Kind zu groß oder zu klein? Was tun?

Der Zweijährige passt schon in Größe 104 oder die Vierjährige ist immer noch einen Kopf kleiner als die Gleichaltrigen? Wie kann festgestellt werden, ob ein Kind zu klein oder zu groß für sein Alter ist und welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Vögel zwitschern und die Sonne wärmt endlich. Ideale Bedingungen für einen ausgedehnten Spaziergang mit Kind und Karre. Doch für die Mutter von Jannis (2) sind Ausflüge oft anstrengend. „Wenn Jannis in seinem Buggy sitzt, werde ich ständig darauf angesprochen, warum er denn noch nicht richtig laufen kann,“ berichtet Stefanie mit einem Seufzer. „Wenn wir beim Bäcker sind, hören wir spitze Bemerkungen, warum ein Junge in seinem Alter sich noch nicht richtig bedanken kann. Das liegt daran, dass er einfach sehr groß für sein Alter ist – er ist schon fast einen Meter groß und wiegt knapp 15 Kilo.“
 
Ob im Spielkreis oder beim Kinderturnen, Jannis überragt die Gleichaltrigen meist um eine gute Kopflänge. „Ich finde es oft richtig gemein, dass scheinbar alle mehr von ihm erwarten, nur weil er älter aussieht. Jannis ist nun mal noch ein Kleinkind. Am liebsten möchte ich ihm ein T-Shirt mit der Aufschrift ‚Ich bin erst 2‘ anziehen,“ erklärt Jannis Mutter.
 
Ab wann gilt ein Kind als zu klein oder zu groß?
 
Viele Faktoren bestimmen die Körpergröße. Die genetische Veranlagung, Ernährung, Krankheiten und Umwelteinflüsse spielen eine Rolle. Anhand einer relativ einfachen Rechenformel (siehe Kasten unten) können Ärzte schätzen, wie groß ein Kind wird. Generell gilt: kleine Eltern haben kleine Kinder, große Eltern haben große Kinder. In einigen Fällen liegt ein rasches Wachstum auch am Körperfett: Übergewichtige Kinder wachsen zunächst schneller, werden aber später nicht unbedingt länger als andere Erwachsene.
Heute gehört es dank der Vorsorgeuntersuchungen dazu, das Wachstum eines Kindes beim Kinderarzt zu dokumentieren. Im Vorsorgeheft sind die so genannten Perzentilkurven zu sehen, die den durchschnittlichen Wachstumsverlauf zeigen. Der Kinderarzt trägt bei jeder U ein, wieviele Zentimeter das Kind misst. Diese Kurven zeigen auch an, ob ein Kind über oder unter dem Durchschnitt liegt. Generell ist die Dokumentation des Wachstums ein guter Gradmesser: Wenn ein Kind entlang, bzw. parallel zu einer Perzentilkurve wächst, ist die Wachstumsgeschwindigkeit normal.
 
Plötzliche rasante Wachstumsschübe könnten auf Krankheiten hinweisen. Die beiden ersten Lebensjahre sind übrigens eine Ausnahme. Hier schlägt die Genetik noch gar nicht durch, denn Geburtsgewicht und -länge sind vor allem ein Zeichen für die gute Versorgung im Mutterleib.
Erst im Kindergartenalter zeichnet sich ab, ob ein Kind eher zu den kleinen oder großen zählt. Bei Kinder, die deutlich über oder unter der Norm liegen, sollte der Kinderarzt prüfen, ob eine Wachstumsstörung vorliegen könnte. Als Richtwert gilt: Wenn das Kind zu den kleinsten drei Prozent seiner Altersgruppe gehört, könnte dies ein Zeichen für Kleinwuchs sein, gehört das Kind zu den größten drei Prozent seiner Altersgruppe für Hochwuchs.
Wann sollten Eltern einen Arzt aufsuchen?
 
Viele Eltern sorgen sich, wenn sie das Gefühl haben, dass Ihr Kind deutlich zu lang für sein Alter ist. Dr. med. Herbert Renz-Polster von der Universität Heidelberg rät Eltern zu einem Arztbesuch in den nächsten Wochen, wenn das Kind ungewöhnlich klein oder groß erscheint, vor allem dann, wenn es früher genauso groß wie seine Altersgenossen war.
Der Arzt kann dann unter anderem das „biologische Knochenalter“ bestimmen, denn manchmal ist ein Kind auch einfach nur ein Frühstarter oder ein Spätentwickler. Ein Röntgenbild, die Länge der Eltern und die aktuelle Größe des Kindes machen es möglich, die voraussichtliche Maß als Erwachsener zu prognostizieren. Untersuchungen können auch ausschließen, dass Erkrankungen, wie Chromosomenstörungen, Hormonstörungen oder Herzfehler dafür verantwortlich sind, dass ein Kind nicht der Wachstumsnorm entspricht.
Wie können Wachstumsstörungen behandelt werden?
 
Gerade bei „Riesen“  oder „Zwergen“ im Kleinkindalter kommt noch ein langsameres oder schnelleres Wachstum. Liegen keine anderen Krankheiten vor, bleibt aber ein Hoch- oder Kleinwuchs, können Kinder in der Pubertät therapiert werden. Allerdings behandeln Kinderärzte Wachstumsschwierigkeiten sehr zurückhaltend. Mit gutem Grund. Schon seit den 50er Jahren können Pubertierende mit einer Hormonersatztherapie (bei zu kleinen Kindern) oder mit der Gabe von Geschlechtshormonen (bei zu großen Kindern) behandelt werden. Geschlechtshormone wirken sich allerdings auch auf die spätere Fruchtbarkeit aus und bewirken eine verfrühten Pubertätsschub, daher werden sie nur in Ausnahmefällen gegeben.
 
Für Kinder kann es ein psychische Belastung sein, wenn sie sich zu klein oder zu groß fühlen. Eltern können ihren Kindern helfen. Tipps gibt es unter anderem bei Selbsthilfegruppen wie dem Klub der Langen Menschen oder dem Bundesverband Kleinwüchsiger Menschen e.V.
 
Bei Jannis konnte der Kinderarzt keine Wachstumsstörung feststellen. Er blickte nur zu Jannis Mutter hoch – denn die misst immerhin 1,85 m – und erklärte: „Wappnen Sie sich und ihn gegen die Sprüche mit der Luft da oben und dem Basketball – aber da kennen Sie sich ja aus.“ Deswegen hat sich Stefanie nun Stifte gekauft, um ein T-Shirt mir der Zahl 2 für ihren Sohn zu bemalen. Damit alle wissen, dass er eben ein großes Kleinkind ist.
 
 
Fakten zum Thema Größe

Babys wachsen im ersten Lebensjahr etwa 25 Zentimeter. Bis zur Pubertät legen Kinder im Schnitt 5 Zentimeter pro Jahr zu, Endspurt ist dann in der Pubertät mit bis zu 12 Zentimetern pro Jahr. 

Augen wachsen nach der Geburt gar nicht. Nasen und Ohren hingegen verändern sich ein Leben lang.

Eine einfache Formel macht es möglich, die spätere Länge eines Kindes grob zu berechnen:

Junge = (Größe des Vater + Größe der Mutter) : 2 plus 6 cm
Mädchen = (Größe des Vater + Größe der Mutter) : 2 minus 6 cm

 
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Bild: ©Stuart Monk -fotolia.de

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  • supermama

    Mein Sohn misst mit seinen mittlerweile 17 Jahren noch immer knappe 1.65 Meter. Bis vor ein paar Jahren machte ihm seine Körpergröße nichts aus, doch mit der Pubertät litt er zunehmend darunter. Besonders schlimm sind die Hänseleien, die er in der Schule über sich ergehen lassen musste. Aus Angst davor, war er ständig krank und blieb teils tagelang zuhause. Auf der Suche nach einer Lösung bin ich schließlich auf Mario Bertulli
    aufmerksam geworden. Bertulli stellt Schuhe speziell für kleine Männer her. Jedes
    Modell hat einen unsichtbaren „Lift-up-Effekt“, der den Träger um bis zu zehn Zentimeter erhöht. Die Auswahl ist riesig und auch jugendliche Freizeit- und Sportschuhe sind im Angebot. Ich bestellte gleich mehrere Paar für meinen Sohn. Dieser wechselte schlussendlich die Schule und begann mit Mario Bertulli noch einmal von vorn: seine Lebenslust und sein Selbstvertrauen haben einen großen Kick bekommen.

  • Ich

    Meine tochter ist 11 und 175 gross! Ist das normal???

    • Lukas Schreiner

      Ne nicht so normal meiner ist 12 und 1.66

  • Ramona Böttcher

    Meine Tochter ist 12 und 179…ist das noch normal

  • JungsMutti

    Mein Sohn ist 3,5 Jahre und 122cm gross…damit überragt er im Kindergarten alle Gleichaltrigen. Auf Spielplätzen kommt es oft zu missverständnissen,weil Kinder und auch fremde Eltern ihn für ein Grundschulkind halten und dementschprechendes Verhalten von ihm erwarten-was bei einem 3jährigen aber noch nicht möglich ist.
    Ganz anders der Sohn einer Freundin. Er ist 5 Jahre und trägt gerade mal Gr.92. Das führt oft dazu das er nicht voll genommen wird,weil er viel jünger geschätzt wird als er ist.
    Zu erwähnen ist vielleicht noch das mein Partner und ich/ meine Freundin und ihr Mann durchschnittlich gross sind.

  • brigitte

    Mein kind ist 3 jahre alt und 1,60

    und in kindergarten ist er zu groß