Liebe hilft bei Trauma

Unfälle, schwere Krankheiten oder Belastungen – für ungeborene Kinder können mütterliche Stressphasen traumatisch sein. Dieses Trauma kann die Entwicklung des Kindes verzögern. Die gute Nachricht: Mutterliebe heilt das Trauma.

Noch vor 30 Jahren galten ungeborene Babys als passive Passagiere im Bauch der Mutter, die erst mit der Geburt zu denken beginnen. Heute haben Neurowissenschaftler und pränatale Psychologen diese Vorstellung längst widerlegen können. Die Entwicklung des Fühlens und Denkens beginnt tatsächlich schon bei der Zeugung.

Moderne 3-D-Ultraschallgeräte haben längst das Rätsel gelöst, wie ungeborene Kinder sich entwickeln und so steht fest, dass schon acht Wochen alte Föten erste Tastbewegungen machen (11. SSW). Ungeborene ziehen sich bei lauten Geräuschen zusammen und zeigen schon ab der 26. Schwangerschaftswoche eine Art Lächeln. Sie freuen sich über erste Spiele und auf die Stimmen der Eltern.

Ungeborene Kinder  reagieren aber auch auf mütterlichen Stress, auf Überbelastung oder das Gefühl, nicht willkommen zu sein. Hat die Mutter in der Schwangerschaft ein traumatisches Erlebnis, wie einen Autounfall, eine schwere Erkrankung oder die Trennung vom Vater, wirkt sich dies nachweislich auf das Baby aus. Das konnten amerikanische Wissenschaftler nun in einer Studie belegen. Bei Stress in der Schwangerschaft leidet die spätere Lern- und Denkfähigkeit des Säuglings.

Wenn Kinder noch vor der Geburt in einem hohen Maß dem Stresshormon Cortisol ausgesetzt waren, zeigten im Alter von 17 Monaten bei einem Test deutliche Schwächen bei den kognitiven Fähigkeiten. Für den Test mussten die Kleinkinder spielen und puzzeln. Auch ihr Erinnerungsvermögen und die Beziehung zur Mutter und zu Fremden wurden intensiv beobachtet.

Die Mütter aller untersuchten Kinder hatten nachweislich in der Schwangerschaft einen erhöhten Cortisolspiegel. Doch nicht alle Kinder wiesen tatsächlich als Kleinkinder Defizite auf. „Die negativen Folgen verschwinden fast vollständig, wenn die Mutter ihrem Säugling ein hohes Maß an Geborgenheit vermittelt„, so der Psychologe Thomas O’Connor von der University of Rochester in New York.

Kinder, die vorgeburtlichem Stress ausgesetzt waren und eine unsichere Bindung zu ihrer Mutter zeigten, hatten allerdings kurze Konzentrationsphasen sowie geringe Sprach- und Problemlösungsfähigkeiten. Die sichere Bindung zur Mutter konnte bei den anderen Kindern offensichtlich den vorgeburtlichen Stress ausgleichen. Für Mütter mit traumatischen Erlebnissen in der Schwangerschaft ist die eine gute Nachricht, meint der Psychologe. „Es ist sicher eine Erleichterung zu wissen, dass Elternliebe die Babys im Nachhinein gegen mögliche schädliche Folgen schützt.“

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