Kinderschuhe müssen passen

Fast sechzig Prozent aller Kinder tragen die falschen Schuhe- worauf sollte beim Kauf von Kinderschuhen geachtet werden, damit es den kleinen Füßen auch gut geht?

Die Zahlen sprechen für sich: 99 Prozent aller Neugeborenen haben gesunde Füße, aber 60 Prozent der Erwachsenen können das nicht behaupten. Der Grund: Viele Menschen tragen Schuhe, die überhaupt nicht passen. Vor allem Kinder. Studien am Universitätsklinikum Tübingen zeigen, dass mehr als 60 Prozent aller 2- bis 14-Jährigen zu kleines Schuhwerk tragen.
Kinderfüße bestehen aus recht weichem knorpeligen Gewebe. Sie sind noch im Wachstum. Werden sie eingeschränkt – etwa, weil sie vorne am Schuh anstoßen – führt das schnell zur Abschwächung der Muskulatur und zu Fehlstellungen. Die ersten Symptome sind Druckstellen und Blasenbildung.
Der Sportwissenschaftler Dr. Wieland Kunz erklärt, dass die Füße ja die Basis des Körpers sind. „Wird sie beeinträchtigt, wirkt sich das auf den ganzen Körper aus. Die Veränderung der Körperstatik kann Knie-, Hüft- und Rückenbeschwerden auslösen.“
Wieviel wächst ein Kinderfuß pro Monat?
Bei Kindern wächst pro Zentimeter Körperwachstum der Fuß im Schnitt um fünf Millimeter.
Das heißt bei Kleindkindern unter drei Jahren: Der Fuß wächst im Monat um einen bis eineinhalb Millimeter, bei älteren Kindern über drei Jahren etwa ein Millimeter pro Monat. Alle drei bis vier Monate sollte deshalb geprüft werden, ob die Schuhchröße noch stimmt.
Besonders gut geht es mit neuen Meßgeräten, so der Experte Wieland Kunz, der selbst eines mitentwickelt hat. Alternativ wird aus leichter Pappe eine Schablone des Fußes angefertigt und in den Schuh gelegt. Die bekannte Daumenprobe klappt meist nicht, da Kinder ihre Zehen bei Druck einziehen.
Der ideale Zeitpunkt für den ersten Schuh

Kleinkinder haben noch runde weiche Ballen. Der Fuß muss sich erst noch an das ungewohnte Gewicht gewöhnen. Kunz: „Kleine Füße entwickeln sich ohne Schuhe am besten.“ Solange ein Laufanfänger nur tappst sollten höchsten kleine Lederpuschen ohne Sohle getragen werden, so kann sich der Fuß am besten entwickeln. Erst wenn Kinder mehr als zwanzig Schritte laufen und richtig im Freien herumwandern möchten, steht der erste gemeinsame Besuch im Schuhgeschäft an.
Auf die Messung kommt es an
Im Geschäft sollten das Kinder erst ein bisschen herumlaufen, rät Konrad Weissler, Kinderschuhexperte am Deutschen Schuhinstitut in Frankfurt/Main. Vor allem bei Kleinkindern gilt: Meist sind die bisherigen Schuhe schon etwas knapp: Die Kinder ziehen die Zehen ein und halten sie auch eine Weile angezogen. Durch das Laufen auf Socken entspannt sich der Fuß, so dass seine Länge und Weite genauer vermessen werden kann. Und Schuhkaufanfänger müssen sich erst entpannen, damit auch sie die aufregende erste Messung gut mitmachen.
Für das Ausmessen wird meist ein WMS-Meßbrett verwendet. Dabei steht W für weit, M für mittel und S für schmal. Die Eltern sollten darauf achten, dass das Kind fest steht und auch und sich für die Messung ausreichend Zeit genommen wird. Entscheidend für die Zuordnung zu einer Größe und zu einer der Weitenkategorien ist die längste beziehungsweise breiteste Stelle des Fußes..
Der richtige Halt ist wichtig
Kinderfüße brauchen besonders guten Halt. Generell gilt: Drei Klettverschlüsse sind besser als einer, sechs Ösen für die besser als zwei. Auch das Material ist wichtig: Die Sohle sollte möglichst biegsam, weich und leicht sein.
Die Zeitschrift Ökotest hat in einer akutellen Untersuchung herausgefunden, dass besonders Kinderschuhe schlecht verarbeitet sind. Auch erschreckend: Die angegebene Schuhgrösse ist oft falsch vermessen und stimmt nicht. Mittlerweile haben viele Schuhhersteller auf Berichte von SternTV reagiert, haben ihr Vermessungssystem verändert. Einige Schuhläden haben auch nachgemessen und kennzeichnen die Schuhe mit Echtgrößen. Wie die Größen wirklich ausfallen, kann sich von Marke zu Marke sehr unterscheiden – einen Überblick geben Schuhgrößen-Tabellen im Internet.
Dürfen Kinder auch gebrauchte Schuhe tragen?
„Aber natürlich!“ So der Sportmediziner Dr. Wieland Kunz. Eltern müssten deswegen auch wirklich kein schlechtes Gewissen haben, denn neue Kinderschuhe strapazieren das Familienbudget enorm.
Gerade kleine Kinder wachsen so enorm schnell, dass sie ihre Schuhe kaum auftragen, es lassen sich also gebrauchte Schnäppchen finden. Allerdings gibt es zwei wichtige Kriterien: Die Schuhe müssen wirklich passen und genau geprüft werden. Dabei zählt nicht die Optik des Schuhes, sondern die Sohle. Sie darf nicht einseitig abgelaufen sein.
Mehr Informationen über Kinderfüße und Kinderschuhe unter: www.kinderfuesse.com
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