Hormonbehandlung bei Kinderwunsch

Es gibt viele Gründe, warum der Kinderwunsch unerfüllt bleiben kann. Oft kann eine Hormontherapie bei weiblicher Unfruchtbarkeit helfen. Lesen Sie mehr Informationen und den Bericht einer Betroffenen…

Ein Leben mit Kindern. Für einige Paare bleibt dieser Wunsch unerfüllt. So auch für Kai und Karin Gericke. „Wir haben es lange nicht wahrhaben wollen, dass es auf natürlichem Wege bei uns nicht klappt,“ sagt Karin. Die heute 38jährige war zunächst geschockt, als der Frauenarzt ihr erklärte, dass sie gar keine richtigen Eisprünge hatte. Eine eingeschränkte Funktion der Eierstöcke ist die häufigste Ursache bei weiblicher Unfruchtbarkeit.
 
Auch Fehlfunktion der Schilddrüse und andere hormonelle Störungen wie etwa PCO sind eine Indikation für eine Sterilitätsbehandlung mit Hormonen. Durchschnittlich werden etwa 40 Prozent der behandelten Frauen schwanger, die meisten allerdings erst nach vier bis sechs Behandlungszyklen. 
 
Um die Hormone wieder zu harmonisieren, werden hormonelle Präparate gespritzt, die die Produktivität der Eileiter anregen und so das Wachstum der Eibläschen (Follikel) steigern sollen. Das am häufigsten eingesetzte Medikament ist Clomifen. Es bewirkt im Zwischenhirn (Hypothalamus) eine vermehrte Ausschüttung von GnRH (Gonadotropin-Freisetzungs-
hormon). So wird in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) ein deutlicher Anstieg von FSH (follikelstimulierendes Hormon) sowie von LH (luteinisierendes Hormon) bewirkt. FSH stimuliert das Follikelwachstum in den Eierstöcken. LH führt zum Eisprung und unterstützt die zweite Zyklushälfte (Lutealphase).
 
Clomifen wird ins Fettgewebe des Unterbauchs oder in den Oberschenkel gespritzt – Frauen mit Kinderwunsch können dies nach einer kurzen Einweisung durch den Frauenarzt gut selber machen. Die Zahl der so heranwachsenden Eizellen wird beim Frauenarzt streng überwacht, denn bei der Einnahme des Medikament ist die Mehrlingswahrscheinlichkeit hoch. Sind zu viele reife Eizellen vorhanden, rät der Frauenarzt von Geschlechtsverkehr zum Zeitpunkt der fruchtbaren Tage ab.
 
Die hormonelle Stimulation beginnt meist ab dem dritten Zyklustag. Etwa ab dem achten Zyklustag wird dann mit einer Ultraschallkontrolle und einer Blutentnahme der Hormonspiegel gemessen. Haben sich Follikel gebildet, wird der Eisprung künstlich mit einer weiteren Hormonspritze, dem humanem Choriongonadotropin (hCG) ausgelöst. „So und jetzt machen Sie es sich nett,“ sagte der Arzt zu Ehepaar Gericke mit einem Augenzwinkern. Denn nach der Auslösung sollte der Geschlechtsverkehr stattfinden.
 
Sollten die Eierstöcke auf die Clomifenbehandlung nicht reagieren, wird in der Regel die Behandlung mit Hormonen aus der Hirnanhangdrüse (Gonadotropinen), dem follikelstimulierenden Hormon (FSH) oder dem luteinisierenden Hormon (LH) fortgesetzt. Diese Hormone bewirken eine Entwicklung der Follikel in den Eierstöcken, indem sie diese direkt anregen. Die Dosierung der Gonadotropine muss indivuell bestimmt werden. Der gesamte Zyklus der Frau wird genau dokumentiert.
 
In den meisten Fällen trägt die Krankenkasse die Kosten für eine Hormontherapie. Oft wird sie allerdings auch im Rahmen von Behandlungsmöglichkeiten der künstlichen Befruchtung genutzt.
 
Prinzipielle Risiken einer hormonellen Stimulation sind:
 
  • das Überstimulationssyndrom mit dem Risiko der Ovarialtorsion (Verdrehen des Eierstocks um die eigene Achse und dadurch Unterbindung der Blutzufuhr) sowie der Thrombose (Blutgerinnsel)
  •  erhöhtes Risiko für Mehrlingsschwangerschaften- mit der entsprechenden Gefahren
  •  möglicherweise ein erhöhtes Risiko für die Entstehung eines Eierstockkrebses

 

Einerseits sind die langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen sind noch gar nicht erforscht, andererseits vermelden Forscher immer wieder neue Möglichkeiten im Bereich der hormonellen Therapie, sodass immer mehr Paare auf Nachwuchs hoffen dürfen.
 
Für Karin Gericke machte sich über die Risiken keine Gedanken. „Ich hätte alles für ein Baby getan,“ sagt sie. Ihre Geduld wurde belohnt, nach fünfmonatiger Behandlung wurde sie schwanger. Jonas ist heute drei Jahre alt  – und hat eine einjährige Schwester. „Anna wurde auf ganz natürlichem Weg gezeugt, “ sagt Karin lachend. „Mein Körper hat wohl endlich kapiert, wie das funktionieren soll mit dem Eisprung.“
Foto: © Catherine Yeulet für istockphoto.com 
 
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