Mutterpass feiert Jubiläum

Mutterpass? Den gibt’s in den meisten Ländern gar nicht! Bei uns ist er nach dem Reisepass und dem Führerschein eines der am häufigsten ausgestellten Dokumente. Das deutsche Erfolgsmodell feiert in diesem Jahr 50-jähriges Jubiläum.

Der deutsche Mutterpass hat nachweislich das Leben von Müttern und Kindern gerettet – das macht ihn so genial. Das kleine handliche Dokument passt in jede Handtasche und enthält alle wichtigen Informationen über die Schwangerschaft auf einen Blick.

Die Gesundheit der Mutter, der Stand der Vorsorgeuntersuchungen, der Status des Babys und der voraussichtliche Geburtstermin sind hier übersichtlich zusammengefasst. Jede werdende Mutter soll ihren Mutterpass immer bei sich tragen. Für Schwangere ist der Erhalt eines Mutterpasses zu Beginn der Schwangerschaft meist ein ganz besonderer Moment, denn nun ist die Schwangerschaft „amtlich“.

Das deutsche Vorzeigemodell

Mittlerweile gehört ein Mutterpass zu den Dokumenten, die fast jeder in Deutschland kennt. Doch selbstverständlich ist so eine handliche Dokumentation der Schwangerschaft nicht.

Denn die meisten anderen Länder kennen so einen Pass nicht. Nur in Östereich und in der Schweiz gibt es vergleichbare Instrumente.

Die Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe Dr. Ulrike Krause hat längere Zeit in England gearbeitet. „In Großbritannien sind nur handgeschriebene Notizen üblich,“ erklärt sie in einem Interview der Berliner Morgenpost. „Der deutsche Mutterpass ist ein geniales Teil: klein, kompakt und sehr überschaubar. Alle wissen immer ganz genau, was zu machen ist.“

Der Mutterpass hat die Säuglingssterblichkeit gesenkt

Der Mutterpass wurde nach einer Pilotphase 1961 in Deutschland eingeführt. Seit dem 1. April 1968 besteht für Ärzte die Verpflichtung, allen gesetzlich krankenversicherten schwangeren Frauen einen Mutterpass auszustellen. Im Jahr 1966 wurde das Mutterschutzgesetz erlassen und damit auch die Schwangerenvorsorge im Sozialgesetzbuch V (SGB V) verankert.

Der Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen erarbeitete im gleichen Jahr die „Mutterschafts-Richtlinien“ in denen auch die Ausstellung eines Mutterpasses für alle bestimmt wurde. Herausgeber des Ausweises ist mittlerweile der Gemeinsame Bundesausschuss, der den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) festlegt.

Das besondere am Mutterpass ist auch seine Standardisierung. Dadurch, dass alle Frauen den gleichen Pass bekommen, kann im Notfall jeder Behandelte auf dem ersten Blick die wichtigsten Informationen erhalten. Eine Art Lebensversicherung für jede Schwangere und ihr Ungeborenes.

Prof. Dr. Peter Mallmann, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Uniklinikum Köln, erklärt, dass die Einführung des Mutterpasses vor 50 Jahren die Säuglingssterblichkeit in Deutschland mit Sicherheit gesenkt hat: „In der Regel achten Frauen nun sehr darauf, alle Vorsorgetermine wahrzunehmen, und wissen gut darüber Bescheid, was ansteht.“

Der Mutterpass von 2011 ist aber nicht der der Mutterpass von 1961. Er wurde immer wieder verändert und an die neue medizinische Entwicklung angepasst. Denn vieles, was heute zum Standard gehört, etwa der Ultraschall, war ja 1961 noch unbekannt.

Die letzte Aktualisierung fand 2009 zu den Themen Ernährung, HIV-Antikörpertest und Zahngesundheit statt.

Was genau steht im Mutterpass?

Die Ergebnisse der Vorsorgeuntersuchungen im Rahmen der Mutterschafts-Richtlinien, Angaben zur Geburt und zum Neugeborenen werden in den Pass eingetragen. Alter, Größe und Gewicht sowie die bereits vorangegangenen Schwangerschaften der Frau im Mutterpass werden ebenfalls dokumentiert, genauso wie die Blutgruppe mit dem Rhesusfaktor.

Auch die Ergebnisse verschiedener Untersuchungen sind hier dokumentiert (unter anderem wird auf Röteln, HIV, Chlamydien und Hepatitis B- getestet). So soll, genauso wie mit dem Festhalten von möglichen Risiken, im Notfall schnell ein Überblick möglich sein.

Die meisten Schwangeren finden vor allem das Gravidogramm am spannendsten. Dies ist eine Doppelseite mit allen Eintragungen der Vorsorgeuntersuchungen. Dabei wird z.B. die Schwangerschaftswoche, Kindslage, Herztöne, das Gewicht und der Blutdruck der Mutter oder auch Auffälligkeiten und Laborbefunde festgehalten.

Eingetragen werden auch die seit 1995 eingeführten drei Ultraschallscreenings. Zuletzt wird die Geburt des Kindes mit den Maßen wie Gewicht, Länge, Kopfumfang und auch den Agpar-Werten und der Blutgruppe des Babys aufgezeichnet. Und eventuell eine zweite Schwangerschaft…

Der Mutterpass ändert sich

Aktuell wird vor allem über die Bedeutung der Risiken diskutiert. Nach dem im Mutterpass dokumentiertem Katalog gelten heute 70 von 100 werdenden Müttern als Risikoschwangere. Dies liegt vor allem daran, dass jede vierte Erstgebärende heute über 35 Jahre alt ist – und somit eines der Kriterien für eine Risikoindikation erfüllt. Auch über die Abschaffung des Mutterpasses in Papierform und die Einführung einer elektronischen Kartenvariante wird gesprochen. Aber noch dürfen sich Schwangeren über den guten alten – und für sie meist ganz neuen – Mutterpass freuen.

Foto: © Uwe Grötzner – Fotolia.com

  • cortina100

    Da muss ich doch was richtig stellen, in Polen ist es Pflicht den Mutterpass (Karta Matki) mitzuführen und in Russland ist er zwar freiwillig aber wird in großen Städten ebenfalls praktizieret!