Lakritz in der Schwangerschaft

Gerade in der Schwangerschaft haben viele Frauen Appetit auf leckere Lakritz. Aber Vorsicht: Studien zeigen, dass ein Zuviel der Nascherei zu Frühgeburten und Schädigungen beim Ungeborenen führen kann. Wie viel Lakritz ist okay?

Vor allem im Norden Deutschland wird gern zugegriffen bei Lakritz. Es gilt als lecker und auch gesund. Die schwarze Farbe und den bitter-süßlichen Geschmack verdankt die in Bayern als „Bärendreck“ geschmähte Leckerei der Süßholzpflanze (Glycyrrhiza glabra). Die Pflanze wird als Naturheilmittel bei Husten, Schnupfen und Heiserkeit eingesetzt. Und auch der Extrakt ist heilsam, nachweislich werden durch den Genuss von Lakritz Stressfaktoren im zentralen Nervensystem positiv beeinflusst.

Kein Wunder, dass Schwangere gern  Lakritz naschen. Zudem Viele plötzlich Gelüste auf Süßes mit einem salzigen Nebengeschmack haben. Doch auf die Entwicklung von ungeborenen Kindern hat die schwarze Leckerei negative Einflüsse, wie wissenschaftliche Studien belegen. 

Forscher der University of Helsinki und der University of Edinburgh untersuchten die Auswirkung von Lakritz-Konsum bei Schwangeren und deren Kindern, bis diese acht Jahre alt waren. Ergebnis: Die Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft besonders viel Lakritze gegessen hatten, schnitten bei Intelligenztest schlechter ab und zeigten häufiger Verhaltensauffälligkeiten wie ADSH (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung). In einer anderen finnischen Studie konnte belegt werden, dass Mütter, die besonders viel Lakritz aßen ein doppelt so hohes Frühgeburts-Risiko hatten wie andere Schwangere.
 
Als Grund gilt der eigentlich gesunde Süßholzwurzelextrakt, denn er beinträchtigt die Plazentafunktion. Durch den Genuss von Lakritz werden Stresshormone (Glukokortikoide) produziert, und für die Mutter ist dies in geringer Menge von Vorteil. Für die Hirnentwicklung des Kindes kann ein Zuviel aber ungesund sein und später Verhaltensstörungen bewirken. Allerdings bestehen Lakritz-Produkte nicht aus reiner Lakritze (siehe Info-Kasten). Als Richtwert sollten daher nicht mehr 100 Gramm Lakritzware am Tag gelten. Das entspricht etwa sieben Lakritzschnecken – bei Starklakritz entspechend weniger.
 
Katri Räikkönen, eine der Autorinnen der Studie, erklärt: „Werdenden Müttern sollte man davon abraten, große Mengen von Lakritze zu essen.“
 
Was ist drin in der Lakritze?
In Deutschand enhalten Lakritzwaren mindestens 3 % Süßholzextrakt. Neben dieser Rohlakritze kommen noch Zutaten wie Zucker, Glukosesirup, Weizenmehl, modifizierte Stärke oder Gelatine, Kochsalz und diverse Aromen hinzu. Als natürlicher Bestandteil der Süßholzwurzel ist in Lakriz immer Glyzyrrhizin: Liegt der Gehalt unter 0,2 g/100 g beim fertigen Erzeugnis, wird die Ware als „Lakritz“ bezeichnet (hierzu gehören auch Kinderlakritze). Bei einem Glyzyrrhizingehalt von mehr als 0,2 g/100 g muss das Lakritzprodukt als „Starklakritz“ gekennzeichnet werden. Bei deutscher Herstellung ist maximal ein Zusatz von 2 % Salmiaksalz erlaubt. 

 

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