Der erste Tag in der Kita

Mein Sohn hat seinen allerersten Tag im Kindergarten und wir sind alle mächtig aufgeregt. Wird es ihm schwerfallen? Ein Erlebnisbericht und konkrete Tipps zur Eingewöhnung.

Ganz klein sah er aus, wie er so mit dem neuen Rucksack da stand. „Ich bin jetzt groß und ein echtes Kindergartenkind.“ Mein knapp dreijähriger Sohn lacht. Ich sehe sein kleines rundes Gesicht und die noch so knubbligen Kleinkindbeine in der kurzen Sommerhose und muss schlucken. Mir fällt die Trennung auf jeden Fall schwer. Auch wenn wir mit einer Tagesmutter den Abschied schon geübt haben. Aber ob mein Schatz wirklich ahnt, was auf ihn zu kommt?
 
Er ist einfach nur aufgeregt, freut sich riesig – und ist wahnsinnig überdreht. Auf dem Weg zum Kindergarten hält seine kleine Hand meine ganz besonders fest. Mit der Erzieherin habe ich vereinbart, dass ich am ersten Tag „Rufbereitschaft“ habe, er soll die vollen vier Stunden bleiben – wenn es nicht geht, hole ich ihn ab. Als wir im Kindergarten ankommen, ist es noch ruhig. Einige Kinder sind noch verreist, die Gruppe ist heute klein. Alle neuen Kinder beginnen Zeit versetzt, heute sind also nun wir dran, nächste Woche kommt das nächste Kind. Die Erzieherin zeigt Lasse sein Gardrobenfach. Und er erzählt munter vom Kauf der neuen Hausschuhe. Dann kommt der kritische Moment. Für mich. Der, vor dem ich mich gefürchtet habe. Der Abschied. Ich gebe ihm einen Kuss. „Tschüss Mama. Du gehts jetzt arbeiten,“ sprachs und stiefelte in den Gruppenraum. An Selbstbewusstsein mangelt es dem kleinen Kerl nicht.
 
Das Telefon schwieg. Als ich ihn abholte, war mein Sohn vor lauter Stolz fast einen Meter gewachsen. Begeistert erzählte er vom Malen und von den vielen Autos. Und das Essen wäre auch sehr lecker (mein Schatz ist ein bisschen verfressen – daher sehr wichtig…). Und morgen? „Da gehe ich wieder in den Kindergarten. Und dann noch soviel mal schlafen…“ Er hält beide Patschhände hoch in die Luft „… dann komme ich in die Schule.“ So schnell geht das.
 
Die erste Kindergartenwoche war vollkommen unkompliziert. Die zweite fing dagegen etwas schwieriger an. Plötzlich wollte er mich nicht loslassen, wollte sich von den Erzieherinnen nicht die Jacke ausziehen lassen. Doch das ist sicher normal.“Nur wenige Kinder haben keine Probleme mit Trennung, es ist aber ungewöhnlich, wenn es über längere Zeit nicht klappt“, erklärt Entwicklungspsychologin Dr. Pia Deimann.
Warum das Loslassen so schwer fällt? „Weil es eine neue Situation ist“, sagt die Psychologin. Entscheidend sei, viel mit dem Kind über den Kindergarten zu sprechen. „Ich kann dem Kind sagen ‚Ich bin gespannt, was du mir alles erzählen wirst'“, so Deimann. Oft sei aber gar nicht der erste Tag das Problem, „da ist es ja noch aufregend“. Viele Kinder finden den Anfang aufregend – wie mein Sohn – haben dann aber nach einigen Wochen einen Einbruch. Erst wenn der Kindegartenbesuch zum dauerhaften Alltag wird, fangen die Kinder mit dem Nachdenken an.
 
Ob Schwierigkeiten von Anfang an oder erst nach einer Weile, Eltern sollten Zuversicht zeigen keine Befürchtungen äußern. „Wenn ein Kind nicht viel über den Kindergarten spricht, ist das nicht unbedingt schlimm. Das ist kein schlechtes Zeichen, sondern es wird für das Kleine einfach zur Routine“, meint Dr. Deimann. Anhaltende Trennungsängste sind selten. Etwa zwanzig Prozent der dreijährigen Kindergartenkinder tun sich am Anfang schwer. „Es ist aber nicht was man nicht in den Griff bekommen kann. Nicht jedes Kind ist ein geselliger Typ. Man muss sich einfach anschauen, wie man helfen kann“, sagte die Psychologin.
 
Eltern, die das Gefühl haben, dass sich ihr Kind besonders schwer tut, sollten die Situation mit den Erzieherinnen besprechen. Oft haben diese ein gutes Gespür für die Situation und Ideen, wie man helfen kann. Manchmal ist der Trennungsschmerz auch gar nicht so schlimm, wie er den Eltern scheint. Einige Kinder beruhigen sich trotz vieler Tränen nach wenigen Minuten.
 
Tipps, damit der Kindergartenanfang nicht schwer fällt:
 
  • Üben Sie das Loslassen. Ideal sind dafür Tagesmutter oder Spielkreise. Wenn ein Kind schon mit zwei Jahren an festen Tagen in der Wochen für zwei bis drei Stunden woanders ist, fällt die Umstellung auf eine volle Kindergartenwoche nicht mehr so schwer. Ist dies aus organisatorischen Gründen nicht möglich, sollten Sie gucken, ob eine andere Mutter oder eine Freundin das Kind voher öfter nehmen kann. Denn dann ist es eher daran gewöhnt, ohne Mama zu sein – und auch Sie haben ein besseres Gefühl

 

  • Nutzen Sie „Schnupperangebote“ des Kindergartens. In manchen Einrichtungen gibt es Kennlerngruppen oder wenigstens die Möglichkeit einen Tag „zur Probe“ mitzumachen. Wenn das Kind die Räumlichkeiten, die Erzieherinnen und schon ein paar andere Kinder kennengelernt hat, fällt der Anfang leichter.

 

  • Bringen Sie Ihr Kind möglichst früh in den Kindergarten. Ist die Bringzeit etwa von 8 bis 9 Uhr, dann seien Sie schon gegen 8 Uhr da. Denn dann herrscht noch nicht soviel Trubel und die Erzieherinnen haben mehr exklusive Zeit nur für Ihr Kind.

 

  • Führen Sie ein festes Verabschiedungsritual ein. Jacke aus, Hausschuhe an – und dann? Ein Kuss für Mama und ein Winken am Fenster? Denn meisten Kindern hilft eine schnelle Verabschiedung – auch wenn die für Eltern nicht einfach ist.

 

  • Suchen Sie einfache Lösungen. Wenn der Abschied von Mama morgens besonders schwer fällt, vielleicht kann dann Papa das Kind hinbringen? Das Kuscheltier soll unbedingt mit? Vielleicht darf es das einfach an einem Tag mal?

 

  • Bücher helfen beim Vorbereiten auf die neue Situation sehr gut. Am besten schon einige Wochen vor dem Kindergartenstart mit dem Lesen beginnen. Ein besonderer Buchtipp ist das Buch: „Ich will meine Mama“.

 

  • Manchmal sind auch Tricks sinnvoll: Etwa dem Kind eine wichtige Aufgabe geben. Dies kann zum Beispiel das Aufpassen auf einen Schlüssel (einen aussortierten…) oder auf Mamas kleinen Glücksbringer sein. Bewährt hat sich auch, dem Kind ein kleines Foto der Familie mitzugeben.

 

Wie war bei Ihrem Kind der erste Kindergartentag? Haben Sie noch gute Tipps für die Eingewöhnungszeit? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare.

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