Mandeln & Polypen-OP

Schnarchen kann ein Alarmsignal sein: Vielleicht sind die Mandeln oder Polypen zu groß und behindern die Atmung?

 
Mandeln (Tonsillen) liegen zwischen den vorderen und hinteren Gaumenbögen. Ein Teil der Mandeln ist bei offenem Mund erkennbar; der überwiegende Anteil ist aber nicht zu sehen.
 
Rachenmandeln und Gaumenmandeln sind unter anderem für die Erregerabwehr und die Immunabwehr in dieser Region verantwortlich.
 
Zwischen dem 3. und 7. Lebensjahr, also im Vorschulalter, kommt es bei vielen Kindern zu einer Schwellung der Gaumenmandeln oder auch der Rachenmandeln (Polypen).
Die genaue Ursache ist unbekannt, wahrscheinlich wird die Neigung dazu vererbt; hinzu kommen wiederkehrende Infekte der oberen Luftwege in diesem Alter.
In der Regel geht diese Vergrößerung aber nach dem 7. Lebensjahr langsam wieder zurück.
 
Mit dieser Vergrößerung können gerade im Kindesalter allerdings Probleme verbunden sein – die Tonsillektomie (Entfernung der Rachenmandeln) ist die zweithäufigste Operation im Kindesalter. Bei Erwachsenen wird sie selten durchgeführt und ist auch mit höheren Risiken verbunden.
 
Das Für und Wider einer Tonsillenentfernung muss auch bei Kindern sorgfältig abgewogen werden. Die Operation wird unter Vollnarkose durchgeführt und ist mit einem Krankenhausaufenthalt verbunden.
 
Wann müssen die Mandeln raus?

Mandel- und Polypen OP (© panthermedia.net, Vasyl Torous)

Gründe für eine Operation:
 
  • Häufigkeit: Wenn ein Patient 4 – 6 Mal pro Jahr eine antibiotikapflichtige Angina durchgemacht hat oder wenn sich ein Mandelabszess entwickelt hat.
  • Wenn die Gaumenmandeln aufgrund von bestimmten Laborwerten als eitriger Herd (Focus) angesehen werden müssen und entsprechende Beschwerden in den Nieren oder Gelenken verursachen (Rheuma u. a.).
  • In seltenen Fällen ist allein durch die Größenzunahme der Tonsillen eine Ausschälung empfehlenswert, damit der Schluckakt wieder freier möglich ist.
     
Risiken der Operation:
Das entscheidende Risiko bei der Tonsillektomie ist die Möglichkeit einer Nachblutung. Üblicherweise tritt sie am ersten oder zweiten Tag nach der Operation oder aber am 5. und 6. Tag auf. Gelegentlich wird eine Nachblutung auch nach mehreren Wochen beobachtet. Bei kleineren Blutansammlungen genügt es, durch Anlegen einer Eiskrawatte reflektorisch die Blutfülle zu reduzieren.
 
In Einzelfällen muss allerdings eine Blutstillung in einer erneuten Narkose vorgenommen werden. Operationsbedingte Zahnschäden  kommen sehr selten vor. Schluckstörungen, Schmerzen nach dem Eingriff werden regelmäßig beobachtet. Sie verschwinden jedoch individuell nach einigen Tagen oder auch Wochen.
Eine Infektion ist wegen des offenen Wundgebietes möglich und wird mit Antibiotika behandelt. Selten kann es dazu kommen, daß sich bei einem Patienten eine Veränderung der Stimme einstellt (Näseln).  Der stationäre Aufenthalt kann wegen des Maximums der Nachblutung am 5. und 6. Tag bis zu 6 Tage dauern.
Vor allem im Alter von etwa 4-5 Jahren – können die Polypen vergrößert sein.  Die Rachenmandel (Polypen) befindet sich am Übergang von der Nasenhöhle zum Rachen im Rachendach; man kann sie nicht sehen.
Durch die damit verbundene Behinderung der Nasenatmung schnarchen die Kinder häufig und atmen durch den Mund. Die Kinder sind in der Regel unausgeschlafen, da die Nachtruhe kontinuierlich gestört ist.
 
Unmittelbar neben der Rachenmandel liegt der Eingang zum Mittelohr. Ist er durch die Größe der Rachenmandeln verlegt, so kann sich hinter dem Trommelfell Flüssigkeit ansammeln. Das kann zu Hörstörungen oder wiederkehrenden Infektionen des Mittelohres führen.

Die Rachenmandeln bilden sich im Lauf des Volksschulalters langsam wieder zurück.

 
Gründe für eine Operation
 
Entscheidend für die Frage, ob eine Operation nötig ist oder nicht, ist die Stärke der Beschwerden (nächtliches Schnarchen, Mundatmung, häufige Mittelohrentzündung; Hörstörung). Der HNO-Arzt kann den Nasenrachenraum mit speziellen Optiken einsehen, um zusätzliche Information zu gewinnen.
 
Die Entfernung der Polypen wird manchmal ambulant durchgeführt; kleine Kinder oder Patienten mit besonderen Risiken werden üblicherweise stationär aufgenommen. Meist können die Kinder aber noch am Tag der OP wieder nach Hause.
 
Rachenmandeln werden heutzutage in Vollnarkose entfernt, den entsprechenden Eingriff nennt man Adenotomie. Die Ausschälung wird mit einem speziellen Instrument über dem mit einem Mundsperrer geöffneten Mund vorgenommen. Eine Wundnaht erfolgt bei dem nur wenige Minuten dauernden Eingriff nicht.
 
Risiken der Operation:

Durch den Mundsperrer können sich speziell bei Kindern manchmal Milchzähne lockern. Nach einer Rachenmandelentfernung können die Kinder – allerdings sehr selten – nachbluten; es können Schluckstörungen und Schmerzen bestehen. Kinder müssen deshalb nach der Operation häufig zum Trinken angeregt werden.
 
Nachbehandlung bei beiden Operationen:
Für mindestens 2 Wochen sollten körperliche Anstrengung, heißes Duschen, Baden oder Haarewaschen vermieden werden, also Tätigkeiten, die Blutfülle im Kopf vermehren. Jeder mit einer Anstrengung verbundene Blutdruckanstieg könnte zu einer Nachblutung führen. Die Kinder können so lange nicht in den Kindergarten/in die Schule.
 
In den Tagen nach der Operation sollte weiche Nahrung gegeben werden, z.B. Brei, Kartoffelpüree, Suppe oder Eis.
 

© www.kinderarzt.at by Dr. Peter VoitlDr. Peter Voitl

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