Gesundheitscheck bei Kinderwunsch

Quietschfidel – bis auf die Kopfschmerzen oder den ständigen Durst? Hoher Blutdruck und Diabetes werden oft übersehen. Wenn Sie schwanger werden möchten, müssen Sie einen Gesundheitscheck machen. Warum nicht gleich?

Insbesondere für Frauen mit Kinderwunsch jenseits der 30 kann ein genereller Gesundheits-Check eine gute Investition sein: manche „Befruchtungswillige“ hat schon wertvolle Monate ins Land ziehen lassen, um später festzustellen, dass die Verwirklichung des Kinderwunsches nur möglich ist, wenn körperliche Probleme zuvor behandelt werden.
 
Eine schlecht eingestellte Schilddrüse ist z.B. ein häufiger Hinderungsgrund für erfolgreiches Schwangerwerden. Die Frau merkt nichts von ihrem Schilddrüsenproblem, weil sie keine Schmerzen hat und die Symptome (Gewichtsveränderungen, Frieren oder Schwitzen, Haarausfall) leicht auf andere Ursachen zurückgeführt werden können. Sie hat keine Ahnung, dass dieses Problem durch Schilddrüsenhormone in Tablettenform ganz einfach gelöst werden könnte – außer, wenn sie sich beim Arzt gründlich durchchecken lässt.
 
Zur Vorbereitung des Check-Ups sollten Sie Ihre Unterlagen durchforsten: wogegen sind Sie geimpft? Welche Infektionskrankheiten haben Sie durchgemacht? Sind Sie schon mal operiert worden? Gab es in Ihrer Familie schwere Erkrankungen oder Erbkrankheiten? 
 
Dies untersucht der Arzt:
 
Den allgemeinen Gesundheitszustand: eine Kombination aus Anamnese (medizinischer Vorgeschichte) und Status Quo (momentaner Bestandsaufnahme). Dazu gehört das Messen des Blutdrucks, Wiegen, Feststellen der Körpergröße, Fragen nach Allergien und auch nach dem Wohlbefinden.
 
  • Bei einem Gesundheitscheck mit dem erklärten Ziel, schwanger zu werden, wird der Arzt auch nach vorherigen Schwangerschaften fragen – egal, wie kurz sie dauerten. Hier ist auch ein positiver Schwangerschaftstest interessant, der vielleicht drei Tage später negativ ausfiel.
  • Der Menstruationszyklus und bisherige Verhütungsmethoden werden dokumentiert
  • Wie ist der Lebenswandel? Raucht die Frau, trinkt sie Alkohol, nimmt sie Medikamente? Wie stressig oder entspannt ist ihr Leben?
  • Der Arzt kann ein großes oder ein kleines Blutbild machen (wenn keine akute medizinische Notwendigkeit dafür besteht, muss der Patient die Kosten dafür tragen), das Aufschluss über hormonelles Ungleichgewicht und Hinweise auf Erkrankungen gibt.
  • Eine Untersuchung des Urins auf Bakterien, Glucose und Proteine erlaubt Rückschlüsse auf bestehende Entzündungen oder Diabetes.

 

Danach fragt der Arzt: Gibt (oder gab) es diese Krankheiten in Ihrer Familie?

 
  • Diabetes
  • Bluthochdruck
  • Epilepsie
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Stoffwechselerkrankungen
  • psychische Erkrankungen
  • genetische Krankheiten
  • Asthma
  • Blutkrankheiten
  • Herzkrankheiten
  • Nierenkrankheiten

 

Sollten Sie zwei oder mehr Fragen mit „ja“ beantworten, sind meist weitere Untersuchungen nötig.

 

Außerdem fragt der Mediziner dies:

 

  • Welche schweren Erkankungen hatten Sie in der Vergangenheit?
  • Rauchen Sie? Wieviel?
  • Trinken Sie Alkohol? In welchem Maß?
  • Nehmen Sie regelmäßig Medikamente. Betäubungsmittel, Vitamine oder homöopathische Mittel ein?
  • Haben Sie in den vergangenen 6 Monaten Medikamente eingenommen?
  • Sind Sie bereits operiert worden?  Sind Sie schon einmal schwer verletzt gewesen?
  • Wogegen sind Sie geimpft worden? Hier wird auch nach einer Impfung gegen Röteln gefragt, weil eine Erkrankung mit Röteln in der Schwangerschaft sehr gefährlich ist.
  • Was tun Sie beruflich? Wo wohnen Sie? Diese Frage erlaubt Schlüsse über das Ausmaß, in dem man schädlichen Einflüssen ausgesetzt ist.
  • Haben Sie jemals eine Bluttransfusion erhalten?
  • Leiden Sie unter Allergien?
  • Hatten Sie schon einmal eine Geschlechtskrankheit? Oder Herpes?
  • Haben Sie intravenös (in die Adern) Medizin erhalten?
  • Könnten Sie Hepatitis B, C oder AIDS haben? (Dann macht man einen Bluttest)
  • Hatten Sie Harnwegsinfektionen?
  • Ist bei Ihnen schon mal ein Gebärmutterhalsabstrich gemacht worden?
  • Waren Sie schon einmal schwanger? (Egal, wie kurz oder lange!). Wann? Was ist passiert?
  • Wie regelmäßig ist der Monatszyklus? Wie viele Tage lang und wie stark ist die Blutung?
  • Welches Verhütungsmittel setzen Sie ein? Welches haben Sie in der Vergangenheit benutzt?
  • Wie ernähren Sie sich?
  • Machen Sie Sport?

 

Falls Sie über- oder untergewichtig sind, wird auch dies ein Thema sein. Am besten stehen die Chancen, schwanger zu werden, nämlich bei normalgewichtigen Frauen. Aber auch denen kann durch einen Gesundheitscheck dem Kinderwunsch auf die Sprünge geholfen werden.

Die meisten Mediziner raten Frauen mit Kinderwunsch, vorbeugend Folsäure einzunehmen. Man kann sie ohne Rezept in der Apotheke kaufen. 

 
Wann wird genetische Beratung nötig? Wer braucht intensivere Tests?
 
  • Wenn bekannt ist oder vermutet wird, dass einer der Partner eine Erbkrankheit hat (z.B. Mukoviszidose)
  • Wenn bereits ein Kind mit einer Erbkrankheit in der Familie geboren wurde (z.B. Down Snydrom oder Neuralrohrdefekte)
  • Bei vorhergegangenen Fehlgeburten, Totgeburten oder kurz nach der Geburt verstorbenen Kindern
  • Bei zu enger Blutsverwandtschaft (das kommt sehr selten vor: in abgeschiedenen ländlichen Gegenden oder bei Ehen innerhalb der Familie)
  • Falls die Frau älter als 35 Jahre ist oder der Mann älter als 55 Jahre ist
 
Die genetische Beratung für Paare mit Kinderwunsch ist ein weites Feld, das umfangreiche Nachforschungen in der Familie nötig macht. Es gibt zudem viele spezialisierte Kinderwunschzentren in ganz Deutschland. Eine Liste der Praxen in den einzelnen Bundesländern finden Sie hier.
Foto © Katarzyna Leszczynska für istockphoto.com
 
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  • sainopiii

    Was ist wenn man weiß, dass man eine Erbkrankheit hat oder älter als 35 oder als Mann älter als 55 ist. Was für Konsequenzen würde es geben (rechtlich gesehen), wenn das Kind dann behindert ist??

    LG