Müdigkeit und Schwangerschaft

Es hat wenig mit dem Warten auf den Frühling zu tun. Viele Schwangere sehnen sich ständig nach ihrem Bett. Vor allem im ersten Schwangerschaftsdrittel ist bleierne Müdigkeit für viele werdende Mütter ein ständiger Begleiter. Wieso reagiert der Köper so, was hilft und wann könnte ständige Müdigkeit auch ein Warnzeichen sein?

Der Himmel ist ständig grau, die abgestandene Heizungsluft nervt und der ganze Körper sehnt sich nach frischer milder Luft. Niemand hat mehr so recht Lust auf Winter, doch der Frühling lässt noch auf sich warten. Kein Wunder, dass das große Gähnen um sich greift. Oder ist es schon Frühjahrsmüdigkeit, die gibt es ja auch?

Rein biologisch ist der Müdigkeits-Effekt gewollt

Neben nasskaltem Wetter, Grippewellen und jahreszeitlich bedingter Sehnsucht nach dem molligen Bett gibt es für Schwangere jedoch noch eine ganz andere Form der Müdigkeit. Sie ist bleiern und lähmend. Kleinste Anstrengungen fallen schwer. Vor allem im ersten Schwangerschaftsdrittel wird die Müdigkeit von Schwindel und Übelkeit begleitet. Und Schlaf hilft nicht viel. Kein Wunder, denn ausgelöst wird dieser Zustand durch die Hormonumstellung.

Die Plazenta wird gebildet, der Blutzuckerspiegel fällt und der Blutdruck ist niedriger als sonst. Der Körper bildet vermehrt das beruhigend wirkende Hormon Progesteron. Viele Frauen fühlen sich einfach nur ermattet und schlapp. Die gute Nachricht: hat sich der Körper im zweiten Schwangerschaftsdrittel so richtig an die Umstellung gewöhnt, erleben viele Schwangere einen intensiven Energieschub.

Rein biologisch betrachtet ist der Müdigkeits-Effekt durchaus gewollt und sinnvoll. Das Progesteron beruhigt und zwingt die Mütter sich zu schonen und ihre Gewohnheit umzustellen. Mal eben locker viele Überstunden machen oder reichlich lange im Fitness-Studio zu verweilen sind so nicht drin – die körperliche Schlappheit bremst jeden Vorsatz in diese Richtung geschickt aus.

Schwangerschaftsmüdigkeit kann auch ein Anzeichen von Blutarmut sein

Müdigkeit in der Schwangerschaft ist normal. Doch wenn sie extrem belastet, sollte auf jeden Fall ein Frauenarzt zu Rate gezogen werden. Denn auch ein Ernährungsmangel könnte sich so zeigen. Wer zusätzlich unter Symptomen wie Ohrensausen, Konzentrationsstörungen oder einer blassen Gesichtsfarbe leidet, könnte auch eine Schwangerschaftsanämie, also eine Blutsarmut, haben.

Ist diese besonders ausgeprägt kommen häufig noch Atemnot, Kopfschmerzen und starkes Herzklopfen bei geringer Belastung hinzu. „Den Betroffenen mangelt es an roten Blutkörperchen“, erklärt Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF). Der erhöhte Bedarf des Kindes an Wachstums- und Baustoffen ist die Ursache dieses Defizits, denn dadurch mangelt es dem mütterlichen Körper an roten Blutkörperchen, die das Sauerstoff im Blut transportieren. Ein Mangel führt zu einer unzureichenden Energieversorgung.

Auch zu wenig Eisen oder Folsäure oder vermehrtes Nasen- oder Zahnfleischbluten können die Ursauche sein. Ein Blutbild beim Frauenarzt kann dies genau abklären. Mit Vitamin-, Eisen- oder Folsäurepräperaten kann gut geholfen werden.

Was hilft gegen die Dauerschlappheit?

Gegen die „gesunde“ Schwangerschaftsmüdigkeit sollte nicht angekämpft werden. Vielleicht ist es einfach ein deutliches Signal des Körpers, der einfach kürzer treten möchte? Wenn es irgendwie möglich ist, sollten sich Schwangere so oft wie möglich einen kleinen Moment hinlegen. Längere Mittagspausen und Spaziergänge an der frischen Luft helfen. Wer zu Hause kleine Kinder betreut, sollte deren Schlaf unbedingt ebenfalls zu einer Pause nutzen und eventuell den Partner oder Freunde und Verwandte darum bitten, kleine Auszeiten zu ermöglichen.

Die Ernährung ist jetzt besonders wichtig. Der Speiseplan sollte aus viel Obst, Gemüse, Vollkornkost, fettarmer Milch, Getreide und magerem Fleisch bestehen. Fast Food und süßer Knabberkram sind wahre Energieräuber. Gerade wer unter Übelkeit leidet, sollte trotzdem darauf achten, ausreichend zu essen und lieber über den Tag verteilt mehrere kleine Mahlzeiten zu sich nehmen.

Lebensmittel mit einem hohen Anteil an Vitamin C (zum Beispiel Sanddorn, Zitrusfrüchte), mit Folsäure, Eisen und Magnesium sollten auf jeden Fall bevorzugt werden, denn sie füllen das Energiedepot wieder auf und wirken Mangel entgegen.

Da die Hormone die Müdigkeit auslösen, ist ständige Ruhe übrigens keine Lösung. Im Gegenteil, zuviel Schonung könnte zu noch mehr Schlappheit führen.

Wichtige Tipps bei Müdigkeit in der Schwangerschaft

  • Möglichst viele Pausen mache, Dinge „ruhiger“ angehen
  • Stressquellen im Alltag finden. Und Stress möglichst vermeiden
  • Viel Bewegung an der frischen Luft suchen. Alternativ zum Spaziergang oder Walken ist Schwimmen ein idealer Sport für Schwangere
  • Zwischenmahlzeiten einführen. Knackige Rohkost, frisches Obst oder Müsliriegel füllen Energiereserven auf
  • Auf Koffein verzichten: Müde Erwachsene sehen sich schnell nach einem raschem Kick. Aber Vorsicht bei Kaffee und Tee. Zuviel Koffein schadetet dem Ungeborenen  – und gegen hormonbedingte Müdigkeit kommt Kaffee auch literweise nicht an.
  • Reichlich trinken nicht vergessen: Hebammen empfehlen gute 2½ Liter am Tag. Ideal sind Tees, Fruchtschorlen, Wasser oder selbstgemachte Cocktails (Rezepte verraten wir hier)

Im letzten Schwangerschaftsdrittel kämpfen viele Frauen erneut mit der Müdigkeit – doch das liegt dann meist weniger an den Hormonen, sondern daran, dass es nicht mehr so einfach ist, mit dem Kugelbauch eine gute Schlafposition zu finden. Aber an wenig Schlaf müssen sich werdende Mütter gewöhnen – spätestens wenn der Nachwuchs da ist.

Foto: © Thye Aun Ngo für istockphoto.com

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