Kinder und Allergien

Meist sind sie ganz plötzlich da: Anfälle von Atemnot, Hautausschläge oder üble Magen-Darm-Beschwerden. Dies alles können Zeichen für eine Allergie sein. Immer mehr Kinder sind betroffen. Oft erklärte man, die Mutter habe sich in der Schwangerschaft falsch ernährt. Nun haben Experten die Empfehlung für Allergieprävention überarbeitet – alle Eltern sollten diese Ratschläge lesen!

Allergien nehmen in Deutschland zu: Neurodermitis, Nahrungsmittelallergien, Heuschnupfen oder Asthma und andere Erkrankungen werden immer häufiger. Experten gehen davon aus, dass mittlerweile etwa 20 bis 30 Prozent aller Kinder Allergiker sind. Wieso das Allergie-Risiko so gestiegen ist, ist noch nicht genau erforscht. Mit Sicherheit spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Umweltverschmutzung, mehr Feinstaub in der Luft und übertriebene Hygiene gelten als Ursachen. Hinzu kommt, dass Kinder in den Industrieländern immer weniger Infektionen in den ersten Lebensjahren haben und das Immunsystem sich dadurch nicht optimal entwickelt.
 
Die Neigung zu allergischen Erkrankungen liegt in der Familie
 
Die Entwicklung einer Allergie ist meist nicht nur durch äußere Einflüsse, sondern auch durch vererbte Anlagen bedingt. Kinder, bei denen die Mutter oder der Vater an einer Allergie leiden, haben um 30 Prozent höheres Risiko ebenfalls eine Allergie zu entwickeln – sind beide Elternteile Allergiker liegt das Risiko bei 60 bis 70 Prozent. Aber auch die Menge an potenziellen Allergenen und Reizstoffen, mit denen ein Kind konfrontiert ist, entscheidet mit darüber, ob beim Kind Allergien entstehen oder nicht.
 
Es gilt als erwiesen, dass einige Anlagen sogar schon im Mutterleib festgelegt werden und die Mutter über ihre Ernährung die Gesundheit des Kindes positiv beeinflussen kann. Im Gegensatz zu früheren Empfehlungen raten Experten Schwangeren nicht dazu, bestimmte Allergene zu vermeiden. Selbst wenn das Kind vielleicht eine Nahrungsmittelallergie haben könnte – etwa weil der Vater sehr auf Nüsse reagiert – muss die Mutter nicht in der Schwangerschaft verzichten. Studien haben belegt, dass das Auslassen von bestimmten Lebensmitteln in der Schwangerschaft keinerlei Auswirkung auf die Entwicklung einer Allergie hat. Eine ausgewogene Ernährung, und vor allem das Essen von Fisch, unterstützt das kindliche Immunsystem. Dies gilt auch für die Stillzeit.
 
Ab wann treten allergische Reaktionen auf?
 
Weil ihr Immunsystem noch im Aufbau ist, sind Kinder gegenüber Fremdstoffen besonders empfindlich. Hinzu kommt, dass ihre Haut noch zarter und durchlässiger ist. Das Auftreten von vielen allergischen Erkrankung tritt meist in einem bestimmten Alter ein: Im ersten Lebensjahr sind vor allem Lebensmittelallergien (Kuhmilch, Ei, Fisch) und die Entwicklung eines atopischen Ekzems (Neurodermitis) besonders häufig.
 
Bei Kleinkindern werden allergische Reaktionen zunehmend durch Belastungen im Wohnbereich verstärkt (Tierhaare, Hausstaubmilben, Rauch oder Schimmel). Im Grundschulalter „verwachsen“ einige Allergien, häufig verträgt das Kind das Allergen nun (oft bei Kuhmilchallergien). Einige Allergien verstärken sich aber auch und es treten so genannte „Kreuzreaktionen“ auf. Man versteht darunter, dass bei einer bestehenden Allergie zusätzliche allergische Reaktionen auf andere Stoffe auftreten, die ähnliche Eiweißstrukturen haben. Wer allergisch auf blühende Sträucher reagiert, kann z.B. plötzlich keine Erdbeeren mehr vertragen.
Im Jugendalter treten vor allem Reaktionen auf Pollen (Heuschnupfen) vermehrt auf und können Neigungen zu Asthma verstärken. Auch hier sind Kreuzreaktionen vermehrt zu beobachten.
 
Prävention kann Allergien verhindern
 
Es ist erwiesen, dass viele Allergien durch Vorbeugung vermieden werden können. Die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) hat gemeinsam verschiedenen Verbänden wie dem Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA) und der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie (GPA) nun neue Empfehlungen für die Allergieprävention herausgegeben. Die Empfehlungen zur Allergieprävention basieren auf der Auswertung von aktuellen 217 Studien zum Thema Allergie.
 
Die neuesten Erkenntnisse zur Allergievorbeugung:
 
Stillen
Um Erkrankungen wie Neurodermitis vorzubeugen, raten die Experten zum ausschließlichen Stillen über 4 Monate. Eine Einführung von Beikost nach dem 4. Monat ist unbedenklich und fördert keine Allergien.
 
Einführung von Beikost und Ernährung des Kindes im 1. Lebensjahr
Anders als bisher angenommen, gibt es keine Belege dafür, dass das Vermeiden von potentiellen Allergenen im ersten Lebensjahr Allergien verhindert. Das gleiche gilt für die späte Einführung von Beikost. Es gibt Hinweise, dass Fischverzehr vor dem ersten Geburtstag sich positiv auswirkt und Allergien mindern kann.
 
Haustierhaltung
Wenn kein Allergierisiko besteht, gibt es keinerlei Gründe, die gegen Haustiere sprechen. Tatsächlich stärkt der Umgang mit Tieren das Immunsystem. Bei Risikokindern, etwa mit einer Asthmaerkrankung, wird davon abgeraten Haustiere mit Fell zu halten. Vor allem die Katzenhaare, aber auch die Haare einiger Hunderassen, bergen ein besonders hohes Risiko, Allergien der Atemwege auszulösen.
 
Hausstaubmilben
Bisher wurde als Vorbeugung geraten, Teppichböden zu entfernen, synthetische Decken und Spezialstaubsauger anzuschaffen. Dies ist aber ohne eine konkrete Reaktion auf Milben hinfällig. Sollte keine Allergie vorliegen, können sehr wohl Federbetten (wenn sie in regelmäßigen Abständen gereinigt werden) und normale Staubsauger genutzt werden. Auch Teppichböden sind für Kinder erlaubt – sie fördern keine Allergien.
 
Schimmel und Feuchtigkeit
Eine moderate Innentemperatur (max. 22°) und ein gute Belüftung sind wichtig für das Raumklima. Die Wirkung von Luftfiltern ist nicht dokumentiert. Hohe Raumfeuchtigkeit oder Schimmel können schweres Asthma und auch andere allergische Reaktionen begünstigen.
 
Zigarettenrauch
Kinder, die rauchenden Eltern haben, leiden häufiger an Allergien. Durch Passivrauchen wird vor allem das Risiko von Asthma besonders hoch. Kinder sollten schon in der Schwangerschaft und auch nach der Geburt keinem Zigarettenrauch ausgesetzt werden.
 
Innenraumluftschadstoffe
Es gilt als bewiesen, dass Schadstoffe im Innenbereich vor allem Neurodermitis und Asthma fördern. Dies gilt vor allem für Stoffe wie Formaldehyd, das durch neue Möbel oder durch Farben- und Lacke freigesetzt werden kann. Beim Renovieren daher unbedingt auf ausgewiesene Farben achten, die nur für den Innenbereich gedacht sind.
 
Impfungen
Entgegen einiger Befürchtungen gibt es keine Hinweise darauf, dass Impfungen das Allergierisiko erhöhen. Im Gegenteil: es gibt Hinweise darauf, dass Impfungen das Allergierisiko senken können. Die Experten raten daher alle Kinder, auch Risikokinder, nach den  STIKO-Empfehlungen zu impfen.
 
Körpergewicht
Es gibt Belege, dass ein erhöhter Body Mass Index (BMI) vor allem Erkranken wie Asthma fördert. Auch aus Gründen der Allergieprävention sollte daher das Übergewicht von Kindern verhindert werden.
 
Kfz-Emission
Wenn Kinder an einer vielbefahrenen Straße wohnen, steigt ihr Allergierisiko. Dadurch, dass sie verstärkt Stickoxiden und kleinen Partikeln ausgesetzt sind, sind vor allem die Atemwege gefährdet. Kinder sollten möglichst wenig Abgase einatmen, um Allergien vorzubeugen. Dies sollten auch Eltern bedenken, die ihr Kind häufig in einem Fahrradanhänger transportieren.
 
Bild: ©istockphoto.com
 
Web-Tipp:
Die Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e.V. (GPA)
bietet auf ihrer Seite Elternratgeber zum Thema Allergien an. Die umfangreichen Broschüren, die ausführlich über einzelne Allergien berichten können kostenlos heruntergeladen werden.
 
 
 

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