Mein neues Leben

Paare, die ihr erstes Kind erwarten, neigen dazu, sich die Zukunft etwas zu rosig auszumalen. Das ist verständlich, aber nicht immer klug. Was erwartet Sie wirklich nach der Geburt?

Nun dauert es nicht mehr lange und nichts wird mehr sein wie zuvor. Eine große, neue Verantwortung kommt auf Sie zu. Sie werden schlaflose Nächte und wenig Zeit für sich selbst haben – und sich trotzdem ungeheuer bereichert fühlen.
Was erwartet uns nach der Geburt?
Ein kleines Wesen, das vollständig auf Sie angewiesen ist, um all seine Bedürfnisse zu erfüllen, will von Ihnen umsorgt werden. Es macht mit lautem Geschrei auf sich aufmerksam, wenn ihm etwas fehlt – sei es Nahrung, Wärme, Ruhe, Schlaf oder eine Bauchmassage gegen Blähungen. Sie werden vielleicht das Gefühl haben, keinen Schritt mehr ohne Ihr Baby tun zu können. Wer vor der Geburt besonders selbstständig und freiheitsliebend war, hat möglicherweise Schwierigkeiten, diese „Einschränkung“ anzunehmen.
Neues Familienleben

Neue Rollenverteilung nach der Geburt (© panthermedia.net Hanna Monika Cybulko)

Neue Rollen
In vielen deutschen Partnerschaften ist die Rollenverteilung bis zur Geburt eines Kindes relativ modern: Beide verdienen Geld und kümmern sich um den Haushalt. Wenn ein Kind zur Welt kommt, bleibt meist die Frau zuhause – und zwar 1-3 Jahre, wenn nicht sogar länger. Damit schleichen sich auch neue Rollenmuster ein: Auf einmal vergisst der Mann, den Müll mit runterzunehmen oder seine Hemden zu bügeln, weil die Frau „ja weniger zu tun hat“. Das sorgt naturgemäß für Spannungen, weil es Schwerstarbeit ist, sich um ein Baby zu kümmern.
Für den im normalen Alltag verbleibenden frischgebackenen Familienvater ist es aber schwer nachvollziehbar, dass dieser „Rund-um-die -Uhr“-Job nicht idyllisch, sondern höllisch sein kann. Hier hilft nur reden, oder besser noch: ein Rollentausch übers Wochenende. Bis die Partner ihre neuen Rollen gefunden haben, kann es einige Monate dauern. Das Schwierige daran ist, dass jeder zuerst für sich alleine überlegen muss, wie er sich sieht und welche Wünsche er hat, und dies dann noch in einem zweiten Schritt mit dem Partner verhandelt werden muss.
Neue Prioritäten
Nach dem Baby kommt erst mal ganz lange nichts. Es geht in erster Linie darum, die vielfältigen Grundbedürfnisse des Neugeborenen zu befriedigen. Danach kommen Grundbedürfnisse der Mutter, wobei an erster Stelle Schlaf steht und danach z.B. Zeit für eine ausgiebige Dusche mit Haare waschen. Das Essen nicht zu vergessen, ist eine weitere simple Priorität.
Dinge wie Sport, Hobbys und Freunde müssen warten – bei vielen frischgebackenen Müttern bis mindestens 6 Monate nach der Geburt. Ausgiebige Gespräche bei Kerzenschein und gutem Essen mit dem Partner werden ebenfalls im ersten Jahr die Ausnahme sein.
Schlafmangel & nerviger Alltag
Nicht schlafen zu können, ist für den Körper eine ungeheure Strapaze. Im Mittelalter war Schlafentzug eine Form von Folter. Wer nicht oder zu wenig schläft, wird vergesslich, aggressiv, entwickelt im Extremfall Halluzinationen, ist anfälliger für Krankheiten und verkürzt auf Dauer seine Lebenserwartung.
Schlimmstenfalls führt Schlaflosigkeit bei Eltern und Kindern zu einem Teufelskreis aus Unmut und Verzweiflung – und dem Baby geht es auch nicht gut, wenn es unausgeschlafen ist. Und für die Beziehung der Eltern kann ein schlecht schlafendes Kind eine echte Härteprobe sein. Es versteht sich von selbst, dass übermüdete Eltern nicht besonders tolerant sind, was ausgequetschte Zahnpastatuben oder in der Spüle gestapeltes Geschirr betrifft. Hier hilft nur eines: Über den Dingen stehen.
Ungleichgewicht bei der Libido
Als Folge der neuen Rollen, Prioritäten und des Schlafmangels sinkt die Libido der Frau nach der Entbindung oft rapide. Es ist meist weniger ein körperliches Problem aufgrund von Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, sondern die reine Unlust wegen der neuen Lebensumstände.
Auch das Stillen kann sich negativ auf die Libido auswirken: Mit einer spannenden und tropfenden Brust fühlen sich die wenigsten Frauen sexy, so toll dieser üppige Busen auch aussieht. Das allerwichtigste ist, sich Zeit zu nehmen. Druck verschlimmert die Situation und führt schlimmstenfalls dazu, dass die Frau sofort „zu macht“, wenn der Mann Annäherungsversuche startet. Hier muss jedes Paar seine eigene Lösung finden. Wer darüber spricht, hat bessere Chancen, einen guten Kompromiss zu finden.
Im Schnitt haben Paare 3 Monate nach der Geburt zum erstem Mal wieder Sex, und danach für eine ganze Weile nur 1-2 Mal im Monat. Wem das nicht genug ist, der muss sich anders behelfen…
Nutzen Sie die letzten Tage vor der Geburt für sich als Paar
Verstehen Sie jetzt, weshalb wir Ihnen dringend raten, die letzten Tage als Paar zu genießen? Bei aller Vorfreude auf das Kind, das eine unbeschreibliche Freude in Ihr Leben bringen wird, sind die Tage vor der Geburt am besten genutzt, wenn Sie noch einmal schön essen gehen, sich eine tolle Theateraufführung anschauen und ein Museum besuchen, wenn Ihnen das Freude bereitet.
Versuchen Sie schon jetzt, über „Auszeiten“ der Partner nachzudenken, in denen jeder für einige Stunden Zeit für sich selbst findet. Denken Sie darüber nach, was Ihnen wichtig ist und wie Sie dafür sorgen können, dass Ihre Persönlichkeit intakt bleibt, auch wenn Sie Eltern werden. Es ist nämlich nur zum Besten des Kindes, wenn es ausgeglichene Eltern hat, die mit ihrem Leben zufrieden sind!
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  • Mystique

    Also zuerst mal fasst der Beitrag das leben mit Baby gut zusammen.
    ABER: wenn man nicht das totale Schreibaby hat ist es nicht so schlimm! Ich weiß wovon ich rede, meine Tochter ist knapp 6 Monate alt. Gut, vielleicht habe ich ein besonders pflegeleichtes Exemplar Zuhause, aber die ersten paar Wochen hat sie fast nur geschlafen; ich konnte mich so in Ruhe auf dem Sofa erholen. Haushalt sollte am Anfang eh nicht Priorität Nummer eins sein.
    Stillen klappte leider nicht, jedoch habe ich 3 Monate lang auch nachts abgepumpt.
    Ok jeder geht anders mit Schlafmangel um, aber sie wird heute noch alle 2-4 Stunden wach ohne dass ich je ein Riesen Problem damit gehabt hätte. Ich hab vielleicht auch Glück dass ich selbst nur 5-6 Stunden Schlaf brauche.
    Thema Duschen und Essen: ein Brot zwischendrin machen ist immer drin oder einen Joghurt essen. Und Duschen oder baden ist kein Problem wenn Abend mein Mann Zuhause ist.
    Fazit: sooo schlimm wie immer gesagt wird ist es nicht. Ich fürchte eher mit wachsender Beweglichkeit der kleinen Maus kommt der wirklich anstrengende Teil…