Mein Mann hatte gerade alle Wände in der neuen Wohnung gestrichen. Da fand ich diese super niedliche Lampe. Und ich wollte unbedingt, dass wir das Kinderzimmer noch mal in einer anderen Farbe streichen. Als mein Mann das erst nicht wollte, bekam ich einen Heulkrampf. Total untypisch für mich.“

Voller positiver Energie?
Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Bedürfnis das Nest zu richten, tatsächlich instinktiv und hormonell bedingt ist. Nach dem ersten Schwangerschaftsdrittel geht es den meisten werdenden Müttern wieder gut und sie sind voller postiver Energie. Da macht es einfach auch Spaß, das Kinderzimmer einzurichten, Babysachen zurechtzulegen und alles für die Geburt vorzubereiten.

Wird aus der fröhlichen Energie allerdings ein belastender Putzfimmel, sollte die Bremse gezogen werden. Werdende Mütter, die das Gefühl haben, dass sie nie zur Ruhe kommen, weil sie ständig aufräumen müssen und dies als unangenehmen Zwang erleben, sollte Arzt oder Hebamme darauf ansprechen. Mit Sicherheit lässt sich gemeinsam Entlastung finden.

Vor der Geburt wird alles generall überholt
Kurz vor dem Entbindungstermin packt fast jede Frau eine Art Endspurt-Panik. Die Kliniktasche wird immer wieder neu gepackt, das Kinderzimmer ein bisschen umgeräumt, die kleinen Strampler alle noch einmal gewaschen. Kleiderschränke, Schreibtische – alles wird generall überholt. „Ich hatte das Gefühl, dass erst alles wirklich fertig sein muss, bevor das Baby kommen kann,“ erzählt Susanne.

Gefährlich ist so ein Nestbautrieb nicht. Trotzdem sollten Schwangere aufpassen, dass sie sich nicht übernehmen, genügend Pausen einlegen und regelmäßig essen.

Vorsicht ist geboten beim…

  • Streichen:  Viele Farben enthalten Stoffe, die Schwangere nicht einatmen sollten und die das Baby belasten. Lasssen Sie lieber andere den Pinsel schwingen!
  • Gartengestalten: Wer im Beet buddelt könnte auch den Kot von Nachbars Katze versehentlich aufwühlen. Generell bei Gartenarbeiten Handschuhe tragen, um nicht mit Toxoplasmose-Erregern in Kontakt zu kommen
  • Heben: Immer daran denken, nicht zu schwer zu tragen oder zu heben. Auch wenn es „nur mal eben“ zu sein scheint.
  • Putzen: Einige Putzmittel wie Teppichreiniger oder Backofenspray können gefährliche Dämpfe haben. Achten Sie darauf, nur Mittel zu verwenden, die lösungsmittelfrei sind. Auch scharfe Reiniger und Desinfektionsmittel sollten nach Möglichkeit vermieden werden, denn der übermäßige Gebrauch in der Schwangerschaft wird mit Allergien und Asthmaleiden bei Kindern in Verbindung gebracht.

Wenn das Essen für mehrere Wochen vorgekocht, alle Schränke aufgeräumt und auch das letzte Taschentuch gebügelt ist, dann kann die Geburt wirklich losgehen. Und keine Angst, egal ob der Nestbautrieb nur leicht war oder in einen Putzfimmel ausartete, später können die meisten Mütter darüber lachen. Denn soviel Zeit haben sie meist nie wieder – jedenfalls nicht für Putzen oder Bügeln. Oder gibt es jemanden, der ernsthaft Babybodys bügelt, wenn mindestens sechs davon täglich in der Wäsche landen?

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Bild: © martintu – fotolia.de

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