Krippe und Entwicklung

Der Bundestag hat jetzt den Ausbau der Betreuung der unter Dreijährigen beschlossen. Doch die Debatte bleibt: Wie gut ist eine frühe Fremdbetreuung?

Die große Koalition hat jetzt das neue Kinderförderungsgesetz verabschiedet. Mit gut vier Milliarden Euro wird der Bund den Ausbau der Krippenplätze vorantreiben. Ähnliche Summen müssen auch die Kommunen und Ländern aufbringen.
Damit sollen mindestens 750 000 Betreuungsplätze für Kleinkinder möglich gemacht werden. Denn: ab 2013 gibt es einen Rechtsanspruch für Kinder zwischen einem und drei Jahren auf einen Platz in der Krippe oder bei einer Tagesmutter.
Die Debatte um die Frühbetreuung wird heftig geführt. Doch es geht nicht um bestimmte Familienmodelle oder darum, ob Mütter arbeiten sollten oder nicht. Im Mittelpunkt der Diskussion sollte das Wohl der Kinder stehen.
Die Frage, die sich stellt, ist: Wieviel Mutter braucht das Kind? Ist eine lange intensive mütterliche Betreuung wirklich das Beste?
Hierzu hat das Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) geforscht, um den Streit zu versachlichen. Wir waren selbst überrascht von den Ergebnissen“, so IZA-Autor Christian Dustmann in einem Interview der Rheinischen Post. Er habe erwartet, dass sich es positiv auf die Entwicklung der Kinder auswirke, wenn die Mütter mehr für Ihren Nachwuchs da wären.
Doch die Studie zeigt: die Dauer der Elternzeit hat gar keinen Einfluss auf den schulischen und beruflichen Erfolg der Kinder. Mehr Zeit der Mütter für ihre Kinder erhöhte nicht die Chance, auf das Gymnasium zu kommen und später ein gesichertes Einkommen zu haben.
„Unter dem Gesichtspunkt der Chancen von Kindern spricht wenig dafür, die Elternzeit weiter auszudehnen“, erklärt Dustmann.
Eine Langzeitstudie, die über tausenden Kindern in den USA begleitet hat, kommt zu ähnlichen Ergebnissen: Es macht kaum Unterschiede, ob die Kinder fremd oder von Mutter betreut werden.
Wichtig sei, so die Studie, dass sich die Kinder geliebt und akzeptiert fühlten. Fremdbetreute Kinder verfügten tendenziell über einen besseren Sprachschatz, wären jedoch eher aggressiv als Kinder, bei denen die Mutter zu Hause war, so die Studie des National Institute of Child Health.
Das Fazit dieser Studien ist beruhigend: es gibt kein optimales Modell. Wichtig ist vor allem, dass Eltern überhaupt eine Wahl haben. Und dies macht das neue Gesetz langfristig auch bei uns möglich.
Bleibt zu wünschen, dass nicht nur in die Betreuungszeit investiert wird, sondern, dass es auch Qualität der Krippen verbessert wird. Schön wäre gut ausgebildetes und bezahltes Personal und ein kindgerechter niedriger Betreuungsschlüssel.

, , , ,