Gewicht und Fruchtbarkeit

Bleibt der Kinderwunsch unerfüllt, hören viele betroffene Frauen den Satz: „Nehmen Sie erst einmal ab.“ Doch hilft das wirklich? Forscher kamen jetzt zu einem erstaunlichen Ergebnis.

Welche Rolle spielt das Gewicht in der Kinderwunschbehandlung? Diese Frage stellten sich Forscher. Sie führten acht Jahre lange eine Analyse in einem großen Londoner Kinderwunsch-Zentrum  durch und werteten die Daten von über 8000 Kinderwunsch-Patentiennen aus.
 
Vor dem Beginn einer Therapie wurde vielen Frauen dazu geraten, ihr Gewicht zu reduzieren. Dies betraf vor allem Frauen mit einem höheren Body-Mass-Index (BMI). Die Autoren der Studie stellten sich die Frage, ob dieser Rat wirklich sinnvoll ist, oder ob den Patientinnen dadurch nur wertvolle Zeit in der Kinderwunschbehandlung verloren geht.
 
Interessanterweise stellten die Forscher fest, dass sich ein höheres Körpergewicht weder auf die Stimulation von Eizellen noch auf Befruchtsraten, die Zahl der verfügbaren Embroynen oder auf die Schwangerschaftsrate als solche auswirkte. Es spielt beim Schwangerwerden also keine besondere Rolle.
 
Auffälligkeiten gab es bei Frauen mit extrem hohen BMI von über 36 (beispielsweise wären dies bei einer Körpergröße von 1,65 m  mehr als 98 Kilogramm). Bei Ihnen waren die Zyklen unregelmässiger. Die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt lag bei den extrem Übergewichtigen bei 53,3 Prozent, bei den anderen Vergleichsgruppen bei 23,6 Prozent.
 
Starkes Untergewicht (ein BMI von unter 19) gilt bei etwa sechs Prozent der Unfruchtbarkeitsbehandlungen als Ursache des Problems. Sehr dünne Frauen haben oft keinen Eisprung, die Gebärmutterschleimhäute sind nicht gut aufgebaut und auch der Hormonhaushalt ist auch unausgeglichen. Bei ihnen wirkt sich das Gewicht signifikant auf die Fruchtbarkeit aus.
 
In letzter Zeit wird der Body-Mass-Index reichlich kritisiert, denn er berücksichtigt weder Alter noch Körperbau. Dietrich Rothenbacher von der Universität Heidelberg erklärt: „Dem Gewicht, vor allem dem leichten Übergewicht, wird viel zu viel Bedeutung beigemessen.“ Mollige Frauen, die aktiv sind, haben mitunter weniger Hormon- oder Stoffwechselschäden als Normalgewichtige.
 
Wirklich schwere Frauen sollten der Gesundheit ihres Kindes zu Liebe allerdings unbedingt abnehmen. Denn auch aus anderen Untersuchungen geht hervor, dass extremes Gewicht zu vielen Schwangerschaftskomplikationen wie etwa Präeklampsie führen kann. Zudem wird bei starkem mütterlichem Übergewicht das Kind nur schlecht versorgt.
 
Schaden kann eine Gewichtsreduktion vor einer geplanten Schwangerschaft natürlich nicht, aber gerade während einer Kinderwunschbehandlung sollte sorgfältig überlegt werden, ob so ein zusätzlicher Stress wirklich sein muss.
Foto: © hartphotography1 für istockphoto.com
 
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