Bleibt die Puste weg?

Einfach mal tief durchatmen. Für viele Schwangere gar nicht so einfach, denn schon zu Beginn der Schwangerschaft ändert sich die Atmung. In den letzten Monaten vor der Geburt bleibt die Luft dann oft weg. Was hilft dagegen und wann ist es wichtig, einen Arzt aufzusuchen?

Zweimal war ich im Sommer schwanger. Und jedes Mal rang ich um Atem. Denn in beiden Schwangerschaften hat mir das warme Wetter zu schaffen gemacht. Bei meiner Tochter war ich gerade im dritten Monat, als die Temperaturen anstiegen. Leider kämpfte ich mit Übelkeit und oft war mir schwindelig. Weil ich so wenig bei mir behalten konnte, dachte ich. Ziemlich oft musste ich nach Luft schnappen. Kein Wunder, mein Kreislauf spielte verrückt und ich war immer müde. Dass einem da die Puste ausgeht, ist ja nicht wirklich verwunderlich. Oder doch? Ich gestehe, ich habe mir nicht ernsthaft Gedanken darüber gemacht. Denn ab dem vierten Monat ging es mir wieder besser.

In der zweiten Schwangerschaft waren die ersten Monate einfacher. Doch wieder hatte ich Atemprobleme – im letzten Drittel. Ich war im Sommer hochschwanger. Und kämpfte mit Wasser in den Beinen und heftiger Kurzatmigkeit. Mal eben die Treppen hoch gehen? Der 18 Monate alten Tochter hinterflitzen? Ich war völlig fix und fertig. Und konnte mir nicht erklären, warum mir so schnell die Puste wegblieb.

Im Geburtsvorbereitungskurs sollten wir dann auch noch Atemübungen machen. Das Einatmen war richtig schwierig! Aber dass nicht nur ich Schwierigkeiten hatte, als wir Frauen Seifenblasen pusten sollten, das war eine Erleichterung. Ehrlich gesagt hatte ich vermutet, dass ich mir einfach zuviel zugemutet hatte. Oder zuviel Gewicht zugelegt hatte. „Das ist doch ganz normal“, beruhigte die Hebamme mich und die anderen Mütter. Und zeigte uns ein paar Atemübungen.

Warum ist Atmung für Schwangere oft anstrengend?

Tatsächlich ist die Änderung der Atmung ein typisches Schwangerschaftsanzeichen. Nicht jede Schwangere nimmt es deutlich wahr. Andere haben damit sehr zu kämpfen und fühlen sich so besonders schlapp. Schon in der Frühschwangerschaft steigt der Sauerstoffbedarf der Schwangeren. Mit der Schwangerschaft wächst auch die Blutmenge. Je mehr Blut im Kreislauf ist, desto höher auch der Sauerstoffaustausch. Daher wird die Atemtiefe der Schwangeren gesteigert und das Atemvolumen wächst etwa um 25 Prozent. Durch die wachsende Gebärmutter kommt es auch zu einem Zwerchfellhochstand, so sind Schwangere anfälliger für Sauerstoffverknappung, haben etwa mit Höhen mehr Probleme.

Bei einigen werdenden Müttern schwellen auch die Nasenschleimhäute sehr stark an, das ist eine Folge der besonders guten Durchblutung in der Schwangerschaft. Das Phänomen wird Rhinopathia gravidaum genannt, etwa 20 bis 30 Prozent aller Schwangeren sind betroffen. Durch die Behinderung der Nasenatmung fällt das Luftholen schwerer. Dies ist auch ein Grund für nächtliches lautes Atmen. Davon merkt die werdende Mutter selbst meist wenig, werdende Väter beklagen sich allerdings oft über schnarchende Frauen an ihrer Seite.

Einige Schwangere gewöhnen sich recht schnell an die neue Atmung und spüren sie nicht weiter. Doch je mehr das Baby wächst, desto deutlicher werden Atemprobleme. Ab dem 7. Schwangerschaftsmonat drückt die Gebärmutter verstärkt auf das Zerchfell und so auch auf die Lunge. Frauen, die Zwillinge erwarten oder besonders viele Pfunde zugelegt haben, sind vor allem von Atemproblemen betroffen. Kurzatmigkeit, nach Luft schnappen und das Gefühl nicht genug Puste zu haben, sind ganz normal.

Wann sollte ein Arzt aufgesucht werden?

Wenn die Kurzatmigkeit besonders belastend ist, sollten ein Arzt oder ein Hebamme aufgesucht werden. Vor allem wenn weitere Belastungen wie Brustschmerz, Herzklopfen oder feuchte Hände hinzu kommen, kann es sein, dass vielleicht ein zu behandelnder Eisenmangel oder eine andere Schwangerschaftskomplikation vorliegen könnte.

Auch Asthmatikerinnen sollten sich vom Gynäkologen gut beraten lassen, wie sie mit akuter Atemnot umgehen sollen und wie sie zwischen der eigenen Erkrankung und normalen Schwangerschaftssymptomen unterscheiden können. Vielen Asthmakranken geht es in der Schwangerschaft besser.

Wie können Atemprobleme verhindert werden?

Eine gute Vorsorge sind eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Flüssigkeit und viel Bewegung an der frischen Luft. So vermeiden Sie überflüssige Pfunde, die die Kurzatmigkeit verstärken und Deyhydrierung. Eisenreiche Lebensmittel, wie rotes Fleisch oder grünes Blattgemüse, helfen dem Körper das wichtige Eisen gut aufnehmen zu können.

Sehr hilfreich bei Atemproblemen ist das Schlafen in halbaufrechter Position. Auch ein gut durchlüfteter Raum und eine ausgewogene Luftfeuchtigkeit erleichtern das Atmen.

Hebammen zeigen gern Atemübungen. Die sind nicht nur unter der Geburt wichtig, sondern helfen auch in der Schwangerschaft. Eine gute Übung, damit sich die Lungen ausdehnen können ist es, einmal am Tag zehn Minuten bewusst tief ein- und auszuatmen. Es hilft, den eigenen natürlichen Atemrhythmus kennen zu lernen. Und während Wartezeiten, etwa beim Arzt oder im Supermarkt, die Zeit nutzen, um auf den Körper zu achten. Konzentriertes Atmen kann helfen Körper und Seele zu entspannen.

Notfall-Tipps

• Wenn die Luft wegbleibt, sollte keine Panik aufkommen. Nehmen Sie sich Zeit. Kommen Sie zur Ruhe

• Am besten mit erhöhtem Oberkörper hinsetzen. Langsam durch die Nase einatmen. Und ganz ruhig durch den Mund ausatmen, bis die Lunge leer ist. So holen Sie tiefer Luft. Die Übung wieder holen und dabei an etwas Schönes denken. Merken Sie bei tiefer Bauchatmung, dass es Ihrem Kind gut tut?

• Planen Sie Ruhepausen ein.

• Sind die Schleimhäute der Nase sehr gereizt, nach Absprache mit dem Arzt abschwellende Nasentropfen nehmen. Auch Kochsalzlösungen helfen sehr gut.

• Überlegen Sie, wo Sie sich zuviel belasten. Wie können Sie sich Entlastung schaffen? Wo können Sie kürzer treten?

Die gute Nachricht

Kurz vor der Geburt, etwa ab der 36. Schwangerschaftswoche, rutscht das Baby immer tiefer ins mütterliche Becken. Dadurch wird das Zerchfell entlastet und die Lunge bekommt wieder mehr Platz.

Schwangere, die unter Kurzatmigkeit leiden, müssen deswegen keine Angst vor der Geburt haben. Mir haben die Atemübungen der Hebamme wirklich geholfen. Gegen das Nach-Luft-Schnappen in der Schwangerschaft. Sie waren sogar hilfreich bei der Geburt. Auch die Schleimhäute schwellen wieder ab und die Atmung wird schnell wieder normal. Die Luft bleibt nach der Geburt höchstens vor Begeisterung weg – über diesen neuen kleinen Menschen, der nun das Leben berreichert.

Bild © Sean Locke für istockphoto.com

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