Alles Liebe zum Muttertag!

Am zweiten Sonntag im Mai ist Muttertag. Für Babymamas stellt sich die Frage: Darf ich überhaupt etwas erwarten? Redakteurin Silke Plagge macht sich Gedanken über einen eigentlich unsinnigen Tag, Krümel im Bett, zerdrückte Blumen und merkwürdige Geschenke. Und ganz viel über Kinderliebe. Und wie ist das bei Ihnen?

Muttertag. Ganz klar, das ist Konsumterror der Industrie. Erfunden, damit der Umsatz steigt und von den Nationalsozialisten in Deutschland eingeführt. Meine Großmutter weigerte sich, diesen Tag zur Kenntnis zu nehmen. Und auch meine eigene Mutter lehnte diesen Tag ab. Eigentlich. Denn sie war doch enttäuscht, wenn kein gedeckter Frühstückstisch mit Blumenstrauß auf sie wartete.

Tatsächlich gibt es den Muttertag schon seit 1922 in Deutschland, er feiert also bald Jubiläum. Und eingeführt hat ihn wirklich der Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde der Muttertag zum offiziellen Feiertag erklärt, später wurden an diesem Tag die Mutterkreuze verliehen. Die Haltung meiner Oma ist also schon verständlich.

Den Muttertag feiern?

Alles Liebe zum Muttertag (© Creatas Images)

Alles Liebe zum Muttertag (© Creatas Images)

Als ich von zu Hause auszog, war es vorbei mit dem Frühstück. Und Blumen brachte ich eher bei Besuchen mit. Jahrelang nahm ich den Muttertag absolut nicht wahr.

Und dann war ich plötzlich selbst Mutter. Und meine vier Monate alte Tochter machte mir tatsächlich ein Muttertagsgeschenk! Denn zum ersten Mal in ihrem Leben schlief sie sechs Stunden im Stück. Ich schlief bis 9 Uhr und konnte mein Glück kaum fassen. Von meinem Mann erhielt ich auch ein Geschenk: einen eher etwas zerdrückt aussehenden Blumenstrauß von der Tankstelle. „Ich dachte, wo du doch jetzt Mutter bist, freust du dich.“

Ehrlich gesagt fand ich das irgendwie rührend. Aber eher unnötig. Es erinnerte mich an einen alten Witz. „Ach Mutti, am Muttertag brauchst du doch nicht in der Küche zu stehen. Ich bringe dir einen Stuhl.“ Muttersein war noch so neu. Aber die Mutterrolle aus der Werbung, die allzeit um Kragenschmutz besorgte Vollzeithausfrau, nein, damit wollte ich nichts zu tun haben. An einem Tag im Jahr bringt Vati Blumen, ansonsten erfüllt die Frau ihre Pflicht. Nein, mein Mann meinte es nicht böse. Aber wahrscheinlich setzte sich bei mir ein Oma-Anteil durch, der so einen Tag ablehnt.

Ich erklärte also meinem Mann, dass ich lieber schöne Sträuße mehrmals am Jahr bekomme, als nur einen einzigen Tag. Seine Antwort: „Aber am Vatertag bekomme ich schon etwas, oder?“ Aha. Das war es also. Tatsächlich gab ich ihm einen gerahmten Kinderhandabdruck zu seinem zweiten Vatertag. Am ersten Vatertag bekam er das erste Ultraschallbild.

Ohne Geschenke geht es wohl gar nicht

Mein Mann hielt sich am nächsten Muttertag an meine Kritik. Ich bekam gar nichts von ihm. Aber meine Tochter scheint ein Faible für diesen Tag zu haben. Oder wird das arme Kind einfach dazu gezwungen?

Denn in jedem Jahr bekomme ich von ihr Geschenke. Zunächst bei der Tagesmutter gebastelt, mittlerweile im Kindergarten. Mein erstes gebasteltes Muttertagsgeschenk war eine Pappe, die mit Körnern und Bohnen beklebt war. Sie wurde mir stolz ans Bett gebracht – und ich fand noch Tage später irgendwelche Krümel, die aus dem Kunstwerk gerieselt waren.

Später folgten Bilder, zerquetschte selbstgepflückte Blumen, bemalte Moosgummi-Herzen, einen im Kindergarten hergestelltes Parfüm und im letzten Jahr zwei Stückchen Seife. Denn mein Sohn wird von den Erzieherinnen ebenfalls zum Basteln genötigt.

Seit zwei Jahren bestehen die Kinder auch darauf, den Frühstückstisch für mich zu decken. Weil sie so aufgeregt sind, wecken sie mich dann ganz besonders früh.

Den Muttertag kann ich nicht abschaffen

Wenn ich ehrlich sein soll: Die Geschenke begeistern mich wenig. Denn es sind ja keine eigenen Ideen meiner Kleinen, sondern die der Erzieherinnen. Und für den Muttertag wird eben gebastelt. Basta.

Natürlich gäbe es die Möglichkeit, den Muttertag abzuschaffen. Ich könnte ja der Familie verkünden, dass ich das nicht möchte. Denn ohne Hilfe des Vaters wären die Kinder noch gar nicht in der Lage, ein Frühstück zu zubereiten.

Aber ich kann das Fest nicht abschaffen. Denn es gibt etwas, dass mich daran hindert. Und etwas, das wirklich das größte und wunderbarste Geschenk in meinem Leben ist. Die Liebe meiner Kinder! Denn wenn ich in ihre aufgeregten Gesichter gucke, merke ich, dass sie mir mit diesen Geschenken wirklich eine Freude machen möchten.

Mit krakeligen ersten Buchstaben schrieb meine Tochter im letzten Jahr: „ICH HAB MAMA LIEB“ mit vielen Herzen. Und einem Bild von sich und mir dazu. Da war sie fünf. Und mein Sohn hatte extra schöne Steine für mich gesammelt. Verschwitze Kinderhände zerquetschen zwar Blumen, aber irgendwie sind solche Gesten kombiniert mit strahlenden Augen auch rührend.

Muttertag - Mutter mit Sohn

(© Thinkstock)

Und so werden wir weiterhin Muttertag feiern. Mein vierjähriger Sohn hat zwar schon verraten, was in diesem Jahr im Kindergarten gebastelt wird, aber ich werde mich trotzdem freuen. Und eine größere Kiste für Selbstgebasteltes anschaffen.

Wie ist das bei Ihnen? Möchten Sie den Muttertag feiern? Erwarten Sie Geschenke? Oder finden Sie den Tag eher lästig?

, , , , , ,